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Fußballtraum : Fußball und Schule: Das kostet Kraft

Unterschiedliche Perspektiven? Fritz (l.) und Bilal spielen künftig in getrennten Teams Bild: Julia Zimmermann

Zweieinhalb Jahre lang haben Bilal und Fritz in einem Team gespielt. Nun gehen die Hertha-Jungs getrennte Wege. Die Doppelbelastung macht beiden zu schaffen. FAZ.NET begleitet die Nachwuchsspieler in einer Langzeitreportage.

          5 Min.

          Es ist dieser eine Schuss im Frühjahr, der Bilal nicht mehr aus dem Kopf geht. Hertha BSC steht im Endspiel um den Nike Cup, Elfmeterschießen gegen Hannover 96. Der Sieger darf im August zum großen internationalen Turnier des Sportartikelkonzerns nach Old Trafford. Manchester United, FC Chelsea, PSV Eindhoven, Fenerbahce Istanbul und Boca Juniors Buenos Aires werden dann dabei sein, dazu Klubs aus Brasilien, Japan, China, Mexiko, Ghana und noch einigen anderen Ländern. Die ganze Welt wird also nach Manchester kommen, über 9000 Teams aus 43 Ländern haben versucht, sich dafür zu qualifizieren, und Bilal und Fritz und die anderen Jungs der U15 von Hertha trennt nun nur noch das Elfmeterschießen von diesem Traum. Es ist das wichtigste Spiel des Jahres.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Bilal hat ein hervorragendes Turnier gespielt, er wird danach zum besten Spieler gewählt werden, aber vor dem Elfmeterschießen verlässt ihn plötzlich sein gutes Gefühl. Er möchte nicht schießen, er spürt, dass etwas nicht stimmt. Aber der Trainer will, dass Bilal schießt, und Bilal lässt sich überreden. Und dann passiert, was er befürchtet: Bilal verschießt den entscheidenden Elfmeter, und der Traum vom Turnier in Manchester ist dahin. „Danach war ich ganz fertig, mir ging es gar nicht gut“, sagt Bilal, „ich hatte mich so auf dieses Turnier gefreut - und die anderen auch.“

          Das Spiel gegen Hannover war so etwas wie ein Abschied Bilals von seiner Mannschaft. Danach spielten sie zwar noch einmal zusammen beim Berliner Pokalfinale, das sie ganz locker 8:1 gewannen, aber das bedeutete natürlich nicht so viel wie das Duell in Old Trafford. Schon in der Winterpause hatte Hertha BSC entschieden, Bilal eine Altersstufe höher einzusetzen, in der U16. Da sind seine Mitspieler ein Jahr älter und seine Gegner zwei Jahre. Bilal sollte noch mehr gefordert werden.

          Fritz: Abi mit der Eins vor dem Komma in Planung
          Fritz: Abi mit der Eins vor dem Komma in Planung : Bild: Julia Zimmermann

          Endlich Sommerferien

          Sein Aufstieg in den Jahrgang 1995 war auch ein Zeichen an die Mitspieler in seinem Team: Bilal ist schon einen Schritt weiter auf dem Weg in den Profifußball. Und so sorgte sich Bilal auch ein bisschen, wie ihn die alten Mitspieler aufnehmen würden, als er im Frühjahr nur für das Turnier wieder zurückkehrte. „Es war für mich schon komisch. Ich wusste nicht, was sie über mich denken, weil ich ja jetzt von oben kam. Aber alle haben mich sehr gut aufgenommen“, sagt Bilal. Das hat ihn gefreut. Sich in seiner neuen Mannschaft einzufinden hat ein paar Wochen gedauert. Aber dann lief es auch bei den Älteren. „Ich habe danach gute Spiele gemacht“, sagt Bilal, „ich habe meine Tore gemacht und auch Tore vorbereitet.“ Es ist einiges zusammengekommen für den vierzehn Jahre alten Stürmer in dieser Saison: der Teamwechsel innerhalb des Verein, und in die deutsche U15-Nationalmannschaft kam er auch.

          Bilal: Ein Tor pro Länderspiel macht nicht zufrieden
          Bilal: Ein Tor pro Länderspiel macht nicht zufrieden : Bild: Julia Zimmermann

          Es ist die zweite Woche der Sommerferien, und man merkt immer noch, dass Bilal eine anstrengende Zeit hinter sich hat. Er ist froh über die Pause. Endlich mal kein Fußball und keine Schule. Weil er mit dem Fußball im Sommerhalbjahr so oft unterwegs war, litt die Schule darunter. Bilal fehlte von Februar bis Ende Juni rund einen Monat, immer entschuldigt wegen des Fußballs, aber das half nicht viel. In den ersten Tagen nach den Ferien muss er in die Nachprüfung, Chemie. Dann entscheidet sich, ob er es in die neunte Klasse schafft.

          „Ein bisschen Ärger mit den Lehrern“

          Bei Hertha bekommt Bilal seit Mai Nachhilfe, er ist zuversichtlich, dass er das mit der Nachprüfung hinbekommt. Aber dann will er die Schule wechseln. „Sie haben gesagt, sie können nicht noch mehr Rücksicht nehmen“, sagt Bilal. Mit seinen Eltern hat er sich schon um eine andere Schule gekümmert, eine sportbetonte Schule, damit die Doppelbelastung nicht mehr so arg durchschlägt wie bisher. Neben den Lehrgängen mit der Nationalmannschaft ist viermal die Woche Training mit Hertha, und Bilal hat in diesem Halbjahr immer wieder gespürt, wie ihm dann abends die Kraft für die Vorbereitung auf die Schule ausgegangen ist.

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