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Fußballtraum : Bilal für Deutschland

Fritz fühlt sich gut aufgehoben im Team. Er spricht vom Zusammenhalt, den der Trainer fördern will neben dem „unbedingten Siegeswillen“. Und dass es diesen Zusammenhalt auch gibt. Bei einem Hallenturnier hatte ein Spieler sein Trikot vergessen. Wer es vergisst, darf nicht spielen. Das ist die Regel. Dem Jungen kamen die Tränen. Der Trainer fragte seine Spieler, ob der Junge komplett draußen bleiben soll. Oder ob sie bereit wären, dass sich in jedem Spiel ein anderer opfert und ohne Trikot zuschaut. Die Mannschaft entschied, die Trikots zu teilen. Covic findet sein Team herausragend.

Wie Philipp Lahm

Für den Trainer ist Fritz eine der großen Entdeckungen der Saison. „Er hat mich am meisten überrascht“, sagt der Trainer. Covic arbeitet erstmals als Jugendtrainer. Er war früher Profi, insgesamt ist er seit fast fünfzehn Jahren bei Hertha. Im Sommer informierte er sich bei einigen Leuten über sein neues Team, dabei wurden ihm immer wieder dieselben Namen von auffälligen Spielern genannt. Fritz war nicht dabei. „Ein hochintelligenter Junge und ein ordentlicher Fußballspieler. Das war mein erster Eindruck von außen.“ Aber dann fand er ganz vorbildlich, wie sich Fritz verhielt und entwickelte. „Ich habe ihn zweimal vor der gesamten Truppe gelobt, welche Konstanz er schon mit seinen vierzehn Jahren bringt – und welche fußballerischen Fähigkeiten er sofort umsetzt, die ich verlange.“

Manche Leute sagen über Fritz, dass sein Spiel an das von Philipp Lahm erinnert. Fritz findet das ein bisschen unpassend. Erstens: wegen des großen Namens. Zweitens: weil er gar nicht so spielen will wie Lahm. Im Defensivverhalten findet er den deutschen Kapitän überragend. Aber er will die Verteidigerrolle offensiver ausfüllen, öfter von der Grundlinie aus flanken. In dieser Saison hat er in seinem Alter noch keinen Spieler auf seiner Position gesehen, der „viel besser war als ich“, um genau zu sein: „der überhaupt besser war als ich.“

Bindung zum Trainer

Bilal ist angetan von seinem neuen Trainer, trotz der Sache mit Cottbus. „Ich finde ihn perfekt. Er nimmt uns in den Arm und sagt uns, was wir besser machen können. Er lacht mit uns, aber wenn wir zu viel Quatsch machen, ist er auch ernst.“ In der Woche nach dem Cottbus-Spiel hat ihn Covic beim Training auch wieder in den Arm genommen und versucht, ihm die Sache zu erklären. Der Trainer sagt: „Bilal gehört für mich zu einem der talentiertesten Spielern seines Jahrgangs in Deutschland. Aber Bilal muss und wird begreifen, dass wir im Fußball voneinander abhängig sind. Er entwickelt sich stetig.“

Beim Spiel gegen Cottbus fehlte auch Fritz. Er war auf Schüleraustausch in Frankreich. Eine Verletzung in der Hinrunde kam hinzu, er fiel zurück. Covic überraschte das nicht. „Es ist das Normalste dieser Erde, dass Kinder mit 14 Jahren in ein Leistungsloch fallen. Da war Fritz drin. Aber dann bin ich als Trainer verantwortlich. Ich habe ihn in den Arm genommen und gesagt: Wir kommen da wieder raus. Fritz ist wieder rausgekommen.“ Wenn Fritz über Covic spricht, hebt er sofort hervor, dass der Trainer mit allen viel spricht.

In den Arm nehmen, viel miteinander reden, Beziehung herstellen. Man spürt, wie wichtig für die Vierzehnjährigen die Bindung zu einem Trainer ist, wie ihnen Nähe und Wärme gut tun auf dem langen, schwierigen und manchmal auch jetzt schon etwas einsamen Weg zum Profifußball. „Mir kommt entgegen, dass ich selbst zwei Kinder habe“, sagt Covic. „Trotz meiner ehrgeizigen Ziele, die ich selbst auch als Trainer habe, der Karriere machen möchte, darf man eins nicht vergessen: Man muss sich das Vertrauen von Kindern erarbeiten. Man bekommt es nicht geschenkt.“

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