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Fußballtrainer Krautzun im Gespräch : „Ich konnte die totale Isolation nicht mehr ertragen“

  • Aktualisiert am

„Man muss wissen, worauf man sich einlässt”: Eckhard Krautzun Bild: picture-alliance/ dpa

Im Moment steht Chinas Frauenteam bei der WM im eigenen Land stark unter Erfolgsdruck. Der Deutsche Eckhard Krautzun wird dort als Fußballexperte hochgeschätzt. Im Interview spricht er über Trainingszentren, Versagensängste der Spieler und politische Kommentare.

          Eckhard Krautzun war bis Anfang des Jahres Berater der chinesischen Frauen-Nationalmannschaft. Er betreute das Team noch beim Vier-Nationen-Turnier im Januar. Zuvor hatte Krautzun jahrelang mit anderen chinesischen Auswahlmannschaften gearbeitet, unter anderen mit der U 20 der Männer. Zuletzt war er auch als Trainer der A-Nationalmannschaft im Gespräch. In China ist Krautzun als Fußballtrainer hochgeschätzt, fast täglich bekommt er Interviewanfragen von chinesischen Medien. Krautzun reist in dieser Woche als Ehrengast zur Weltmeisterschaft und wird unter anderen vor chinesischen Trainern referieren.

          Am Donnerstag schafften die chinesischen Frauen bei der WM im eigenen Land den Einzug ins Viertelfinale. Sie kennen das Team ja gut - wie sind Sie dazu gekommen, die chinesischen Frauen zu betreuen? Sie hatten vorher doch nur Männer trainiert.

          In China geht das so: Wenn man als Trainer mit seinem Team erfolgreich ist, wie wir bei der U-20-WM vor zwei Jahren in den Niederlanden, wird ein solches Betreuerteam vom Sportministerium oft zum nächsten großen Ereignis geschickt. Sie sagen dann zu allen Trainern, Managern und Betreuern: „Ihr geht jetzt rüber zu den Frauen. Ihr seid gut gewesen - und wir haben die WM vor der Tür.“ Ich hatte an der Aufgabe gar kein großes Interesse. Aber sie haben mich inständig gebeten und ein sehr gutes Angebot gemacht.

          Krautzuns fußballerische Arbeit wird in China sehr geschätzt

          Nach wenigen Monaten wollten Sie dann aber doch nicht mehr, warum?

          Ich konnte die totale Isolation bei den Trainingscamps nicht mehr ertragen, außerdem hat irgendwann mein Magen rebelliert - da wollte ich mich lieber in Deutschland behandeln lassen. Die Trainingszentren der Chinesen sind zwar sehr modern, aber dort ist man als Europäer sozial vollkommen isoliert. Oft kann man sich nur mit wenigen Teammitgliedern unterhalten. Englisch ist noch nicht so verbreitet. Die Trainingszentren liegen außerdem weit weg auf dem Land. Deutsche Spieler werden im Trainingslager ja schon nach fünf Tagen nervös. Die Chinesen aber sind daran gewöhnt. Ein Trainingslager dauert da vier bis sechs Wochen, dann bekommen die Spielerinnen einige Tage frei - und dann geht es wieder auf Reisen.

          Wie reagieren die chinesischen Spielerinnen und Spieler auf die Kasernierung?

          Ich war vor einigen Jahren mit der chinesischen U 16 in Bad Kissingen, wo wir ja auch die Deutsch-Chinesische Fußballakademie hatten. Da waren wir monatelang zusammen. Ich habe mich immer gefragt: Wann bekommen die Jungs Heimweh, wann drehen die durch? Als es dann nach Hause ging, haben einige sogar geweint. Die chinesischen Sportler kennen es einfach nicht anders. Sie kommen schon in sehr jungen Jahren in die Camps und gewöhnen sich an die langen Abwesenheiten von zu Hause - und was hinzukommt, ist sicher die Ein-Kind-Politik. Ein Familienleben mit mehreren Geschwistern kennen sie nicht, sie fühlen sich dann unter Gleichaltrigen sehr wohl. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass die Trennung von ihren Eltern für diese Jugendlichen kein so großes Problem ist.

          Wie haben Sie die Arbeit dort erlebt?

          Man muss sich sehr intensiv auf die Trainingseinheiten vorbereiten. Alle Einheiten werden in Theorie und Praxis dokumentiert. Die Ausarbeitungen werden dann durch die entsprechenden Sportgremien begutachtet. Das Training wird jeden Tag eine Stunde vorgeplant - und danach exakt analysiert. Die Chinesen arbeiten ungeheuer analytisch. Sie sind hervorragend vorbereitet - ob das aber genügt, um Weltmeister zu werden, ist eine andere Sache. Die Chinesinnen sind durch das schwedische Trainerteam fachlich jedenfalls absolut top vorbereitet, sie haben auch drei herausragende Spielerinnen. Aber die lange Isolierung bringt Probleme mit sich.

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