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Fußballtrainer in Iran : Das Drama um Andrea Stramaccioni

Fußballtrainer: Andrea Stramaccioni, hier 2017 in Prag Bild: Picture-Alliance

Es geht vor allem um Geld. Womöglich aber noch um deutlich mehr als das. Was der Trainerabschied von Andrea Stramaccioni bei Esteghlal Teheran über die Probleme in Iran verrät.

          5 Min.

          Am Mittwoch in Teheran, die Temperaturen waren mild, die Luftqualität weiter miserabel, der Smog hing wie eine Glocke über der iranischen Hauptstadt, demonstrierten sie wieder. Wie in den Tagen zuvor, am Mittwoch nicht vor dem Sportministerium, sondern am Vereinsgelände des Football Clubs Esteghlal. Wieder ist von rund 100 Leuten die Rede, an ihren blauen Schals und Flaggen als Esteghlal-Fans zu erkennen. Sie demonstrierten gegen Missmanagement in ihrem Klub, sie demonstrierten aber auch für etwas, für einen. Für Andrea Stramaccioni, 43 Jahre alter promovierter Jurist aus Rom. Und Fußballtrainer. Einer, der nie lange blieb. In der Saison 2012/13 bei Inter Mailand, dann Udinese Calcio, Panathinaikos Athen, Sparta Prag. Und seit dem Sommer bei Esteghlal in Teheran.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die letzten Jahre waren nicht leicht für die Blauen in Teheran, der Lokalrivale Persepolis ist dreimal in Serie Meister geworden, Esteghlal lief in der Meisterschaft hinterher. *Auch, als der Klub von Winfried Schäfer trainiert wurde. Der Deutsche, Stramaccionis Vorgänger, gewann einmal das Teheraner Derby, eines der wahnwitzigsten Fußballspiele unter Nachbarn auf diesem Planeten. Schäfer  gewann im ersten Jahr den Pokal und gewann die Vorrundengruppe der asiatischen Champions League, die im Kalenderjahr ausgespielt wird – mit der Konsequenz, dass er im Herbst 2018, als die K.o.-Runden anstanden, mit einer neu zusammen gewürfelten Mannschaft antreten musste. Esteghlal schied im Viertelfinale aus. In der Liga reichte war Persepolis wieder voraus, als der Vorsprung der Rivalen im Frühjahr auf sechs Punkte anwuchs, nahm die Klubführung eine 0:1-Niederlage in der neuen Champions-League-Runde gegen den späteren Sieger Al Hilal aus Saudi-Arabien zum Anlass zur Entlassung. Seither wartet Schäfer, inzwischen in Abu Dhabi bei Bani Yas SC, auf sieben Monatsgehälter. Zudem habe sein Vertrag noch Gültigkeit, sagt Schäfer. Die Fifa ist informiert, sie habe Esteghlal angeschrieben.  

          Auf Schäfers Verabschiedung kam dieser Italiener. Mit Kind und Kegel, als er mit seiner Frau Dalila durch die Ruinen von Persepolis schritt – die Ruinen des Herrschersitzes der persischen Könige, nicht die Geschäftsstelle des Lokalrivalen –, hatte er den Sohn auf der Schulter. Dann begann die Saison, und Esteghlal spielte plötzlich – attraktiven Fußball. Und erfolgreichen Fußball. Und als die Welt Anfang September vom Freitod der Esteghlal-Anhängerin Sahar Chodarjari erfuhr, die sich aus Protest gegen eine Bestrafung für den Versuch, das Asadi-Stadion zu betreten, verbrannte, versammelte sich seine Mannschaft. Sie hielt eine Gedenkminute. Sein Kapitän Wuria Ghafuri sorgte dafür, dass die Spieler zum nächsten Auswärtsspiel bei Masdsched Soleyman in T-Shirts auf den Rasen traten, die ein blaues Herz zierte und die Aufschrift „Blaues Mädchen“ auf Farsi und Englisch, in Gedenken Sahar Chodarjaris. Und am 13. Spieltag, am 5. Dezember, war es so weit: Esteghlal schlug Schar-e Chodro aus Maschhad im Spitzenspiel 1:0 – Tabellenführer. Das erste Mal seit Jahren steht den Blauen eine Meisterschaft in Aussicht.

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