https://www.faz.net/-gtl-8gwa4

Miroslav Klose : Der bewunderte Einzelgänger verlässt Lazio

  • -Aktualisiert am

Tore zum Abschied vom Herzensklub: Miroslav Klose verlässt Lazio Bild: dpa

Miroslav Klose verlässt Lazio Rom. Der Weltmeister geht mit einer Tor-Bilanz, die er bei keinem anderen Klub erreichte. Zum „König von Rom“ taugte der 37 Jahre alte Stürmer freilich nie.

          2 Min.

          Man kann nicht behaupten, dass das Leben als Fan von Lazio Rom zuletzt extrem aufregend gewesen sei. Die Tifosi können ihren Präsidenten Claudio Lotito immer noch nicht ausstehen, aus Protest gegen Sicherheitsvorkehrungen im Stadio Olimpico ist seit Monaten die Fankurve leer. Das Team präsentierte sich als gehobene Mittelklasse-Mannschaft mit Tuchfühlung zur Spitze und belegte am Ende der vergangenen fünf Jahre in der Serie A die Plätze vier, sieben, neun, drei und acht. Auch jetzt, einen Spieltag vor Ende der Saison, steht Lazio wieder auf Platz acht. Und dann war da noch Miroslav Klose.

          An diesem Sonntag wird der 37 Jahre alte Stürmer sein letztes Spiel für Lazio Rom bestreiten. Der Verein, der den Abschied am Dienstag ankündigte, hat deshalb zum „Klose Day“ ins Olympiastadion gebeten und will sogar billigere Tickets verkaufen, damit sich möglichst viele Fans nach dem Spiel gegen den AC Florenz von „Miro“ verabschieden können. Wenn man so will, hat Klose das zuletzt eher unspektakuläre Dasein des durchschnittlichen Lazio-Tifoso mit überdimensionalen Farbtupfern versehen. „Er war ein echter Signore“, sagt Emanuele Branchesi, Friseur im römischen Viertel Monteverde und eingefleischter Lazio-Anhänger. Im oft skrupellosen italienischen Fußballbetrieb ist das wahrhaftig ein Kompliment.

          Stolz auf den Weltmeister

          Gewiss, einen Weltmeister in den eigenen Reihen zu haben, schmeichelte dem Lazio-Anhang. Präsident Lotito ließ Klose wegen des Erfolgs 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft eigens ehren. Aber der in Polen geborene Stürmer beeindruckte in Rom nicht nur mit Toren, sondern mit seinem Stil. Als er etwa gleich nach seinem Wechsel im Sommer 2011 vom FC Bayern zu Lazio nach dem Training die Bälle selbst einsammelte, trauten viele von Ruhm und Reichtum verwöhnte Kollegen ihren Augen nicht. „Ein Phänomen, aber so bescheiden“, schwärmt Friseur Branchesi. So etwas hatte man bis dahin in der Serie A nicht gesehen.

          In fünf Jahren erzielte Klose 63 Treffer in insgesamt 170 Spielen für Lazio, weder für den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen noch den FC Bayern absolvierte er so viele Partien. Nach Aufs und Abs erzielte Klose in dieser Saison in den vergangenen sechs Spielen sechs Treffer. In die Herzen der Tifosi schoss sich der Stürmer jedoch kurz nach seinem Wechsel am 16. Oktober 2011, als er das entscheidende Tor zum 2:1 in den Schlussminuten des römischen Stadtderbys erzielte. Die Spiele gegen den AS Rom sind für Lazio-Fans die wichtigsten des Jahres, damals hatte Lazio fünf Spiele lang den kürzeren gezogen. Sein Postbote küsste Klose am Tag nach dem Spiel die Füße. Lazio-Tifoso Branchesi sagt: „Ich hätte ihn damals drücken können wie einen Freund.“

          Zum „König von Rom“ und Aufpeitscher der römischen Massen hat Klose allerdings nie getaugt, im Gegensatz zu Francesco Totti, der Galionsfigur des AS Rom. Klose war für viele Römer ein eher aus der Distanz bewundertes Idol, ein unnahbarer Stürmer von einem anderen Planeten, der sich als Einzelgänger beim Angeln entspannte. Beim Hauptstadt-Klub hätten sie ihn angeblich gerne noch behalten, im Management. Aber Klose hat andere Pläne, die er noch nicht bekannt gemacht hat. Deshalb wird weiter über eine Rückkehr in die Bundesliga oder in die amerikanische Major League Soccer spekuliert. Vor der Saison hatte Lazio-Sportdirektor im Gespräch mit der F.A.Z. angedeutet, dass Klose bereits eine Zukunft beim DFB sicher habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach dem Prinzip Brotkasten: Fahrradgarage Modell Ceratum Trio

          Mini-Garagen für Fahrräder : Unter der Haube

          Im Ständer stehen Fahrräder weder sicher noch trocken. Spezielle Garagen versprechen besseren Schutz und haben noch mehr Vorteile. Unser Autor stellt Modelle für Vorgarten und Hinterhof vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.