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Fußballprofi in Qatar : Belounis darf ausreisen

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Darf aus Qatar ausreisen: Zahir Belounis Bild: Human Rights Watch

Fußballprofi Zahir Belounis darf aus Qatar ausreisen. Der französisch-algerische Spieler hatte seinen Verein auf Zahlung seines Gehalts verklagt und war deswegen festgehalten worden.

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          Der seit über zwei Jahren in Qatar festsitzende Fußballprofi Zahir Belounis soll aus dem Land des Gastgebers der Weltmeisterschaft 2022 ausreisen dürfen. Der Franzose habe am Mittwoch die Erlaubnis dazu erhalten, berichtete Mahdi Belounis, der Bruder des Spielers. „Nachricht von Zahir: danke euch für alles. ... Wenn ich draußen bin, ist es wegen eures phantastischen Engagements und eurer Unterstützung für die Menschenrechte“, twitterte Mahdi Belounis. Sein Bruder habe ein Ausreisevisum erhalten und werde an diesem Freitagmorgen am Flughafen Charles de Gaulle in Paris erwartet.

          Für Belounis hatten sich auch die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch starkgemacht, zudem hatte sich die Fußballspieler-Gewerkschaft Fifpro für ihn eingesetzt. Der 33-Jährige hatte laut eigenen Angaben seinen Verein auf Zahlung seines Gehalts verklagt und war deswegen im Land festgehalten worden. Belounis hatte sich vor zwei Wochen mit einem offenen Brief an Zinedine Zidane und Pep Guardiola, den Trainer des FC Bayern München, gewandt, um auf seine Lage aufmerksam zu machen.

          Der dreimal als „Weltfußballer“ ausgezeichnete Zidane, dessen Familie wie die von Belounis aus Algerien stammt, und Guardiola hatten vor der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Qatar Werbung für die Bewerbung des Golfstaats gemacht. Beide reagierten auf das Ersuchen nicht.

          Die Seglerin Tracy Edwards, die 2005 einen knappen Monat lang mit ähnlichen Schwierigkeiten wie nun Belounis in Qatar zu kämpfen hatte und nicht ausreisen durfte, hatte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der vergangenen Woche die Haltung westlicher Funktionäre und Sportmanager gegenüber Qatar scharf kritisiert: Sie seien „mutlose Waschlappen“, die ihren Einfluss nicht wahrnähmen. Als eine der wenigen Stimmen aus dem europäischen Fußball, die sich kritisch zu dem Fall geäußert haben, hatte Arsène Wenger, Trainer des Londoner Klubs FC Arsenal, Belounis’ Ausreise und die Verbesserung der Rechte von Arbeitern in Qatar gefordert.

          Beispiel für den menschenverachtenden Umgang

          Mit dem „Kafala“-System legt der Staat die Verantwortung für ausländische Leiharbeiter in die Hände der Firmen, die sie beschäftigen. Sie müssen ihre Pässe abgeben und dürfen das Land ohne Einwilligung ihres Arbeitgebers nicht wieder verlassen. Belounis’ Familie hatte seinen Fall immer wieder als Beispiel für den menschenverachtenden Umgang Qatars mit ausländischen Arbeitern genannt. Der frühere marokkanische Fußballnationalspieler Abdeslam Ouaddou, dem es in Qatar ähnlich wie Belounis ergangen war und der sich ebenfalls für ihn einsetzte, hatte häufig betont, dass Qatarer Arbeitnehmer wie moderne Sklaven betrachteten. Am Dienstagabend hatte Theo Zwanziger, Mitglied der Exekutive des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa und früherer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, die Vergabe der WM 2022 an Qatar als „einen der größten Fehler“ bezeichnet, die es je im Sport gegeben habe.

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