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Fußballnachwuchs : „Die Jungen kommen in ein Paradies auf Erden“

  • Aktualisiert am

Hoher Besuch: Pele bei den Aspire Academy Kids in Qatar Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Qatar sucht den Superstar: Die Sportakademie Aspire in Doha testet in Afrika 600.000 Fußballtalente. Am Ende erhalten drei Jungen ein Stipendium. Ein Gespräch mit dem Deutschen Thomas Flock, dem Generaldirektor von Aspire.

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          Unter Federführung der Sportakademie Aspire in Doha werden 600.000 Fußballtalente des Jahrgangs 1994 derzeit von 5000 Mitarbeitern auf 700 Plätzen in Marokko, Kamerun, Ghana, Kenia, Nigeria, Senegal und Südafrika getestet. Am Ende erhalten drei Jungen ein Stipendium. Unterstützt wird das Projekt von den Vereinten Nationen. Ein Gespräch mit dem Generaldirektor von Aspire, dem Deutschen Thomas Flock, der auch ehemaliger Leiter des Olympiastützpunktes Bayern ist.

          Der reiche Wüstenstaat Qatar setzt derzeit mit viel Geld einiges in Bewegung. Wollen die Scheiche jetzt Fußball-Weltmeister werden?

          Nein, das ist unrealistisch. Unser Ziel ist, irgendwann eine gute Chance für eine regelmäßige WM-Qualifikation zu bekommen.

          Was bezwecken Sie mit diesem Massen-Casting?

          Wir wollen unsere einheimischen qatarischen Talente durch die Zusammenarbeit mit jungen Vorbildern entwickeln. Das ist die Mission. Deswegen suchen wir auch nur drei Spieler aus für Aspire. Unser Ziel ist nicht, in zehn Jahren eine Nationalmannschaft nur mit Afrikanern zu bestücken.

          Es hat etwas vom populären Superstar-Spektakel.

          Wir wollen das Projekt auch im Fernsehen vermarkten über einen saudischen Sportkanal. Das Format soll sich weltweit verkaufen. Natürlich wollen wir bei aller Kommerzialisierung nicht abdriften in Richtung Big Brother.

          Was erwarten Sie von den drei jungen Afrikanern?

          Wir erwarten, dass jeder bei uns einen Highschool-Abschluss macht und dann in eine Profikarriere als Spieler geht. Wir werden nicht zulassen, dass uns jemand vor dem 18. Lebensjahr verlässt oder abgeworben wird.

          Was bieten Sie den Jungen?

          In Schlagworten gesagt - eine sportliche, medizinische, akademische und pädagogische Betreuung auf höchstem Niveau. Die Jungs bekommen eine gute Ausbildung und brauchen auch nicht ihre Religion zu wechseln. Einmal im Jahr können sie in Heimaturlaub, einmal können ihre Familien zu Besuch kommen.

          Ersetzt das die Bindung zu den Eltern?

          Die kleinen Fußballer kommen hier bei uns in ein Paradies auf Erden. Die Bedingungen gibt es ja nicht mal in Europa - einschließlich Internat, Schule und des Verhältnisses von Sportler zu Pädagoge. Wir tun unser Äußerstes, um ihnen den Übergang leichtzumachen. Ich gehe fest davon aus, dass keiner der Jungen in der Zeit zurückkehren will nach Hause.

          Und wer sich sportlich nicht in Ihrem Sinn entwickelt, was passiert mit dem?

          Wir arbeiten hier bei Aspire nach drei Kriterien: Schule, Disziplin und sportliche Entwicklung. Nur wenn zwei dieser drei Kriterien nicht erfüllt werden, dann diskutieren wir über eine Trennung. Das gilt für alle Studenten bei uns. Außerdem sind wir uns zu 99 Prozent sicher: Unsere Talente sind echte Superstars, auch was ihre Vorbildfunktion betrifft.

          Weshalb suchen Sie in Afrika nach dem Superkicker?

          Da gibt es noch nicht das System des internationalen Abgrasens. Wir wollten nicht der x-te sein, der auch nach Brasilien geht und versucht, junge Kicker zu finden. Wir wollten etwas anderes machen und uns auch nicht mit Vereinen in ein Boot setzen.

          Was ist der Unterschied zwischen Ihrem Abgrasen und dem Abgrasen irgendwelcher Klubs oder Geschäftemacher?

          Sicherlich wird versucht, uns jetzt in die gleiche Ecke zu drängen. Aber jeder, der sich ein bisschen mit der Sache auseinandersetzt, wird sehen, dass wir nach einem anderen Prinzip handeln.

          Das wäre?

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