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Frauenfußball-Bundesliga : Es geht auch mit taktischer Flexibilität

Lenkerin und Torschützin: Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg. Bild: Imago

Nach dem schlechten Saisonstart schlägt Wolfsburg zurück – und wie! Die Fußballfrauen des VfL zeigen beim 2:0-Erfolg in Frankfurt strategische Qualitäten, die dem Nationalteam fehlen.

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          Die Aufstellung des VfL Wolfsburg las sich auch beim Auswärtsspiel in Frankfurt wie eine kleine Europaauswahl erstklassiger Fußballspielerinnen. Alle elf Startelf-Spielerinnen haben schon reichlich Nationalmannschaftserfahrung gesammelt in ihren Länderauswahlen, Akteurinnen wie die Deutsche Lena Goeßling, die beiden Schweizerinnen Ramona Bachmann und Lara Dickenmann oder die Französin Elise Bussaglia zählen auf ihren Positionen zu den Besten des Kontinents, wenn nicht gar der ganzen Welt des Frauenfußballs.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und dennoch stand der VfL nach dem schlechtesten Saisonstart seit dem Aufstieg des Klubs von einem durchschnittlichen Bundesligateam zu Europas erfolgreichstem Klub der vergangenen Jahre gewaltig unter Druck.

          Nach dem 2:0-Sieg am Sonntag beim mit vier Siegen in vier Spielen gestarteten FFC Frankfurt hat sich der Meister der Jahre 2013 und 2014, der in den vergangenen Jahren zudem zweimal die Champions League und den DFB-Pokal gewann, nun aber wohl gerade noch rechtzeitig zurückgemeldet im Kampf um die Spitzenplätze bei nun zehn Punkten aus fünf Spielen. „Es war nach den erfolgreichen vergangenen Jahren ungewohnt für uns, in einer solchen Extremsituation zu spielen wegen der Tabelle“, sagte Trainer Ralf Kellermann. „Umso glücklicher bin ich, dass wir verdient gewonnen haben.“

          Beim Spiel vor 3400 Zuschauern in Frankfurt zeigte der VfL erstmals in dieser Spielzeit, welch großes Potential in dem Team steckt: Die Offensive mit den technisch beschlagenen und schnellen Spielerinnen wie Bachmann, Dickenmann, Goeßling sowie der Ungarin Zsanett Jakabfi stellte die viel zu ängstlich ausgerichteten Frankfurterinnen immer wieder vor große Probleme. Zudem zeigte Wolfsburg jene taktische Flexibilität, die Trainer Kellermann als einer der Kritiker von Bundestrainerin Silvia Neid, die das Spiel im Stadion verfolgte, auch fürs deutsche Nationalteam anmahnt.

          „Muss Niederlage auf meine Kappe nehmen“

          Lena Goeßling agierte beispielsweise überraschend im offensiven Mittelfeld, Rechtsverteidigerin Anna Blässe rückte offensiv immer wieder in ganz andere Bereiche vor als dem eigentlichen Aufgabengebiet einer Außenverteidigerin. Dem war der FFC Frankfurt nicht gewachsen. „Ich muss die Niederlage auf meine Kappe nehmen. Ich dachte, dass wir sie tief stehend auskontern können“, sagte dessen Trainer Colin Bell. „Ich hätte nach dem 0:1 früher personell und taktisch was verändern müssen. Das habe ich verpasst.“

          Für Frankfurt war die Niederlage ein Dämpfer, nachdem der Champions-League-Sieger des Vorjahres bislang so glücklich war mit dem neuen Weg der Enthaltsamkeit. Finanziell konnte der Klub beispielsweise in der Sommerpause nicht mithalten, als die spanische Weltklassespielerin Vero Boquete trotz des überraschenden Gewinns der Champions League mit den Frankfurterinnen beim deutschen Meister Bayern München die bessere Perspektive sah.

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          In Frankfurt mussten sie zudem das Karriereende von Celia Sasic sowie die Abgänge der walisischen Mittelfeldspielerin Jessica Fishlock sowie der deutschen Nationalspielerinnen Bianca Schmidt und Svenja Huth verkraften. Vor allem in der Breite fehlt dem Klub nun etwas die Substanz. „Verletzungen können wir nicht einfach so mit erfahrenen Spielerinnen ausgleichen wie Wolfsburg oder die Bayern“, sagt Trainer Bell.

          Das bewahrheitete sich gegen Wolfsburg schmerzlich, weil Simone Laudehr kurzfristig wegen einer Fußprellung passen musste. Deshalb fehlte den Frankfurterinnen eine ihrer mutigsten Spielerinnen, die sich wohl mehr gegen die Wolfsburgerinnen zur Wehr gesetzt hätte. Stattdessen leistete der FFC beim Wolfsburger Führungstreffer Hilfe, indem Peggy Kuznik eine Hereingabe von Jakabfi ins eigene Tor lenkte (4. Minute).

          Yuki Ogimi vergibt einen Elfmeter ängstlich

          Beim 2:0 bestrafte Lena Goeßling (37. Minute) die Passivität im Frankfurter Abwehrzentrum. Goeßling konnte sich den Ball 20 Meter vor dem Tor ruhig zurechtlegen. Die Hoffnung auf eine Wende machte kurz nach dem Wiederanpfiff Yuki Ogimi zunichte: Die erst vor Saisonbeginn aus Wolfsburg an den Main gewechselte japanische Torjägerin schob einen Elfmeter so ängstlich Richtung Torlinie, dass ihre ehemalige Teamkollegin Almuth Schult den Ball problemlos aufnehmen konnte.

          Die Wolfsburgerinnen könnten letztlich dann doch noch in ihrem Ansatz bestätigt werden, dass Kaderverbesserungen auf europäischem Spitzenniveau nur noch durch Verpflichtungen aus dem Ausland möglich seien. Trainer Kellermann muss nun nur dafür sorgen, dass sein Fußballstamm voller Häuptlinge auch künftig so ehrgeizig zusammenarbeitet wie in Frankfurt.

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