https://www.faz.net/-gtl-9kmrp

Kampf um gleiche Bezahlung : Amerikanische Fußballerinnen verklagen eigenen Verband

Auf in den Kampf: Die amerikanischen Fußballfrauen kämpfen um ihre Rechte gegen den eigenen Verband. Bild: AP

Drei Monate vor der Frauenfußball-WM droht ein Streit um Gleichberechtigung zu eskalieren: Das Team des Titelverteidigers aus den Vereinigten Staaten klagt gegen den eigenen Verband. Der Streit hat eine lange Vorgeschichte.

          2 Min.

          Wenn es um den Kampf um Gleichberechtigung auf dem Fußballplatz geht, dann stehen die Spielerinnen des amerikanischen Nationalteams traditionell stets in der ersten Reihe. Sie haben schließlich in jeder Hinsicht gute Argumente: Die Amerikanerinnen sind Rekord-Weltmeister und -Olympiasieger, im Juni werden sie in die WM in Frankreich als Titelverteidiger starten. Das verschafft ihnen weltweit große Öffentlichkeitswirksamkeit. Und in ihrem Heimatland haben sie es zugleich mit einem seit jeher der Weltspitze hinterher hinkenden Männer-Team zu tun. Ihr Anliegen stößt also allenthalben auf offene Ohren: Sie wollen vom Verband mindestens genauso gut entlohnt werden wie die männlichen, chronisch erfolglosen Nationalspieler.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Streit ist 2016 kurz vor den Olympischen Spielen entbrannt, bei denen die Amerikanerinnen Deutschland die Goldmedaille überlassen mussten. Damals hatten Topspielerinnen um die Weltfußballerin Carli Lloyd und Torjägerin Alex Morgan eine Klage eingereicht bei der Equal Employment Opportunity Commission, die Diskriminierung im Arbeitsleben verhindern soll.

          Der Verband kam den Spielerinnen vor zwei Jahren mit einer etwas besseren Bezahlung und besseren Trainingsbedingungen entgegen. Diese bestanden aber weiter auf ihrem Anspruch auf Gleichbehandlung. Vor Gericht hat sich seither gleichfalls nichts bewegt, weswegen die Spielerinnen nun im Februar das Recht erhielten, ihr Anliegen vor ein Bundesgericht zu tragen.

          Deshalb haben nach einem Bericht der New York Times nun alle 28 derzeit zum WM-Kader zählenden Spielerinnen am Weltfrauentag abermals eine Klage eingereicht. Vor dem District Court in Los Angeles werfen sie dem amerikanischen Fußballverband US Soccer jahrelange Geschlechterdiskriminierung vor. Obgleich die Spielerinnen für mehr Einsätze im Jahr angefordert würden und zugleich deutlich erfolgreicher als die Männer seien, würden sie weiterhin schlechter entlohnt und müssten mit widrigeren Arbeitsbedingungen zurechtkommen. Dafür verlangen sie rückwirkend bis zum 4. Februar 2015 Nachzahlungen seitens des Verbandes für alle seither nominierten Spielerinnen.

          Die Frage der Gleichberechtigung mit den Männern ist freilich kompliziert: Ein Großteil der Einnahmen von männlichen Nationalspielerin stammt von der Fifa als dem Veranstalter der Turniere. Der nationale Verband hat also nur bedingt Einfluss auf eine gleiche Bezahlung.

          Die amerikanischen Fußballerinnen, die trotz ihrer Klage schon weltweit im Schnitt die bestbezahlten Athletinnen in ihrem Sport sind, kämpfen freilich seit jeher nicht nur für eigene Belange. Vor der Weltmeisterschaft 2015 klagten sie gegen den kanadischen WM-Ausrichter auf das Recht, wie die Männer auf Naturrasen spielen zu dürfen. In Kanada waren die meistern WM-Stadien mit Kunstrasen ausgestattet. Die Klage scheiterte, da sie zu kurzfristig eingereicht worden war. Megan Rapinoe, eine der auch jetzt zu den Klägerinnen zählenden Stars des Teams, solidarisierte sich vor anderthalb Jahren mit dem Football-Profi Colin Kaepernick und kniete wie dieser aus Protest beim Abspielen der Nationalhymne vor ihren Spielen.

          Weitere Themen

          Leipzig setzt sich gegen Rostock durch

          DFB-Pokal : Leipzig setzt sich gegen Rostock durch

          In diesem Duell gewinnt nicht der Klub aus der zweiten Bundesliga. Leipzig trifft früh gegen Hansa Rostock, verpasst es aber nachzulegen. Erst in der Schlussphase setzt der Favorit noch ein Tor drauf.

          Topmeldungen

          Abschied aus München: Kardinal Ratzinger geht 1982 zur Glaubenskongregation nach Rom.

          Missbrauchsstudie : Was wusste Ratzinger?

          Am Donnerstag wird ein Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht. Es geht darin um einen Priester als Täter – und um die Rolle des vormaligen Papstes.
          Robert Habeck auf seiner ersten Station: Hamburg.

          Windkraft und Energiewende : Hürden für Habeck

          Um eine explosionsartige Vermehrung der Windkraft durchzusetzen, ist Robert Habeck auf die Länder angewiesen. Und auf sein Talent, der beste Sänger der Ampel zu sein.
          Mietshaus in Berlin: Nicht nur in der Hauptstadt erwarten Fachleute steigende Immobilienpreise.

          Immobilienpreise : „Die Party geht weiter“

          Die Immobilienpreise steigen und steigen. In den großen Städten raten die Gutachter mitunter sogar vom Kauf ab. Dafür ziehen mehr Menschen ins Umland und treiben dort die Preise.