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Fußballerin Ada Hegerberg : „Es tut mir leid: Ich kann nicht twerken“

Ada Hegerberg (rechts) und Moderator Martin Solveig bei der Preisverleihung. Bild: EPA

Bei der Verleihung des Ballon d’Or erlaubte sich der Moderator einen Spruch auf Kosten von Ada Hegerberg. Die Empörung war riesig. Nun spricht die Norwegerin über diesen Abend – und Mario Balotelli.

          Zwei Wochen nach dem Eklat bei der Fußball-Preisverleihung des Ballon d’Or hat sich Ada Hegerberg ausführlich zu Wort gemeldet. Bei der Übergabe Anfang Dezember fragte Moderator und DJ Martin Solveig die 23-Jährige, ob sie „twerken“ könne – also tief in die Hocke gehen und mit dem Po wackeln. Hegerberg, die als erste Spielerin die Auszeichnung des französischen Fachmagazins „France Football“ bekam, reagierte entsetzt auf die völlig unpassende wie sexistische Frage, verlor ihr Lächeln und wandte sich mit einem schnellen „Nein“ ab. Der Vorfall löste Empörung aus, Solveig bat um Entschuldigung und erklärte, die Frage sei ein Witz gewesen.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nun schreibt Ada Hegerberg in einem langen Beitrag für die „The Players‘ Tribune“ auch über den Eklat. Die Website entstand 2014 als Plattform, auf der Sportler ihre Geschichten selbst erzählen können. Und das macht Hegerberg. Sie beschreibt den Abend der Preisverleihung in Paris als „die großartigste Nacht ihres ganzen Lebens“. Diese werde sie niemals vergessen. Und das habe nichts mit Tanzen zu tun, sondern mit Respekt. Hegerberg beschreibt den Moment auf der Bühne: „Alles war perfekt. Ich sah ins Publikum und erkannte so viele tolle Fußballer. Was für ein unglaublich schöner Moment“, schreibt sie. „Ich lasse ihn mir nicht von einem dummen Scherz eines Moderators zerstören. Er (der Scherz) zerstörte den Moment nicht in dem Moment. Und er zerstört ihn nicht in meiner Erinnerung.“

          „Da explodierte mein Handy mit Nachrichten“

          Hegerberg beschreibt später, wie sie nach der Zeremonie mit ihrer Familie in Paris noch zum Essen ging. „Da explodierte mein Handy mit Nachrichten zum Kommentar des Moderators. Ich wusste nicht, dass es (im Internet) viral gegangen war.“ Sie bekam nach eigener Aussage unglaublich viele Nachrichten von anderen Fußballern. „Sogar Mario Balotelli schrieb mir eine Nachricht, was eine tolle Überraschung war.“ Sie schließt ihren Beitrag mit den Worten: „Es tut mir leid: Ich kann nicht twerken. Aber ich kann ein bisschen Fußball spielen.“

          Doch Ada Hegerberg hat noch mehr zu sagen in dem langen Beitrag bei „The Players‘ Tribune“. Sie beschreibt die Anfänge ihrer fußballerischen Karriere in einem kleinen Ort in Norwegen mit 7000 Einwohnern, irgendwo im Nirgendwo. Sie erzählt von ihrer Familie, ihrer Mutter, die Trainerin war, ihrer älteren Schwester, die als Vorbild diente, und Kapitänin der Mannschaft war. Nicht die der Frauen-Mannschaft, sondern der gemischten Mannschaft. Und sie erzählt die Anekdote, als ihre Eltern und Kameraden fragten, was sie später einmal werden möchte. „Wirst du eine Fußballerin, wie deine große Schwester?“ Und die kleine Ada verneinte: „Nein, ich werde einen echten Job machen.“

          Aus Norwegen wechselte sie 2012, mit gerade 17 Jahren, nach Deutschland zu Turbine Potsdam. Hegerberg beschreibt, wie schwer der Start war. „Wir haben drei Mal am Tag trainiert, im Eisregen, im Schnee, ganz egal. Es war brutal. Sie haben uns bis an die Grenze gepusht.“ Da seien die Momente, die niemand sehe. Inzwischen ist sie eine der besten Fußballspielerinnen der Welt und steht bei Olympique Lyon, wie auch die deutsche Nationalspielerin Dzsenifer Maroszan, unter Vertrag. Sie ist begeistert von der Kultur in diesem Fußballklub, in dem alle Spieler gleich unterstützt werden, egal ob Mann oder Frau. „Sollte es nicht überall so sein?“

          Daher gefiel ihr auch die Preisverleihung in Paris nach eigenen Worten so gut. Es wurde kein Unterschied gemacht. Roberto Carlos etwa saß im Saal direkt hinter ihr und stupste sie an. „Ada, ich bin’s schon wieder.“ Bereits 2016 hatten sie sich bei einer Gala getroffen und blendend verstanden. Am Ende passte der Brasilianer sogar auf ihre Trophäe auf. Und beim Siegerbild stand Hegerberg mit Luka Modric und Kylian Mbappé, der als bester Spieler unter 21 Jahren ausgezeichnet wurde und den sie aufzog: „Kylian, du musste dein Englisch verbessern, wenn du nächstes Jahr die große Trophäe gewinnst.“ Alle lachten. „Was für ein Moment. Nicht wegen der Auszeichnung, sondern wegen des Respekts aller untereinander. Das war es, was ich immer wollte.“

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