https://www.faz.net/-gtl-7xoys

Fußballspieler und Autos : „Das ist eine Scheiß-Kiste“

Der einstige Jaguar von Günter Netzer (links) - spätere Besitzer: Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath (im Auto) Bild: Picture-Alliance

Beckenbauer, Netzer, Overath und viele mehr: Fußball-Nationalspieler Marco Reus ist nicht der erste Kicker, dem seine Liebe zu schnellen Autos zum Verhängnis wird. Einer steuerte gar einen Fluchtwagen.

          Der 24. August des vergangenen Jahres war ein Samstag, es war einer der Tage, an dem Marco Reus richtig Gas gegeben hat. „Heute war ich auf der Rennstrecke aktiv. Schönes Wochenende“, schrieb er da auf seinem „Twitter“-Kanal. Dazu veröffentlichte er ein Foto: Reus im Rennanzug, den Helm in der linken Hand, und neben ihm steht schwarzer Dodge Challenger, ein amerikanisches Muscle Car.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein Werbedreh, denn Reus tritt seit einiger Zeit auch als Markenbotschafter von „Hot Wheels“ auf, einer Spielzeugautomarke aus den Vereinigten Staaten. Reus schien wie geschaffen für den Job: Er ist jung, bekannt – und er liebt Autos.

          Günter Netzer war einer der ersten Fußballer, die sich mit einem extravagenten Auto zeigten Bilderstrecke

          Am Donnerstag allerdings wurde bekannt, dass der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund zwischen September 2011 bis März 2014 sechs Mal ohne Führerschein unterwegs war. Warum? Weil er gar keinen hat. Die Strafe: 540.000 Euro. Reus gelobte Besserung.

          Fußballspieler lieben Autos. Nigel de Jong, der ehemalige Spieler des Hamburger SV, hat das schnell erkannt und schon vor sieben Jahren in der Hansestadt „Continental Cars“ eröffnet. Ein Luxuswagen parkt dort in diesem Autohaus neben dem anderen: Bentley, Ferrari, Lamborghini, Porsche, den Wünschen der Stars sind kaum Grenzen gesetzt. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Mesut Özil (Techart Grand GT turbo S), Lukas Podolski (Porsche Cayenne Turbo S), Jerome (Bentley Continental GTC Mansory) und Kevin-Prince Boateng (Range Rover Sport), Dennis Aogo (Bentley Continental GT Mulliner) und Nuri Sahin (Aston Martin DBS).

          Britische Autos waren schon vor Jahrzehnten beliebt in der Bundesliga. Franz Beckenbauer kaufte 1970 von Günter Netzer einen Jaguar E-Type, 10.000 D-Mark hatte er einst dafür bezahlt, war aber alles andere als zufrieden mit seiner Wahl.

          Schon am nächsten Morgen rief Beckenbauer bei Netzer an, so erzählte es dieser später einmal dem „Hamburger Abendblatt“ und beschwerte sich, dass die Bremsen defekt seien und es hineinregnen würde. Die Antwort von Netzer: „Franz, was willst du? Es ist ein englisches Auto.“ Beckenbauer wollte das so nicht hinnehmen. Erst verriet er der „Bild“: „Das ist eine Scheiß-Kiste“. Dann verkaufte er den Wagen weiter – an Wolfgang Overath.

          Immerhin hatten die Beteiligten damals den Führerschein schon erworben. Reus will die für deutsche Straßen notwendige Fahrerlaubnis nun bald nachholen. Das bestätigte er der „Bild“-Zeitung: „Heute weiß ich: Ich war in dieser Situation viel zu naiv, das war eine Dummheit. Ich habe meine Lehren daraus gezogen. So etwas passiert mir nie wieder.“

          Dem heutigen Paderborner Süleyman Koç wurde sein Führerschein zum Verhängnis. Denn 2011 wurde er wegen schweren bandenmäßigen Raubes zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, weil er an sechs Überfällen in seiner Heimatstadt Berlin beteiligt war. Seine Komplizen raubten mit Sturmmasken und Macheten verschiedene Spielotheken aus, die Boulevardmedien nannten sie deshalb die „Macheten-Bande“. Koç steuerte das Fluchtauto und beteuerte danach stets, in die Sache eben so reingerutscht zu sein. Warum? Weil er einen Führerschein habe und so schlecht „Nein“ sagen könne. Sein Auto war übrigens ein Toyota Yaris, den es neu für rund 10.000 Euro zu kaufen gibt.

          Reus fährt einen Aston Martin und einen Range-Rover. Einen Führerschein wollte er schon mal machen, als er achtzehn Jahre alt war, bei der Fahrschule hatte er sich schon angemeldet, auch mehrere Fahrstunden hatte er schon genommen, aber zu einer Prüfung ist es nie gekommen. Andere Fußballspieler haben diese Prüfung ebenfalls nie gemacht, einen Führerschein aber hatten sie trotzdem.

          Schon Ende 2006 wurde deshalb gegen einen Fahrlehrer aus Bad Gandersheim und dessen fünf Komplizen ermittelt. Der ehemalige Bremer Diego etwa gab zu Protokoll, dass er seine Theorieprüfung im Hotel ausgefüllt habe, Fahrstunden habe es nicht gegeben, eine praktische Prüfung ebenso wenig. 2900 Euro in bar habe es damals für die Lizenz zum Fahren bezahlt. Auch der frühere Wolfsburger und Bremer Marcelinho soll so zu seinem Führerschein gekommen sein.

          Am Donnerstag meldete sich nun der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp im Fall Reus zu Wort: „Ich war auch überrascht. Ich habe heute morgen mit ihm gesprochen. Er ist maximal einsichtig“, sagte Klopp. „Er ist im Leben falsch abgebogen. Es kommt der Punkt als Marco Reus, wo es schwierig ist, mit dem Auto in die Fahrschule vorzufahren und zu sagen: ich möchte den Führerschein machen. Er hat wohl keinen Ausweg mehr gesehen.“ Nun hat er keine andere Wahl mehr.

          Weitere Themen

          Im Schleudergang

          FAZ Plus Artikel: Fahrertraining : Im Schleudergang

          Assistenzsysteme hin oder her – ein Auto sicher in der Spur zu halten lernt man am besten im Fahrertraining. Dort wird auf kritische Situationen vorbereitet, im Ernstfall zählt schließlich jede Zehntelsekunde.

          Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.

          Topmeldungen

          Brasilien-Star für Bundesliga : Das ist der Bayern-Plan mit Coutinho

          Der Transfer-Coup ist gelungen, Philippe Coutinho ist ein Münchner. Doch wie soll der Brasilianer den Bayern nun am besten auf dem Rasen helfen? Die Vorstellungen der Münchner bei diesem Ein-Mann-Projekt sind klar.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.