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Fußballer Hakeem al Oraibi : Aus einem Urlaub wird ein Albtraum

Hakeem al Oraibi wird derzeit in Thailand festgehalten. Bild: AP

Hakeem al Oraibi ist ein Fußballer aus Bahrein, der seit 2014 in Australien spielt. Bei der Landung in Bangkok wird er verhaftet. Nun sitzt er fest und kämpft um seine Rückkehr in seine sportliche Heimat.

          „Stoppt sie, bitte stoppt sie“, sagte Hakeem al Oraibi, als er am Dienstag in Handschellen vor Gericht geführt wurde. „Ich möchte nicht zurück nach Bahrein.“ Am 27. November war Oraibi in Bangkok am Flughafen festgesetzt worden. Aus einem Urlaub wurde ein Albtraum. Der Fußballer lebt seit 2014 in Australien, wo er als politischer Flüchtling anerkannt ist und spielt dort für den Melbourner Klub Pascoe Vale FC. Jetzt droht ihm die Auslieferung an sein autoritär regiertes Heimatland. Nach dem Richterspruch vom Dienstag soll er weitere 60 Tage in Haft bleiben.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die thailändischen Behörden berufen sich auf ein bahreinisches Ersuchen. Interpol hat seine „Red Notice“, die zur Festnahme des Sportlers führte, zwar inzwischen annulliert. Aber da saß Oraibi längst hinter Gittern. Für Menschenrechtler handelt es sich um einen Fall politischer Verfolgung. Auch die australische Außenministerin hat sich eingeschaltet. Oraibis Verein hat einen offenen Brief an den thailändischen Premierminister geschrieben. Sogar die Fifa erklärte, sie „unterstützt die Aufrufe“, Oraibi die Rückkehr nach Australien zu ermöglichen. Der Organisation „Human Rights Watch“ hatte der Fußballer gesagt, sein Leben sei in Gefahr, sollte er ausgeliefert werden.

          Oraibi war 2014 in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Behörden bezichtigen den früheren Nationalverteidiger des Vandalismus. Er soll in den Tagen der Massenproteste von 2011 an der Verwüstung einer Polizeiwache beteiligt gewesen sein – nur, dass er Minuten vor der vermeintlichen Tatzeit bei einem im Fernsehen übertragenen Fußballspiel auf dem Platz stand. Der Richter gehörte zur Königsfamilie der Al Chalifa.

          Oraibi gehört zur marginalisierten schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Bahrein, die 2011 gegen das autoritäre sunnitische Herrscherhaus aufbegehrte. Sein Bruder musste danach ins Gefängnis. Oraibi war 2012 festgenommen worden und hatte nach seiner geglückten Flucht in Interviews Foltervorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. Als Salman Bin Ibrahim Al Chalifa, ein Mitglied des Herrscherhauses und des Fifa-Exekutivkomitees, 2016 für das Amt des Fifa-Präsidenten kandidierte, äußerte Oraibi scharfe Kritik. Und er gab eine Empfehlung ab, ihn nicht zu wählen.

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