https://www.faz.net/-gtl-7w11i

Nach tätlichem Angriff : Fußballspieler Naki verlässt türkischen Erstligaklub

  • Aktualisiert am

Deniz Naki war einst deutscher Junioren-Nationalspieler Bild: Picture-Alliance

Nach einem tätlichen Angriff von drei Unbekannten verlässt der in Düren geborene Fußballspieler Deniz Naki den türkischen Erstligaklub Genclerbirligi Ankara. Naki setzt sich für die kurdisch-syrische Stadt Kobane ein.

          2 Min.

          Nach einem tätlichen Angriff von drei Unbekannten hat der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler Deniz Naki den türkischen Erstligaklub Genclerbirligi Ankara verlassen, um in seine Heimat Deutschland zurückzukehren. Der Sprecher des Fußballverein, Hakan Kaynar, bestätigte am Mittwochabend laut der Nachrichtenagentur Anadolu, Naki habe um eine Auflösung seines Vertrags gebeten.

          Drei Menschen hatten den in Düren geborenen Sohn kurdischer Eltern laut einem Bericht der Zeitung „Bir Gün“ am vergangenen Sonntag auf der Straße angegriffen und beschimpft. „Sie haben mich beleidigt, weil ich Alevite und Kurde bin“, zitierte das Blatt den 25-Jährigen. Er habe versucht, die Angreifer zu beruhigen, sei dann aber ins Gesicht geschlagen worden. Es kursieren Fotos von Naki mit einem blauen Auge.

          Naki unterstützt Kobane - und wurde deshalb bedroht

          Deniz Naki hatte laut türkischen Medien schon früher Drohungen wegen seiner Unterstützung für die kurdisch-syrische Stadt Kobane erhalten. Kurdische Kämpfer verteidigen die Stadt seit Wochen gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

          Naki hat mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten, und sei deshalb oft angefeindet worden, sagte er nach seiner Rückkehr nach Deutschland in einem Interview mit der Zeitung Die Welt: „Vor etwa einem halben Jahr fing es damit an, dass ich bei Facebook nahezu täglich zehn bis 15 Nachrichten bekommen hatte, in denen ich beschimpft und beleidigt wurde.“ Naki hat sich „Dersim 62“, den kurdischen Namen der türkischen Provinz Tunceli, auf den rechten tätowiert und „Azadi“ (Freiheit) auf den linken. Auf seinem linken Handrücken ist der kubanische Freiheitskämpfer Che Guevara abgebildet.

          Auch wegen seiner Tattoos, aber vor allem wegen seiner Religion und seiner politischen Haltung sei er in der Türkei angefeindet worden - und zuletzt auch verprügelt. Danach sei für ihn das Maß voll gewesen, auch aus Rücksicht auf seine Familie und Freunde, die große Angst um ihn hatten.

          U19-Europameister als größter Erfolg

          Naki spielte in Deutschland unter anderem für das zweite Team von Bayer Leverkusen, den FC St. Pauli und zuletzt für den SC Paderborn in der zweiten Bundesliga. In der vergangenen Saison wechselte er zu Genclerbirligi Ankara. Zwischen 2006 und 2009 durchlief der Mittelfeldspieler alle Junioren-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes von der U17 bis zur U21. Sein größter Erfolg war der Gewinn der U19-EM im Jahr 2008. Zurück in Deutschland möchte er sich im Winter wieder einen Verein suchen.

          Genclerbirligis Vereinssprecher Kaynar sagte, als Gründe für die Vertragsauflösung habe Naki unter anderem geringe Einsatzzeiten angegeben. Zum Vorfall am vergangenen Sonntag erklärte er: „Was auch immer der Grund sein mag, der Angriff auf unseren Fußballspieler ist inakzeptabel“.

          Weitere Themen

          Erleichterung bei Pep Guardiola

          Premier League : Erleichterung bei Pep Guardiola

          Das Duell mit einem Aufsteiger fällt dem englischen Meister Manchester City unerwartet schwer. Doch am Ende kann sich Trainer Pep Guardiola trotzdem freuen. Der Rückstand auf Liverpool und Jürgen Klopp bleibt weiter groß.

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Gut zwölf Stunden dauerte der erste Tag des Prozesses gegen Donald Trump im Senat. Dabei ging es nur um die Verfahrensregeln. Die Demokraten stellten lauter Änderungsanträge. Die Republikaner schmetterten alles ab.
          Löst das Welthunger-Problem auch nicht: Ein als Ronald McDonald verkleideter Demonstrant fordert an Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums in Davos, „Eat the Rich“.

          Alles Öko? : Tage der Moralisten

          „Öko“ regiert Davos und die Grüne Woche: Alle ächzen unter der moralischen Last der Bewegung, nicht einmal die Biobauern atmen auf. Denn wer die Welt ernähren will, hat es schwer, die höchsten ethischen Standards zu erfüllen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.