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Fußballautor Leske im Gespräch : „Von Manipulationen die Schnauze voll“

  • Aktualisiert am

Matthias Sammer im letzten DDR-Länderspiel gegen Belgien Bild: picture-alliance/ dpa

Der Wissenschaftler Hanns Leske ist Experte für den DDR-Fußball. Im Interview spricht der West-Berliner über die Meisterschaften des BFC Dynamo Berlin, manipulierte Spiele und vorauseilenden Gehorsam der Schiedsrichter.

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          Der Wissenschaftler Hanns Leske ist Experte für den DDR-Fußball. Er schrieb die „Enzyklopädie des DDR-Fußballs“ und hat jüngst ein Buch über den ASK Vorwärts veröffentlicht, der von Leipzig über Berlin nach Frankfurt an der Oder verpflanzt wurde. Im Interview spricht er über manipulierte Spiele und vorauseilenden Gehorsam der Schiedsrichter.

          Die Zeitung „Neues Deutschland“ hat Ihr Lexikon des DDR-Fußballs in dem Sinne besprochen, dass man eigentlich so schön in Erinnerungen schwelgen könnte, der Autor aber leider so politisch sei...

          Man stört eine Idylle. Und mir fehlt der Stallgeruch. Als ich 2001 mit dem damaligen Mönchengladbacher Trainer Hans Meyer über seine Stasi-Akte reden wollte, fragte er: Wo kommen Sie denn her? Ich sage: Ich bin Berliner. Fragt er: West oder Ost? Ich sage: West-Berliner. Sagt er: Mit Ihnen spreche ich nicht. Bis heute bestreitet er – ganz anders als Eduard Geyer –, dass er für die Stasi gearbeitet habe. Auch die Akten können ihn nicht überzeugen. Anderseits riet er, als er Trainer von Hertha BSC war, Journalisten, wenn ihnen nichts Kritisches einfalle, sollten sie doch in seine Stasi-Akten schauen.

          Ist in den zwanzig Jahren seit dem Fall der Mauer die Aufgeschlossenheit der Beteiligten gewachsen, über Manipulationen im DDR-Fußball zu sprechen?

          Die Vereine haben kein Interesse. Weil Dynamo Dresden absprang, sagte die sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen eine bereits terminierte Veranstaltung mit mir ab der Präsident des BFC Dynamo lehnte ab, weil er, wie er sagte, meine Sicherheit nicht garantieren könne.

          Und die Fans?

          Viele sagen nach meinen Veröffentlichungen: Ja, so war‘s. Aber wenn ich mit den Akteuren von damals spreche, erlebe ich immer noch das große Schweigen. Bodo Rudwaleit, der als Torwart zehnmal Meister mit dem BFC wurde, hat mal erzählt, dass er, als seine Mannschaft in Jena einen Elfmeter bekam und Rainer Ernst verschoss, nach vorn gerannt sei und gesagt habe: Hast du gut gemacht. Damit deutete er an, dass er bemerkt habe, dass der BFC bevorzugt wurde. Weiter geht kaum einer. Rainer Ernst, der Stürmer, ist eine Ausnahme, wenn er sagt, von den zehnmal, die wir DDR-Meister wurden, hätten es drei-, viermal auch andere werden können. Auch Trainer Jürgen Bogs leugnet die Manipulationen bis heute.

          Dabei belegen Sie sie doch in Ihren Büchern.

          Die Bevorzugung der Mannschaften der bewaffneten Organe durch die Schiedsrichter zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des DDR-Fußballs. Ich habe das zum ersten Mal 1960 beim ASK gefunden: Da hat ein Schiedsrichter namens Vetter aus Schönebeck dem ASK Vorwärts Berlin in Halle zu einem 3:0 verholfen. Es gab schwere Ausschreitungen, und der Bus der Berliner wurde auseinandergenommen. Die Volkspolizei musste die Spieler schützen. Als der ASK nach Frankfurt an der Oder umgesiedelt worden war, konzentrierten sich die Manipulationen auf den BFC Dynamo.

          Wie sah das aus?

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