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Fußball-WM in Südafrika : Ausverkauft, aber leere Sitzreihen

Da wären doch noch einige Plätze frei: Wie diese Argentinier hatten einige Fans keinen Sitznachbarn Bild: REUTERS

Laut Fifa-Angaben sind 97 Prozent der Tickets verkauft. Bei den ersten Spielen blieben aber mehr Plätze frei als erwartet. Angeblich führen Transportprobleme zu den Lücken. Doch es gibt auch andere Erklärungen.

          Südafrika schwelgt im WM-Fieber, doch überraschenderweise haben die Mannschaften am Freitag und am Wochenende vor etlichen leeren Sitzreihen gespielt. Bei der Partie Griechenland gegen Südkorea am Samstag in Port Elizabeth tauchten nach Angaben des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) mehr als 8000 Besitzer von Eintrittskarten nicht auf.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Zuvor seien mehr als 39.000 Tickets für das 42.486 Zuschauer fassende Stadion verkauft worden. Bereits beim restlos ausverkauften Eröffnungsspiel Südafrika gegen Mexiko in Johannesburg wunderten sich Zuschauer über unbesetzte Ränge. Ebenso blieben bei den Begegnungen Ghana gegen Serbien in Pretoria Hunderte Sitze frei. Algerien spielte gegen Slowenien in Polokwane in einem nur zu zwei Dritteln gefüllten Stadion.

          Die Fifa und das lokale Organisationskomitee arbeiteten fieberhaft daran, eine Erklärung zu finden, sagte Fifa-Sprecher Nicolas Maingot in Johannesburg. Als möglicher Grund gelten Transportprobleme. „Es ist sicher nicht schön, freie Sitze bei den Spielen zu sehen. Aber es ist zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Insgesamt sind die Zuschauerzahlen hoch“, sagte Maingot. Laut Fifa-Angaben wurden 97 Prozent aller WM-Karten veräußert.

          Karten in großer Stückzahl an Unternehmen gegeben

          Tatsächlich stand der Verkehr in den Austragungsorten vor den Spielen zeitweise still. Im Johannesburger Hotel- und Bankenzentrum Sandton, wo viele Touristen ihr Quartier bezogen haben, ging am Freitag mehrere Stunden lang gar nichts mehr voran, weil die Polizei zwei Spuren der Hauptverkehrsader gesperrt hatte. Angeblich wollte sie die Zufahrt zu einem nahe gelegenen Fan-Park erleichtern. Beschwerden gab es auch über die Park-and-Ride-Plätze, vor denen sich ebenfalls schon Stunden vor dem Anpfiff Staus bildeten. Viele verpassten in Johannesburg daher die Eröffnungszeremonie. Fans klagten, dass sie die Parkplätze schwer fanden und lange auf Zubringerbusse warten mussten.

          Die Polizei und Südafrikas Verkehrsminister Sibusiso Ndebele hatten die Fußballfans zuvor eindringlich aufgefordert, die extra für die WM bereitgestellten Busse und Züge zu nutzen. Besser situierte Südafrikaner sind jedoch nicht an öffentlichen Nahverkehr gewöhnt. Vor allem in Städten wie Johannesburg gilt es in normalen Zeiten als gefährlich, mit dem Bus oder dem Zug zu fahren. Tausende Fans stiegen daher trotzdem ins Auto. Viele Park-and-Ride-Parkplätze, für die man zuvor Karten kaufen musste, waren schon Tage vor den Spielen ausverkauft.

          Ein Sprecher der Stadtverwaltung in Port Elizabeth bestritt, dass es unzureichende Transportmöglichkeiten gebe. Die 8000 Eintrittskarten seien offensichtlich in großen Stückzahlen an Unternehmen verkauft worden, die sie an ihre Mitarbeiter weitergegeben hätten. Ein Vertreter des lokalen Organisationskomitees spekulierte, dass Begegnungen wie Algerien gegen Slowenien weniger begehrt seien. Dies sei eher ein Grund für die frei gebliebenen Plätze als Transportschwierigkeiten. Zumindest während des Eröffnungsspiels Südafrika gegen Mexiko blieben die leeren Plätze bis zum Schlusspfiff unbesetzt.

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