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Fußball-WM : Eine Frage der Ehre für Team USA

  • -Aktualisiert am

Ein Gladbacher will die Engländer ärgern: der Amerikaner Michael Bradley Bild: AP

Das Beste zu Beginn: Gleich zum WM-Auftakt treffen die Amerikaner auf England. Vor der Partie an diesem Samstag (20.30 Uhr) strotzt Team USA vor Selbstbewusstsein und will für eine Sensation sorgen - so wie schon mal.

          Johannesburg. Natürlich wären die Engländer in der Favoritenrolle, sagt Michael Bradley. Aber für ihn und seine Mitspieler im Team der Vereinigten Staaten gehe es um die nationale Ehre. „Das ganze Land wird am Fernsehen unser Match gucken“, sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach in der Irene Country Lodge, dem ländlichen Domizil des Team USA vor den Toren Johannesburgs. Gleich zum Auftakt der WM in Südafrika findet für die Vereinigten Staaten das Topspiel statt.

          An diesem Samstag (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) geht es in Rustenburg gegen England. „Unser Land ist elektrisiert von dieser Partie. Es wird das größte Fußballspiel aller Zeiten für uns“, sagte Bradley. Das Duell gegen das Mutterland des Fußballs könne nach den Prognosen sogar das Interesse der amerikanischen Bevölkerung am Eishockey-Finale des Teams USA gegen Kanada im Februar in Vancouver in den Schatten stellen, glaubt Bradley.

          Dabei ist der 22 Jahre alte Amerikaner keiner, der zu Übertreibungen neigt. In Gladbach kennen sie ihren Michael eher maulfaul. Diese Haltung zeigt er auch, wenn er über die WM-Gastgeber spricht. Bradley macht kein Hehl aus seiner Einstellung. Nein, er wolle nichts sehen und niemanden kennenlernen. Ihn interessiert nur eines: Er will bei dieser Weltmeisterschaft möglichst viele Spiele bestreiten. Vier Begegnungen sind das Minimum, fünf wären okay, sieben ein Traum. „Wir fahren zur WM, um gut zu spielen. Wir haben eine starke Mannschaft, einen sehr starken Teamgeist. Wir haben viel gelernt“, sagte Bradley.

          „So müssen wir auch spielen, als Mannschaft, jeder für jeden“

          Fast 40 Länderspiele hat er bestritten, mit 18 Jahren gab er sein Debüt. Beim Confederations Cup 2009, der WM-Generalprobe in Südafrika, führte er aus dem defensiven Mittelfeld sein Team in das Finale. Im Ellis Park in Johannesburg, wo am 18. Juni auch das Gruppenspiel gegen Slowenien stattfindet, trafen die Amerikaner auf Brasilien und lagen mit 2:0 in Führung. Am Ende verloren Bradley und seine Kollegen 2:3, aber das Selbstbewusstsein war dennoch gewachsen. „Wenn es gut läuft, erreichen wir vielleicht das beste WM-Ergebnis aller Zeiten. Wir sind bereit dazu“, sagt Bradley.

          Platz zwei hat der in Princeton in New Jersey geborene Bradley in der Gruppe C, in der Algerien mit dem Gladbacher Teamkollegen Karim Matmour der dritte Gegner ist, im Blick. Als Zweitplazierter würden die Amerikaner im Achtelfinale dann auf Deutschland treffen, sollte die DFB-Auswahl die Gruppe D gewinnen.

          „Das wäre ein Highlight“, sagt Bradley. Schließlich haben sie mit den Deutschen noch eine Rechnung offen. Das Viertelfinale von 2002 verloren sie 0:1. Die deutsche Mannschaft beeindruckt Bradley bis heute. „Wir haben uns gesagt: So müssen wir auch spielen, als Mannschaft, jeder für jeden“, sagt Bradley. Die Sensation soll schon zum Auftakt gelingen.

          „Jetzt haben wir unsere eigene Chance, die Engländer zu schlagen“

          Es wäre allerdings nur die Wiederholung einer Story, die vor 60 Jahren Wellen schlug. Bei der WM 1950 in Brasilien waren die Vereinigten Staaten ein noch krasserer Außenseiter als in diesem Jahr in Südafrika. Aber sie setzten sich sensationell 1:0 gegen England durch. „60 Jahre sind eine lange Zeit. So etwas interessiert einen als Spieler weniger“, sagt Bradley, dessen Teamkollegen vornehmlich in der englischen Premier League ihr Geld verdienen. „Jetzt haben wir unsere eigene Chance, die Engländer zu schlagen.“

          So wie er das Thema Südafrika aussparen wollte, verweigerte Bradley auch Auskünfte über seine sehr spezielle Beziehung zum Trainer des Teams USA, seinem Vater Bob Bradley. Der Sohn ist Stammkraft, aber er spielt so gut, dass niemand behaupten kann, die Familienverbindungen seien dafür verantwortlich.

          Dass Michael immer nur Fußball gespielt hat, dass er sich weder für Baseball, Football noch für Basketball interessierte, das hat er wohl seinem Vater zu verdanken. Denn der war immer nur Soccer-Coach. Michael wurde 2004 durch das Draft System der amerikanischen Profiliga entdeckt und spielte unter seinem Vater bei den New York Metro Stars. Um sich in Europa durchzusetzen, brauchte er keine familiäre Hilfe. Nur in der Nationalmannschaft arbeiten Bob und Michael Bradley zusammen - in der Hoffnung auf den größten Erfolg in der amerikanischen Fußball-geschichte.

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