https://www.faz.net/-gtl-77wie

Fußball-WM 2022 : Qatar zu Turnier im Winter bereit

Die WM 2022 soll in Qatar in modernsten Stadien stattfinden - im Sommer oder im Winter? Bild: dpa

Das Organisationskomitee der Fußball-WM 2022 kann sich Verlegung in den Winter vorstellen. Doch dann könnten Schadensersatzklagen folgen. Auch der genaue Zeitraum des Turniers wäre ein Streitfall.

          Die nicht enden wollende Diskussion um eine Verlegung der umstrittenen Sommer-WM 2022 in Qatar auf den Winter bekommt neuen Schwung - durch Äußerungen des Gastgebers. „Verschiedene Persönlichkeiten aus der Welt des Fußballs haben ihre Präferenz für den Winter kundgetan. Wir sind bereit, die Weltmeisterschaft im Sommer und Winter auszutragen. Unsere Planungen wären davon nicht betroffen“, ließ das WM-Organisationskomitee der Qatarer nun verbreiten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erstmals kommt damit aus dem Emirat ein positives Zeichen an die Kritiker, die sich von Anfang an nicht anfreunden wollten mit der Idee eines Sommerturniers am Golf bei bis zu 50 Grad.

          Seit der Vergabe im Jahr 2011 gibt es einen Disput um die Wüsten-WM. Neben den Korruptionsgerüchten wurden vor allem Bedenken geäußert, ob Mannschaften und Zuschauern trotz der Zusagen der Ausrichter für klimatisierte Stadien und Riesen-Malls überhaupt solche extremen Wetterbedingungen zugemutet werden könnten.

          Michel Platini, Präsident des Europäischen Fußball-Verbandes, der die Qatarer bei der damaligen Abstimmung gewählt hatte, wies mehrfach darauf hin, dass aus seiner Sicht nur der Winter in Frage käme. Auch der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball merkte an, dass eine Austragung der Spiele im Winter mit Blick auf die Gesundheit der Spieler und Fans „vernünftig“ sei.

          „Es wäre besser, bei akzeptablen Temperaturen zu spielen“

          Vor einigen Tagen hatte sich der Medizinische Chef des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Michel D’Hooghe, für eine Verlegung ausgesprochen. „Es wäre besser, bei akzeptablen Temperaturen zu spielen“, sagte der belgische Arzt, der auch im Fifa-Vorstand sitzt.

          Die von vielen gewollte Veränderung des Termins würde allerdings zu vielerlei, derzeit unüberschaubaren Schwierigkeiten führen. Erstmal wären hier die Länder zu nennen, die bei der WM-Vergabe gegen Qatar verloren hatten. Die Vereinigten Staaten, Australien, Japan und Südkorea als damalige Beteiligte am Verfahren könnten aufgrund der im Nachhinein veränderten Bewerbungsgrundlage sicher mit guten Chancen juristisch gegen die Fifa vorgehen.

          „Dann könnte das Exekutivkomitee ein Problem haben“

          Eine ausufernde Anfechtungsschlacht wäre eine mögliche Folge. Fifa-Präsident Joseph Blatter hinterließ am Donnerstag nach der Fifa-Vorstandssitzung (Exekutivkomitee) in Zürich nicht den Eindruck, als hätte seine Organisation derzeit eine Lösung parat. „Ich bin kein Prophet. Qatar muss den Antrag stellen, wenn sie etwas verändern wollen. Bis jetzt gibt es keinen Antrag“, sagte Blatter.

          In der „Bild“-Zeitung am Samstag zeigte sich der Fifa-Chef noch unsicher, falls wirklich Klagen kämen. „Dann könnte das Exekutivkomitee ein Problem haben.“ Es muss ein Modus gefunden werden, der alle zufriedenstellt. Dies bedarf noch großer diplomatischer Anstrengungen und könnte die Qatarer am Ende noch einmal viel Geld kosten. Ihre Taktik lautet derzeit, von der Fußball-Welt zur Verlegung gebeten zu werden, um dann generös zuzustimmen.

          Aus Deutschland kommen positive Signale

          Ganz praktisch geht es um den richtigen Zeitpunkt im Winter. Betroffen von einer Verlegung wären die großen europäischen Ligen, die über die Wintermonate meist volles Spielprogramm haben. Die Premier League hat gerade mitgeteilt, gegen eine Winter-WM zu sein.

          Aus Deutschland kommen dagegen positive Signale. Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, zugleich Chef der europäischen Fußball-Ligen, regte prinzipiell an, die Sommermonate doch mehr für den Spielbetrieb zu nutzen, was im Umkehrschluss für eine terminliche Entlastung in den kalten Monaten sorgen würde.

          WM im Januar und Februar scheint ausgeschlossen

          „Im tiefsten Winter, wenn es kalt ist und schneit, spielen wir bei unmöglichen Bedingungen für Spieler und Zuschauer“, hatte Rummenigge dem französischen Magazin „France Football“ gesagt. Einen möglichen Fahrplan für die WM 2022 hatte Platini schon mal genannt: vom 20. November bis 20. Dezember.

          Mit der üblichen Vorbereitungszeit auf das Turnier müssten die Ligen ab Mitte Oktober im Sinne der Nationalteams pausieren. Die Saison würde anschließend statt im Mai erst im Juni beendet. Eine WM im Januar und Februar 2022 scheint ausgeschlossen - sie kollidierte mit den Olympischen Winterspielen.

          Weitere Themen

          Für Deutschland in den Sand werfen

          Beachvolleyball : Für Deutschland in den Sand werfen

          In ihrem letzten Beachvolleyball-Turnier der Saison kämpfen Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger aussichtsreich um einen Olympia-Startplatz – allerdings nicht zwingend für sich selbst.

          „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“ Video-Seite öffnen

          Niko Kovač : „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“

          Der Bayern-Trainer freut sich über den Auftaktsieg in der Königsklasse und fordert, die Torwartdiskussion zwischen Neuer und Ter Stegen endlich zu den Akten zu legen.

          Hülkenberg gehen die Optionen aus

          Formel 1 : Hülkenberg gehen die Optionen aus

          Weil der Haas-Rennstall nun doch mit Grosjean und Magnussen verlängert, droht Hülkenberg ohne Cockpit zu bleiben. Damit wäre nur noch ein deutscher Fahrer in der Formel 1.

          Topmeldungen

          Reformpaket gegen Klimawandel : Der Tag der Entscheidung

          Nach monatelangen Debatten steht die Bundesregierung vor einer klimapolitischen Richtungsentscheidung. Verschiedene Maßnahmen stehen zur Wahl. Eine Übersicht.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.