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Fußball-WM 2014 : Vorsprung für Klinsmanns Amerikaner

  • -Aktualisiert am

„Wir haben uns hier absolut sicher gefühlt“: Jürgen Klinsmann und seine Amerikaner in Brasilien Bild: AFP

Als erstes Nationalteam trainiert Jürgen Klinsmann mit den Amerikanern in Brasilien. Der Deutsche gibt sich vor der WM unverwüstlich zuversichtlich. Im Kampf um die Herzen der Einheimischen haben die „US Boys“ einen Vorsprung.

          Wieder ein heißer Sommertag. Am späten Vormittag steht die Sonne hoch am stahlblauen Himmel. Und wieder jagen 26 amerikanische Fußballprofis über den bestens gepflegten Rasen im Trainingszentrum des FC São Paulo in Barra Funda im Norden der Stadt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Stimmung unter Spielern und Betreuern ist ausgezeichnet. Doch das Übungsspiel auf dem Halbfeld nehmen die Männer um Superstar Landon Donovan (Los Angeles Galaxy) so ernst, dass noch jeder verlorene Zweikampf und zumal jeder Schuss, der das Tor verfehlt, mit einem deftigen Fluch begleitet wird.

          Die amerikanische Nationalmannschaft unter Trainer Jürgen Klinsmann ist das erste Team unter den Teilnehmern der WM-Endrunde im Juni und Juli, das in diesem Jahr nach Brasilien gekommen ist. Ziel des knapp zweiwöchigen Trainingslagers in São Paulo ist es, die Stammspieler nochmals auf Herz und Nieren zu prüfen und Neulingen die Chance zu geben, sich doch noch für den WM-Kader zu empfehlen.

          In São Paulo fehlen freilich die bei Klubs in Europa beschäftigten Stammspieler wie Michael Bradley (AS Roma), Clint Dempsey (Ausleihe Sunderland), Jozy Altidore (Fulham) und Tim Howard (Everton) sowie auch die Bundesliga-Spieler Jermaine Jones (Schalke) und Fabian Johnson (Hoffenheim). Dafür haben die Spieler aus der pausierenden amerikanischen Profiliga MLS die Gelegenheit, sich nachhaltig im Gedächtnis ihres Nationaltrainers einzuprägen.

          Was für ein Auftritt: Die Amerikaner arbeiten sich einen Vorsprung in Brasilien heraus

          Schon lange vor der Gruppenauslosung von Anfang Dezember 2013 hatten sich Klinsmann und der amerikanische Fußballverband entschieden, nicht nur ihr Trainingslager im Januar in São Paulo aufzuschlagen, sondern auch während der WM selbst als Gäste des FC São Paulo dessen Trainingsgelände zu nutzen und von der Wirtschaftsmetropole im Südosten des Landes zu den jeweiligen Spielorten zu fliegen.

          Die Auslosung bescherte den „US Boys“ allein schon für die Gruppenphase den strapaziösesten Reiseplan aller 32 Teams. Die Spielorte Natal (gegen Ghana am 16. Juni) im Bundesstaat Rio Grande do Norte im Nordosten, Manaus (gegen Portugal am 22. Juni) in Amazonien im Norden und schließlich Recife (gegen Deutschland am 26. Juni) an der Atlantikküste im Osten liegen jeweils Tausende Kilometer voneinander entfernt; vom Standort São Paulo aus kommen allein für die Gruppenspiele gut 18.500 Flugkilometer zusammen. Zudem verzeichnen Natal, Manaus und Recife im Juni und Juli mit die höchsten Durchschnittstemperaturen aller zwölf WM-Austragungsorte.

          Schon Monate vor WM-Beginn trainieren die Amerikaner in Sao Paulo

          Unverwüstlich zuversichtlich, kann Nationalcoach Klinsmann aber weit und breit keine Probleme oder gar Nachteile für sein Team erkennen. Die langen Flugreisen? „Das sind die Spieler in der MLS gewöhnt, wo sie auch von der Ost- zur Westküste und umgekehrt fliegen müssen.“ Prekäre Sicherheitslage? „Wir haben uns hier absolut sicher gefühlt, sind mit den Spielern mehrfach in Restaurants gegangen, haben uns dort fast schon Stammplätze gesichert.“

          Schwierigkeiten mit der Organisation? „Der brasilianische Lebensstil wird für alle Teilnehmer viele Überraschungen bereithalten, es wird für niemanden eine perfekte WM sein.“ Klinsmann hat den Aufenthalt in São Paulo zu Ausflügen nach Natal und Recife genutzt, um sich die Spielstätten dort anzuschauen. „Großartige Stadien sind das“, strahlt der deutsche Trainer in amerikanischen Diensten mit der brasilianischen Sonne um die Wette.

          Das Medienecho auf den Besuch von „Team USA“ ist positiv

          „Ich bin ziemlich sicher, dass wir uns für das Achtelfinale qualifizieren“, sagt Klinsmann. Das Turnier in Brasilien werde „die WM der Geduld“ sein, und wer sich frühzeitig und besser auf die besonderen Umstände einstelle, habe gerade als Außenseiter eine Chance, vermeintlich bessere Mannschaften zu schlagen. Für das Trainingslager in São Paulo zieht Klinsmann eine durchweg positive Bilanz. Spieler und Betreuer seien in der Stadt und zumal vom Klub FC São Paulo großartig aufgenommen worden.

          Unter den Spielern ist vor allem der unvermeidliche Besuch einer brasilianischen „Churrascaria“ in bester Erinnerung geblieben. „Sie haben fortwährend frisch Gegrilltes am Spieß gebracht, es hat phantastisch geschmeckt, doch so viel Fleisch auf einmal werde ich so schnell nicht mehr essen“, stöhnt Verteidiger Omar Gonzalez (Los Angeles Galaxy) noch zwei Tage später.

          Die amerikanische Botschafterin in Brasilien lässt sich einen Besuch im Camp nicht nehmen

          „Wir haben uns vertraut gemacht mit den Verhältnissen hier“, fügt Klinsmann hinzu: „Vor allem aber haben wir hart gearbeitet, zweimal am Tag trainiert, viel für die Fitness getan.“ Am Samstag fliegt die Mannschaft nach Kalifornien zu einem weiteren Trainingslager, für den 1. Februar steht in Los Angeles ein Testspiel gegen Südkorea auf dem Programm.

          Im Kampf um die Herzen der Brasilianer haben die „US Boys“ mit ihrem Januar-Trainingslager gegenüber den anderen 30 ausländischen Teams einen frühen Vorsprung herausgespielt. Das Medienecho war durchweg positiv. Vor allem Mittelfeldspieler Benny Feilhaber vom MLS-Meister Sporting Kansas City wusste die brasilianischen Journalisten für sich und sein Team einzunehmen. Feilhaber, ein dunkelhaariger Beau mit blauen Augen, wuchs als Nachfahr jüdischer Emigranten aus Österreich in Rio de Janeiro auf und gab in São Paulo unermüdlich Interviews - in akzentfreiem Portugiesisch.

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