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Fußball-WM 2014 : Sorgen am Amazonas

  • -Aktualisiert am

Nicht mit ihnen: Die Arbeiter streiken in Manaus Bild: picture alliance

Trotz aller Pläne steckt der Teufel im Detail: Brasilien klotzt, um im Spielort Manaus WM-Flair zu erzeugen - doch einige Projekte stoßen auf Widerstand.

          3 Min.

          Den Flair von ein bisschen WM-Exotik lässt sich Gastgeber Brasilien eine Stange Geld kosten. Manaus ist das Haupttor zum größten Regenwald der Erde und auch Schauplatz der Fußball-WM 2014. Bekannt ist die Stadt mitten im Amazonas-Gebiet vor allem wegen ihrer weltberühmten Oper und ihres Kautschuk-Booms Ende des 19. Jahrhunderts. Das soll sich nun ändern. Für umgerechnet knapp 215 Millionen Euro entsteht in Manaus derzeit ein hochmodernes Stadion, das mithelfen soll, die Stadt aus ihrer geografischen Isolation zu befreien.

          Erbaut wird die Arena für 44.000 Zuschauer auf dem Gelände des alten Stadions Vivaldão, das im April 1970 zur Eröffnung einmal Schauplatz eines Spieles der brasilianischen Nationalmannschaft gegen eine Amazonas-Auswahl war. Reich an fußballerischen Höhepunkten ist der einzige WM-Standort im Norden Brasiliens trotzdem nicht. Ganze vier Gruppenspiele finden laut Planung in Manaus statt, pro Spiel investiert der südamerikanische Fußball-Gigant also 53,75 Millionen Euro.

          Die Bauarbeiten könnten erheblich teurer werden, als erwartet

          Manaus ist neben Cuiabá der Exot unter den Schauplätzen der WM 2014. Die politische Entscheidung, die isolierte Kautschuk-Metropole in die Liste der Spielorte mit aufzunehmen, soll den Weg frei machen für Millionen-Investitionen in die Infrastruktur, denn gerade die schlechte Verkehrsanbindung an große Absatzmärkte wie Rio de Janeiro oder São Paulo lassen den Transport und damit die Produkte wieder teuer werden und vernichten einen Großteil des steuerlichen Vorteils der Freihandelszone rund um Manaus.

          Nun klotzen die stolzen WM-Gastgeber: Ein Hafenanleger für Kreuzfahrtschiffe wird für gut 36 Millionen Euro ausgebaut, der Bau einer hochmodernen Stadtbahn, geplant für mehr als 500 Millionen Euro, soll nach einjähriger Verzögerung in diesem Monat beginnen. Die mit den Baufirmen im Januar vertraglich festgelegte Übergabe hat allerdings einen Schönheitsfehler. Das Mammutprojekt soll erst im Juli 2015 fertig werden, also ein Jahr nach der WM. Obendrein will sich Manaus auch noch eine exklusive Schnellbus-Strecke gönnen, die auf 19 Kilometer Länge das Zentrum mit der Nordstadt verbindet. Die Pläne treffen auf Widerstand, müssten doch rund 900 Behausungen dem Prestigeobjekt weichen.

          Trotz aller Pläne hinter den infrastrukturellen Großtaten steckt der Teufel im Detail. In den Planungen der Organisatoren ist die Fanmeile am sogenannten Encontro das Aguas (Treffen der Wasser) vorgesehen, wo der Rio Solimões mit seinem hellbraunen Wasser und der schwarzfarbige Rio Negro zusammentreffen. Doch die Flussgabelung liegt im Osten der Stadt und ist nach den aktuellen Plänen weder mit der Stadtbahn noch mit dem Schnellbus erreichbar. Der Fußball-Weltverband Fifa blickt mit Sorge in den Regenwald. Die „Arena da Amazônia“ wurde jüngst in einer Fifa-Studie mit der Bewertung „mittleres Risiko“ gebrandmarkt. Die Bauarbeiten könnten erheblich teurer werden, als erwartet, lautet die Befürchtung der Experten des Weltverbandes. Dieses Problem hat Brasilien allerdings mit bislang so gut wie allen WM-Gastgebern der Historie gemein.

          Schon beim Stadionneubau wurde auf Nachhaltigkeit geachtet

          Miguel Capobiango, Chef des lokalen WM-Komitees, will die Kritik der Fifa nicht gelten lassen: „Es ist ein alter Bericht. Heute sind wir schon bei über vierzig Prozent der Fertigstellung.“ Die Brasilianische Entwicklungsbank sieht das anders und fror vor einigen Wochen einen Kredit ein, weil die zuständige Baufirma Andrade Gutierrez Teile der Arbeiten um ein Vielfaches überteuert ausgeführt hat. „Andrade Gutierrez stellt schon eine Begründung zusammen“, versucht Capobiango die Gemüter zu beruhigen. Das ist auch notwendig, denn bislang sind gerade erst 20 Prozent des Kredites ausgezahlt.

          Amazonia Arena : Stadion im Regenwald

          Manaus hofft, dass sich die Millionen-Investitionen langfristig auszahlen und die Fußball-Diaspora zumindest mittelfristig für ein Profi-Team aus der Region zur neuen Heimat werden kann. Ein sportlich schwieriges Unterfangen, nimmt doch in diesem Jahr nur Penarol Atlético Clube aus dem gut 170 Kilometer von Manaus entfernt liegenden Itacoatiara an der Serie D, der vierten Liga Brasiliens, teil. In den Ligen eins bis drei gibt es keinen Vertreter aus dem Amazonas. Das Schreckenszenario, dass ein WM-Stadion ohne Fußball-Team entsteht, ist nicht unrealistisch.

          Manaus möchte sich aber ohnehin nicht als Fußball-Metropole, sondern als Zentrum des Öko-Tourismus präsentieren. Laut einer Studie des brasilianischen Tourismus-Ministeriums werden in Manaus insgesamt 88.500 internationale und weitere 190.000 inländische Touristen erwartet. Schon beim Stadionneubau wurde deshalb auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Bausubstanz der alten Arena findet sich auch im Neubau wieder. Es soll der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft werden.

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