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Fußball-WM 2014 : Brasilien ohne Präsident

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Der brasilianische Fußballverbandschef Ricardo Texeira (Mitte, links der frühere Staatspräsident Luis Ignacio Lula da Silva, rechts Fifa-Präsident Joseph Blatter) ist erkrankt Bild: AFP

Seit Jahren steht Ricardo Teixeira unter Korruptionsverdacht, nun lässt er sich beurlauben - aus gesundheitlichen Gründen. Der umstrittene Verbandschef fehlt Brasilien damit vorerst in den Vorbereitungen auf die WM 2014.

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          Beim WM-Gastgeber Brasilien geht es drunter und drüber. Nach dem Streit mit dem Fußball-Weltverband (Fifa) ist dem Land des Rekordweltmeisters jetzt auch noch der Verbandspräsident abhandengekommen.

          Der seit Jahren unter Korruptionsverdacht stehende Boss des brasilianischen Verbandes CBF, Ricardo Teixeira, hat sich aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit beurlauben lassen. Sein Vize José Maria Marin soll übergangsweise das Amt des CBF-Chefs übernehmen.

          Unklar blieb, ob sich der 64 Jahre alte Teixeira auch von seiner Funktion als Präsident des WM-Organisationskomitees für das Turnier 2014 in Brasilien zurückzieht. Dort sitzt er mit den früheren Stars Ronaldo und Bebeto im Aufsichtsrat.

          Den Großteil der Öffentlichkeitsarbeit für die WM 2014 hatte er vorher bereits an Ronaldo abgegeben. In einem Brief an die Präsidenten regionaler Fußballverbände habe Teixeira um den vorübergehenden Rückzug gebeten, bestätigte Marco Polo del Nero, Chef des Verbandes Sao Paulo am Donnerstagabend.

          Teixeira leidet angeblich an Divertikulitis

          „Er hat keinen Zeitpunkt für seine Rückkehr genannt, aber gesundheitliche Gründe angegeben. Er wird sich einigen Untersuchungen unterziehen und dann zurückkehren“, sagte del Nero dem Radiosender Estadao/ESPN.

          Teixeira, seit 1989 CBF-Präsident, soll nach Medienberichten an Divertikulitis, einer Erkrankung des Dickdarms, leiden. In den vergangenen Wochen war bereits mehrfach über einen bevorstehenden Rückzug Teixeiras spekuliert worden.

          Havelange und Teixeira weisen Vorwürfe zurück

          Der umstrittene Spitzenfunktionär und sein ehemaliger Schwiegervater, der frühere Fifa-Präsident João Havelange, sollen laut BBC im Zuge des Korruptionsskandals um die 2001 in Insolvenz gegangene Sportvermarktungsagentur ISL Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Beide wiesen die Anschuldigungen stets zurück.

          Kultstätte des brasilianischen Fußballs: das Maracanã-Stadion Bilderstrecke

          Nach den umstrittenen Äußerungen von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke hat die brasilianische Regierung die Entschuldigungen der Fifa-Führung derweil offiziell akzeptiert. Sportminister Aldo Rebelo schickte am Donnerstag zwei entsprechende Briefe an den Präsidenten des Weltverbandes Fifa, Blatter, sowie an Valcke selbst.

          „Im Hinblick auf ihre Korrespondenz, ..., teile ich mit, dass ich Ihre Bitte um Entschuldigung im Namen der brasilianischen Regierung akzeptiere“, schrieb Rebelo an Blatter.

          Ein „Tritt in den Hintern“

          Damit reagierte der Minister auf Äußerungen Valckes, der aus Ärger über den schleppenden Verlauf der WM-Vorbereitungen gesagt hatte, dass die Organisatoren wohl einen „Tritt in den Hintern“ bräuchten. Daraufhin hatte Brasília erklärt, dass Valcke nicht mehr als Gesprächspartner akzeptiert werde.

          Rebelo teilte in seinem Schreiben auch mit, dass Präsidentin Dilma Rousseff bereit sei, Blatter zu empfangen. Ein Termin dafür müsse noch bestimmt werden. Die Regierung hoffe, dass sich ein solche „Episode“ nicht mehr wiederhole.

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