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Fußball-Wettskandal : Fünfeinhalb Jahre Haft für Sapina

Ante Sapina (l., mit seinem Anwalt) am Tag der Urteilsverkündung Bild: dpa

Die Urteile sind gesprochen: Ante Sapina und Marijo Cvrtak sind zu je fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Mittäter Dragan M. erhält eine Bewährungsstrafe. Doch auch nach dem Urteil bleiben die Aussichten aufs internationale Wettgeschäft trübe.

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          „Talent verspielt.“ Am Ende brachte es der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup auf den Punkt. Soeben hatte er die Wettbetrüger Ante Sapina und Marijo Cvrtak zu je fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, wegen gewerbsmäßigen Betrugs. 26 Fußballspiele hat Cvrtak manipuliert, bei Sapina waren es 22 in ganz Europa. Mittäter Dragan M. erhielt vom Bochumer Landgericht wegen zwei Betrugstaten eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, ausgesetzt zur Bewährung.

          Doch bevor der aufmerksamkeitsstärkste und wohl auch wichtigste Prozess gegen die Wettbetrüger in Bochum mit hohen Strafen wegen gewerbsmäßigen Betrugs gegen die Haupttäter Sapina und Cvrtak zu Ende ging, wandte sich Mittrup mit eben diesen zwei Worte an Sapina: Talent verspielt. Denn der bekannteste unter den Zockern, der Mann, der schon als Jugendlicher ein großes Talent für die Mathematik hinter den Wettquoten entwickelte, geht nun für etliche Jahre ins Gefängnis.

          Noch im Sommer 2008 war Sapina aus der knapp dreijährigen Haft, die nach dem „Hoyzer-Skandal“ gegen den Berliner rechtskräftig geworden war, entlassen worden - mit der Prognose, dass weitere Straftaten nicht mehr zu erwarten seien. Tatsächlich aber konnte es Sapina, der Cvrtak 2006 bei der Weltmeisterschaft in Deutschland kennengelernt hatte, damals kaum erwarten, endlich wieder zu spielen. Und zwar größer, geschickter, erfolgreicher als zuvor. Sapina bekam Zugang zum asiatischen Wettmarkt, Cvrtak konnte erkleckliche Summen für Bestechungen locker machen - da ließen neue Bestechungen von Spielern wie Schiedsrichtern nicht lange auf sich warten. „Ein derart uneinsichtiges Verhalten“, sagte Mittrup, „sucht seinesgleichen.“

          Den Schaden bezifferte das Gericht auf rund zwei Millionen Euro

          Fünf Jahre und sechs Monate für die beiden „umtriebigen und abgefeimten“ (Mittrup) Betrüger - und dass, obwohl das Gericht im Gegensatz zum Staatsanwalt unter den Verurteilten keine Bande feststellte und insgesamt 42 der Sapina und Cvrtak in der Anklageschrift aufgeführten Taten eingestellt wurden, der Betrugskomplex also im seit März laufenden Prozess noch einmal deutlich schrumpfte. Staatsanwalt Andreas Bachmann hatte sieben Jahre Haft für Sapina und sechs Jahre und neun Monate für Cvrtak gefordert.

          Ins Gefängnis müssen sie unter anderem wegen der Manipulation von drei Partien in Deutschland, darunter das DFB-Pokalspiel zwischen dem VfB Speldorf und Rot-Weiß Oberhausen (0:3) im August 2009 und zahlreicher Spiele im Ausland, darunter das WM-Qualifikationsspiel zwischen Liechtenstein und Finnland (1:1) am 9. September 2009 und die Europa-League-Partie zwischen dem FC Basel und CSKA Sofia (3:1) vom 5. November 2009. Den von Sapina und Cvrtak verursachten Schaden bezifferte das Gericht auf rund zwei Millionen Euro - pro Person.

          Die Feinde des ehrlichen Sports sind erschreckend zahlreich

          Von „Feinden des Sports“ hatte Staatsanwalt Andreas Bachmann in seinem Plädoyer noch einmal gesprochen, eine Zuschreibung, die Sapinas Anwalt Stefan Conen aufgriff: Mitnichten seien „schmutzige Herren in einen sauberen Teich“ gesprungen, der Sportbetrieb jungfräulich geblieben, bis die Wettbetrüger aufgetaucht seien. Tatsächlich bleibt auch nach Abschluss dieses Verfahren die Aussicht auf das internationale Wettgeschäft äußerst trübe. So habe Sapina mit den beiden Agenten Eric H. und Frank C., die für den englischen Wettvermittler Samvo tätig gewesen sein sollen, eine Bande gebildet, argumentierte Bachmann, von Sapinas Aussagen ausgehend.

          Der hatte zu Protokoll gegeben, die Agenten über die manipulierten Spiele informiert und dafür Zugang zu den Asiaten bekommen zu haben. Warum aber wurden beide nicht vor Gericht vernommen? Die Richter folgten diesen Argumenten nicht. Der Sport werde korrumpiert, sagte Conen, seine eigentlichen Feinde aber seien die Wettanbieter - insbesondere jene aus Fernost. Recht haben wohl beide, Staatsanwalt wie Verteidiger. Die Feinde des ehrlichen Sports sind erschreckend zahlreich, in den eigenen Reihen und außerhalb. Das ist das eigentliche Bochumer Urteil. Bachmann kündigte an, es werde weitere Anklagen geben, auch gegen Fußballspieler

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