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Kommentar : Fifa-Flucht nach vorn

Der neue Präsident Gianni Infantino will für eine neue Fifa stehen. Bild: Reuters

Die Fifa will Schadenersatz von früheren Funktionären. Der Schachzug des Fußball-Weltverbandes erregt Aufsehen – und ist aus mehreren Gründen richtig.

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          Der Schachzug der Fifa erregt Aufsehen: Entschädigungsansprüche in Millionenhöhe gegen ehemalige Funktionäre! Noch nie hat es etwas Vergleichbares im Sport gegeben. Die juristische Offensive gegen Leute aus den eigenen Reihen ist aber nur die logische Konsequenz – aus dem umfangreichen Korruptionsfall und dem nach der Präsidentenwahl vorgegebenen Reformkurs. Der neue Fifa-Chef Gianni Infantino wird nach seinen vielen Versprechungen daran gemessen werden, ob er diesen Kurs hält.

          Aus mehreren Gründen muss sich die Fifa, die nach den Skandalen gegenüber dem Fußballpublikum und den Sponsoren um Glaubwürdigkeit ringt, auf diese Weise positionieren. Es ist gar nicht so entscheidend, wie viele Millionen am Ende von bestechlichen Topfunktionären zurückzuholen sind. Die vielen Prozesse werden erst noch kommen. Wer weiß heute, welchen Verlauf sie nehmen werden und über welche Mittel die Verurteilten dann noch verfügen?

          Hinzu kommt, dass in dem einen oder anderen Fall vielleicht gar nicht die Fifa, sondern einige ihrer Mitgliedsverbände oder betroffene Kontinental-Konföderationen zu den eigentlich Geschädigten gehören. Über allem steht also eine schwer kalkulierbare Wahrscheinlichkeit, ob die rechtlichen Ansprüche überhaupt durchzusetzen sein werden. Dazu wollen auch die bestens bezahlten Fifa-Anwälte keine Prognose abgeben. Einer neuen Fifa bleibt allerdings nichts anderes übrig, als konsequent Haltung zu zeigen – wie sie es die Organisation jetzt versucht.

          Von nun an – spätestens – sind die vielen anderen Funktionäre gewarnt, die weiterhin in Amt und Würden sind. Wer in Zukunft unter dem Dach der Fifa dunkle Machenschaften fördert, der muss für alle Schäden auch aus dem eigenen Portemonnaie zahlen. Beunruhigend für die alten Kader ist, dass die Anwälte des Weltverbandes beiläufig darauf hinwiesen, dass über den aktuellen Vorstoß hinaus alle möglichen zivilrechtlichen Verfahren in verschiedensten Ländern gegen frühere und auch heutige Verantwortungsträger möglich seien.

          Zugleich muss sich die Fifa selbst im Verhältnis zur schwer einschätzbaren amerikanischen Justiz schützen. Schließlich wird seit Monaten spekuliert, ob nicht auch die Fifa am Ende bluten muss, weil sie als Organisation von den scharf schießenden Staatsanwälten in den Vereinigten Staaten in die Hauptverantwortung für die krummen Geschäfte genommen wird. So war es einst den Schweizer Banken ergangen, als sie der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt wurden. Die Fifa hat ihm „Antrag auf Entschädigung“ nachdrücklich auf den aktuellen Opfer-Status des Weltverbandes verwiesen. Der soll unbedingt erhalten bleiben. Es geht der Fifa also weniger um Inkasso als um Prävention.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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