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Generalsekretär Jérôme Valcke : Fifa suspendiert Blatters engsten Vertrauten

  • Aktualisiert am

Jerome Valcke ist nicht mehr Generalsekretär der Fifa. Bild: AFP

Neuer Verdacht gegen den Machtzirkel um Joseph Blatter. Der Fußball-Weltverband suspendiert Generalsekretär Jérôme Valcke. Er soll sich bereichert haben. Die Reise nach Russland muss er auf halbem Weg abbrechen.

          Neue, schwere Korruptionsvorwürfe gegen das bisherige Fifa-Machtzentrum um den scheidenden Präsidenten Joseph Blatter: Generalsekretär Jérôme Valcke, Blatters engster Vertrauter, wurde am Donnerstag vom Weltverband „mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von all seinen Aufgaben entbunden“. Das teilte die Fifa am Abend mit. Der Verband habe von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär beträfen. Daher sei eine „formelle Untersuchung durch die Fifa-Ethikkommission“ in Auftrag gegeben worden.

          Die Ethikkommission teilte dazu in einer dürren Erklärung nur mit, man habe das Vorgehen der Fifa zur Kenntnis genommen. Weitere Details wurden nicht genannt. „Die Frage, ob in einer konkreten Angelegenheit eine Untersuchung hängig ist, kommentiert die Untersuchungskammer nicht“, hieß es lediglich. Jerôme Valcke habe sich am Donnerstag nach Medienberichten bereits auf dem Weg nach Moskau zur Veranstaltung 1000 Tage vor der WM 2018 in Russland befunden, sei auf halben Weg dann mit dem Privatjet umgekehrt. Seine Rede auf dem Roten Platz anlässlich der Enthüllung der Countdown-Uhr übernahm nach Fifa-Angaben Wettbewerbsdirektor Colin Smith.

          Der stellvertretende Generalsekretär Markus Kattner wird die Aufgaben des suspendierten Valcke übernehmen. Das teilte die Fifa der Deutschen Presse-Agentur am Freitag auf Anfrage mit. Weitere Informationen gab der skandalträchtige Verband zunächst nicht preis, doch in Valcke könnte es nun einen absoluten Topmann erwischen. Der 54 Jahre alte Franzose, seit 2007 im Amt, gilt als linke Hand Blatters, der für Februar 2016 seinen Rücktritt angekündigt hat. Schon in der Vergangenheit hatte es immer wieder Vorwürfe gegen Valcke gegeben. Doch er überstand – wie bis Mitte dieses Jahres sein Verbündeter Blatter – immer sämtliche Anschuldigungen. Nun könnte es für das Duo eng werden.

          Die Marketingagentur JB Sports Marketing hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen die Fifa-Spitze erhoben. Vertreter der Agentur legten einen Ticketingvertrag mit der Fifa für die WM-Turniere 2010 bis 2022 vor, in dessen Kontext Valcke eine „diskrete Gewinnbeteiligung zugesichert worden sein soll“.

          Valcke wies ein Fehlverhalten im Zusammenhang mit dem Verkauf von WM-Tickets zurück. Entsprechende Anschuldigungen eines Mitarbeiters der Marketingagentur JB Sports Marketing seien „frei erfunden“ und „ungeheuerlich“, teilte Valckes New Yorker Anwalt Barry Berke mit. Valcke habe von diesem niemals Geld erhalten und niemals eingewilligt, von diesem Geld oder andere Wertgegenstände anzunehmen. Er soll Zeugenaussagen zufolge aber bereits vor der offiziellen Vergabe-Entscheidung mehrmals angekündigt haben, dass die Fußball-WM 2022 fest an Qatar zugesagt sei.

          Markus Kattner übernimmt vorerst die Aufgaben von Jerome Valcke.

          Die neuen Entwicklungen dürften die im Fifa-Skandal ermittelnden Behörden in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten aufhorchen lassen. Bereits am Montag hatten die Ermittler auf einer Pressekonferenz in Zürich erklärt, dass sie mit den Untersuchungen noch lange nicht am Ende seien. „Ich erwarte eine nächste Runde von Festnahmen. Es kann sein, dass wir weitere Verdachtsmomente feststellen“, hatte die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch erklärt.

          Erst am vergangenen Wochenende waren weitere Verdächtigungen gegen Blatter publik geworden. Der Schweizer soll 2005 TV-Rechte an seinen Vorstandskollegen Jack Warner weit unter Preis verkauft haben.

          Schwere Vorwürfe der amerikanischen Justiz

          Unterdessen hat die Schweiz der Auslieferung des uruguayischen Fifa-Funktionär Eugenio Figueredo an die Vereinigten Staaten zugestimmt. Der 83-Jährige war am 27. Mai mit sechs anderen Funktionären des Fußball-Weltverbandes Fifa in Zürich festgenommen worden.

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          Die amerikanische Justiz hat gegen den ehemaligen Vizepräsidenten des Südamerikanischen Fußballverbandes (Conmebol) und früheren Fifa-Vizepräsidenten schwere Vorwürfe erhoben. Figueredo soll beim Verkauf von Marketingrechten für die Copa America der Jahre 2015, 2016, 2019 und 2023 von einem uruguayischen Unternehmen für Sportmarketing Bestechungsgelder in Millionenhöhe kassiert zu haben.

          Platini schweigt weiter

          Uefa-Präsident Michel Platini, möglicher Blatter-Nachfolger, wollte sich am Rande eines Treffens der Spitze des europäischen Verbandes in St. Julian's auf Malta nicht dazu äußern. Die Uefa will zumindest auf den Wechsel an der Fifa-Spitze vorbereitet sein.

          Sollte Platini an die Spitze des Weltverbandes wechseln, will die Europäische Fußball-Union noch vor der EM-Endrunde 2016 den Nachfolger präsentieren.

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