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Fußball-Weltverband Fifa : Bin Hammam fordert Blatter heraus

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Die Zukunft des Weltfußballs? Mohamed bin Hammam, mal ernst, mal fröhlich, aber immer gefährlich für Joseph Blatter Bild: AFP

Das Duell wird vermutlich erbittert geführt: Mohamed bin Hammam tritt gegen Joseph Blatter im Kampf um das höchste Amt im internationalen Fußball an. Der Schweizer Fifa-Präsident reagiert gelassen auf den Herausforderer aus Qatar.

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          Jahrelang traten sie auf wie zwei Freunde, dann, 2010, zerbrach die Interessengemeinschaft zwischen Joseph Blatter und seinem Wahlhelfer Mohamed bin Hammam - und nun treten der 75 Jahre alte Schweizer und der 61 Jahre alte Qatarer zu einem vermutlich erbittert geführten Duell um das höchste Amt im internationalen Fußball an.

          Blatter, seit 1998 Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), muss am 1. Juni in Zürich den Zweikampf gegen den Präsidenten des Asiatischen Fußballverbandes (AFC) und Fifa-Vizepräsidenten gewinnen, will er zum vierten Mal an die Spitze der neben dem Internationalen Olympischen Komitee mächtigsten Sportorganisation der Welt gewählt werden.

          Der Geschäftsmann aus Doha hat sich am Freitag in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, wo der AFC residiert, nach wochenlangen Andeutungen eindeutig erklärt: „Die Zeit“, sagte er, „ist reif für einen Wechsel, es ist Zeit für neue Gesichter, neues Blut. Die Fifa braucht Veränderungen.“

          „Ich bin 75, aber voller Energie, und ich habe meine Arbeit im Fußball noch nicht beendet”: Joseph Blatter

          „Ich habe meine Arbeit im Fußball noch nicht beendet“

          Die will bin Hammam in einem von Korruptionsskandalen und anderen Affären erschütterten Verband herbeiführen, der von Blatter seit dreizehn Jahren zunehmend autokratisch gelenkt wurde. Bin Hammam, der das Vertrauen des steinreichen Emirs von Qatar, Scheich Hamad ibn Chalifa Al Thani, genießt, beziffert seine Chancen auf „fünfzig zu fünfzig“. Blatter reagierte gelassen auf die Herausforderung: „Ich bin 75, aber voller Energie, und ich habe meine Arbeit im Fußball noch nicht beendet.“

          Insider schätzen die Aussichten des machtbewussten Geschäftsmannes aus Doha, als erster Asiate an die Spitze der Fifa gewählt zu werden, als nicht unrealistisch ein. Als leichter Favorit aber gilt derzeit der wahlkampfgestählte Blatter - er besiegte 1998 Lennart Johansson, den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) relativ knapp, 2002 Issa Hayatou, den Präsidenten des Afrikanischen Fußballverbandes (Caf) eindeutig und wurde 2007 ohne Gegenkandidat wiedergewählt.

          Doch bin Hammam, neben Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini der einflussreichste Fußballfunktionär im vierundzwanzigköpfigen Fifa-Exekutivkomitee, ist wie Blatter ein geübter Strippenzieher und Kampagnenplaner. Dass Qatar, obwohl ein im Sommer extrem heißer Mini-Wüstenstaat am Persischen Golf, die Weltmeisterschaft 2022 ausrichten darf, ist auch einer strategischen Meisterleistung seines bekanntesten Fußballvorarbeiters zu verdanken.

          Blatter muss auch mit europäischen Gegenstimmen rechnen

          Dieser Triumph war auch ein Indiz für die Zielstrebigkeit des Stimmenbeschaffers bin Hammam, der weltweit sehr gut vernetzt ist. So heißt es, dass das aus Machterhaltungsgründen einst innige Verhältnis zwischen dem Fifa-Präsidenten und der Fifa-Skandalnudel Jack Warner, dem Präsidenten der nord- und mittelamerikanischen Konföderation (Concacaf), inzwischen belastet sei. Concacaf gehören 35 der 208 Stimmen bei der Präsidentenwahl durch die Fifa-Mitgliederversammlung am 1. Mai. Blatter muss auch mit europäischen Gegenstimmen rechnen. England, das Mutterland des Fußballs, wird mutmaßlich gegen eine Verlängerung der Amtszeit des trickreichen Wallisers votieren.

          Kein Wunder nach der Schmach von Zürich, wo die Briten Anfang Dezember im Kampf um die Ausrichtung der WM 2018 schon im ersten Wahlgang mit gerade mal zwei Stimmen scheiterten. England erfreut sich dazu der Freundschaft einer Reihe anderer Verbände. Die Uefa ist andererseits drei Tage vor ihrem Pariser Kongress darum bemüht, eine einheitliche Wahlempfehlung auszusprechen. Von ihrem Präsidenten Platini heißt es, dass der Franzose in vier Jahren bereit stehe, Blatter zu beerben. Gegen den Fifa-Präsidenten, der Platinis sportpolitischer Ziehvater ist, würde Michel Platini indes niemals antreten. Würde bin Hammam am 1. Juni gekürt, wären die Chancen des Uefa-Präsidenten, von 2015 an die Fifa anzuführen, erheblich gesunken.

          Bin Hammam ist als Vorkämpfer nicht zimperlich

          Andererseits muss bin Hammam, der mehr „Transparenz“ in der Fifa unter seiner Regentschaft verheißt und als erstes, auch um der Versuchung zu Bestechung und Korrumpierbarkeit zu begegnen, die Fifa-Exekutive von 24 auf 41 Personen aufstocken will, in Asien eine eindeutige Mehrheit hinter sich bringen. Der AFC gilt als gespalten - auch, weil bin Hammam als hochnäsig, hochfahrend und überaus autoritär gilt. Blatter ist von den zwei verbissenen Kämpfern der charmantere und erfahrenere. Bin Hammam aber lässt auch die Macht des Geldes für sich sprechen. So hat er allen Fifa-Verbänden schon eine Verdopplung des bisher jährlich gezahlten Garantiezuschusses von 250.000 auf 500.000 Dollar verheißen.

          Über seinen Gegenspieler Blatter sagt Mohamed bin Hammam: „Er ist eine sehr erfahrene Persönlichkeit, aber es gibt immer ein Zeitlimit für alles.“ Dass der Qatarer als Vorkämpfer in eigener Sache nicht eben zimperlich ist, hat er 2009 bewiesen, als er sich um die AFC-Präsidentschaft mit Scheich Salman aus Bahrein duellierte und mit zwei Stimmen Vorsprung gewann. „Wer sich mir in den Weg stellt“, sagte bin Hammam damals, „dem schlage ich Kopf und Hände ab.“ Kein Wunder, dass in manchem Fifa-Verband die Rede davon ist, dass es am 1. Juni darum gehe, das kleinere von zwei Übeln zu wählen.

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