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Fußball : Weltklassetorhüter Buffon - Risikofaktor Kahn

Warum patzt er so oft? Bild: REUTERS

Gianluigi Buffon ist der Oliver Kahn Italiens. Wie der deutsche Nationaltorhüter früher strahlt er Souveränität aus und ist ein fester Rückhalt. Bei Kahn dagegen häufen sich die Fehler und Blackouts.

          3 Min.

          Als die ins Publikum winkenden Bayern-Profis nach dem Schlußpfiff von ihren Fans als Echo nur ein wütendes Pfeifkonzert erhielten, war Uli Hoeneß schon verschwunden. Der Manager eilte in die Kabine und widmete sich erst einmal einem Einzelschicksal. Oliver Kahn hatte nach dem Schlußpfiff nach einer für ihn unglückseligen, für den FC Bayern aber viel leichter zu verschmerzenden Niederlage in der Champions League gegen Juventus Turin wutschnaubend den Platz verlassen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auf seinem rund hundert Meter langen Weg in den Schlund des Stadions schimpfte und fluchte der Torwart in einer Tour, er schleuderte seine Trinkflasche zu Boden und schickte giftige Blicke zurück auf das Spielfeld. Dort feierten und herzten sich die Stars von "Juve", und die größte Freude in dem italienischen Jubelkonvent strahlte ausgerechnet Torwart Gianluigi Buffon aus. Er eilte mit wehendem schwarzen Haar im Laufschritt aus seinem Tor heraus, hüpfte an seinen Kollegen hoch und wurde mit Gratulationen nur so überschüttet. Denn Juventus Turin hatte nicht zuletzt dank Buffon auch das vierte Spiel in der Champions League mit dem immer gleichen, für einen Torwart fabelhaften Resultat und zudem italienischsten aller Fußball-Ergebnisse beendet - mit einem 1:0-Sieg.

          Buffon wie der alte Kahn

          Der vom Platz flüchtende Oliver Kahn ist von solchen Momenten der Anerkennung mittlerweile weit entfernt. Bis zur 90. Minute hatte der Nationaltorwart noch einen ruhigen Abend verlebt. In der ersten Halbzeit gestattete er sich nach einem abgefälschten Ball eine selbstgefällige Flugeinlage, in der 80. Minute wehrte er reaktionsschnell einen Schuß von Pavel Nedved ab, der vermutlich am Tor vorbeigegangen wäre. Mehr war bis dahin nicht zu tun für einen Schlußmann, der an diesem Abend Zeit genug fand, auf der anderen Seite einen Kollegen bei der Arbeit zu beobachten, der an Kahn in seinen besten Zeiten erinnerte.

          Kahn hat gegen Juve das Leder mal wieder nicht unter Kontrolle

          "In den ersten 25 Minuten haben wir unter Bayern gelitten", sagte später Juventus-Trainer Fabio Capello, "und die Gefahr, die von Bayern während des gesamten Spiels ausging, war größer." Aber dieses "Leid" ließ sich verschmerzen, denn die Gefahr wurde stets gebannt. Buffon strahlte eine Souveränität aus wie einst Kahn, als dieser zum schier unüberwindlichen Rückhalt des FC Bayern wurde und die Champions League fast im Alleingang zu gewinnen schien. Buffon verhinderte mehrfach einen Rückstand, ob nun bei einem harten und plazierten Schuß von Pizarro (15. Minute) oder einem Kopfball Makaays (89.). "Der einzige Weltstar bei uns ist der Torwart", hatte Pavel Nedved schon vor dem Spiel behauptet, was angesichts der Turiner Starvereinigung etwas seltsam, aber um so anerkennender klingt.

          Bayern steht hinter Kahn

          Ganz falsch scheint das Kompliment, das früher die Bayern an Kahn verteilen durften, jedenfalls nicht zu sein. Es gab noch einige andere Szenen, die Buffon in München beschäftigten, und auch diese waren anspruchsvoller als der harte, jedoch unplazierte Schuß des Turiner Stürmers Zlatan Ibrahimovic, den Kahn zum Schluß zu bewältigen hatte. Der Nationaltorwart ließ aber den Ball von seinem Körper direkt vor die Füße von Alessandro Del Piero abprallen, der spielend leicht den Siegtreffer für Juventus erzielte (90.).

          Die bayerischen Reaktionen auf Kahns neuerlichen Schwächeanfall wirkten mitunter bizarr. "Jeder Torwart läßt mal einen Ball fallen - auch Jens Lehmann", sagte Felix Magath gleich zweimal, ohne daß irgend jemand den Namen von Kahns Konkurrent in der Nationalmannschaft auch nur in den Mund genommen hätte. Und welche quantitative und qualitative Bedeutung hat eigentlich Magaths Hinweis, daß jeder "mal einen Ball fallen läßt"? Denn als Kahn am Boden und der Ball im Tor lag, kehrten sofort auch die mittlerweile recht zahlreichen Bilder von Kahns Pannen der letzten beiden Jahre unwillkürlich zurück. Ronaldos Tor im WM-Finale; Roberto Carlos' Tor in der Champions League; Klasnics Tor im Spitzenspiel um die Meisterschaft - und wie immer vermochte die Mannschaft auch gegen Juventus nicht, den Fehler ihres Torwarts im Ergebnis noch wettzumachen und damit zu lindern. Makaay scheiterte in der letzten Sekunde aus allerbester Position mit einem Heber.

          Ballack: „Ein Geschenk“

          Diesmal mußten sich auch zwei von Kahns Mitspielern den Vorwurf gefallen lassen, mit anfängerhaftem Zweikampfverhalten das Turiner Tor erst möglich gemacht zu haben. Torsten Frings und Owen Hargreaves ließen Ibrahimovic auf der Außenposition tatenlos zwischen sich durchschlüpfen. "Der Fehler liegt in der Entstehung, nicht bei Kahn", sagte Magath. Aber im Endeffekt spielte Kahn in dieser Szene eben doch die entscheidende Rolle, ließe sich hinzufügen. Denn eigentlich hält Magath die Bayern trotz zweier 0:1-Niederlagen gegen den italienischen Tabellenführer für ebenbürtig. "Wir haben besser gespielt, Juve war erfolgreicher", sagte er. "Das ist der problematische Punkt."

          Aber die Diskussionen um einen Torwart, der vom Rückhalt zum Risiko wird, sowie von Stürmern, die das Tor nicht mehr treffen, mußten bei den Bayern nach dem 0:1 nicht mit letzter Schärfe und Konsequenz geführt werden. Denn durch den überraschenden Sieg von Tel Aviv gegen Ajax Amsterdam befinden sich die Bayern weiterhin in einer erstklassigen Position, um das Achtelfinale zu erreichen. "Nach einem verlorenen Spiel so eine Ausgangslage zu haben ist ein Geschenk", stellte Michael Ballack dankbar fest. "Es ist nichts passiert", sagte ein von der Niederlage unbeeindruckt wirkender Magath. Arithmetisch mag er recht haben, psychologisch nicht.

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