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Luis Figo : Prominenter Herausforderer für Blatter

Zielstrebig: Luis Figo (hier bei einer Gala in Estoril am 14. Januar) will Fifa-Präsident werden Bild: dpa

Kurz vor Meldeschluss kündigt auch der frühere Fußballstar Luis Figo seine Kandidatur um die Fifa-Präsidentschaft an. Kandidat Michael van Praag berichtet derweil von einem speziellen Angebot an Joseph Blatter.

          Während die Bewerbungsfrist für eine Kandidatur um die Position als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) an diesem Donnerstag abläuft, hat das Rennen um die letzten Meldungen nochmals eine überraschende Wendung genommen. Der umstrittene Amtsinhaber Joseph Blatter könnte mit dem ehemaligen Fußballstar Luis Figo aus Portugal bei der Wahl am 29. Mai einen prominenten Herausforderer bekommen, wenn dieser alle Kriterien der Statuten erfüllen sollte.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich habe in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren beobachtet, wie sich das Erscheinungsbild der Fifa verschlechtert hat. Viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe – Spieler, Manager und Verbandspräsidenten –, haben mir gesagt, dass dagegen etwas getan werden muss“, hieß es von Figo am Mittwoch. Der ehemalige Mittelfeldstar ist 42 Jahre alt und spielte für große Vereine wie den FC Barcelona, Real Madrid und Inter Mailand. „Fußball fließt durch meine Adern. Ich bin bereit zu helfen, Veränderungen zu bewirken“, sagte er.

          Figo behauptete am Mittwoch, dass er für die Meldung die nötigen fünf Nationalverbände vorbringen kann, die seine Kandidatur unterstützen. Er nannte allerdings keine Namen. Zudem müsste er dem Wahlkomitee auch belegen, dass er in den vergangenen fünf Jahren mindestens zwei Jahre im Fußball eine Funktionärs- oder zumindest Beratertätigkeit ausgeübt hat.

          Figo führte hier schon mal seine Aktivitäten seit 2011 in einem Komitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) an. Wie er sagte, soll seine Kampagne für die Fifa-Präsidentschaft den Schwerpunkt auf einen besseren Führungsstil, mehr Transparenz und Solidarität sowie den Erhalt der wahren Fußballwerte legen. Was darunter genau zu verstehen ist, will er in den nächsten Wochen konkretisieren.

          Auch der frühere portugiesische Star Luis Figo will Fifa-Präsident werden

          Anzunehmen ist, dass einige große europäische Nationalverbände hinter Figos Kandidatur stehen, sicherlich Portugal, aber wohl auch Spanien oder Italien. Möglicherweise wird seine Kampagne auch von wichtigen Föderationen aus Südamerika getragen – wie Brasilien. Auf welche Seite sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schlägt, ist bisher nicht heraus. Fest steht nur, dass sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gegen eine fünfte Amtszeit des langjährigen Fifa-Chefs Blatter ausgesprochen hat.

          Am Dienstag hatte der niederländische Verbandspräsident Michael van Praag angekündigt, dass auch er in die Wahl gehen wolle. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Amsterdam teilte van Praag mit, dass er Blatter mehrmals zum Verzicht hatte überreden wollen und dem Schweizer sogar eine künftige Fifa-Beratertätigkeit in Aussicht gestellt hätte. „Ich habe ihm gesagt, springe über deinen Schatten, du wirst dich unsterblich machen“, sagte van Praag. Doch Blatter habe abgelehnt. Der Niederländer führte an, die Fifa modernisieren und demokratisieren zu wollen.

          Doch stünde er bei einem Wahlerfolg am 29. Mai nur für eine Periode von vier Jahren zur Verfügung. Zu Figo wollte der erfahrene Fußballfunktionär aus den Niederlanden nichts sagen. Er sehe sich auch nicht explizit als Kandidat der Europäer. Doch wer ist dann der Mann der unentschlossenen Fußball-Europäer für den Führungswechsel an der Fifa-Spitze? Nun vielleicht Figo? Uefa-Präsident Michel Platini hatte sich im vergangenen Jahr von dem Gedanken verabschiedet, gegen den favorisierten Blatter anzutreten. Offenbar sah er die Gefahr, bei der Wahl gegen den fast achtzig Jahre alten Amtsinhaber unterzugehen.

          Neben Figo, van Praag und Blatter stehen bisher auch der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein sowie der frühere Fifa-Manager Jérôme Champagne zu ihrer Kandidatur. Champagne ist der einzige Bewerber, der seit längerer Zeit eine Kampagne mit konkreten inhaltlichen Forderungen für einen Wechsel bei der Fifa vorantreibt. Doch hat er schon mitgeteilt, dass es für ihn schwer werden könnte, dass sich fünf Nationalverbände offen für ihn bekennen.

          Als Spieler glänzte Figo (links) nicht nur für Portugal, sondern auch für Vereine wie Barcelona und Real Madrid

          Noch ist auch nicht klar, ob die Bewerbung des ehemaligen französischen Profis David Ginola durchgeht und genügend Unterstützer findet. Das ebenfalls nicht ernstzunehmende Interesse des Spielerberaters von Zlatan Ibrahimovic, Mino Raiola, an einer Nominierung hatte dieser schon wieder verworfen.

          Der chilenische Fußballfunktionär Harold Mayne-Nicholls wird dagegen nicht kandidieren. Er sehe sich bereits durch andere Kandidaten vertreten, begründete der Journalist und frühere Präsident des Fußballverbandes seine Entscheidung in einer Pressekonferenz. Er denke zudem, dass andere Bewerber besser vorbereitet seien als er. Zudem läuft gegen ihn angeblich bei der Fifa ein Verfahren wegen Verstößen gegen ethische Prinzipien. Alle Kandidaten müssen sich einem Integritäts-Check der Fifa-Ethikkommission stellen. In der zweiten Februar-Woche will die Fifa-Wahlkommission dann endgültig die Namen für die Wahl bekanntgeben.

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