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Fußball und Wirtschaft : Dortmunder Jungs

Dortmunder Jungs: Michael Zorc, Andreas Möller, Karl-Heinz Riedle und Paul Lambert feiern 1997 in Manchester das Erreichen des Finales der Champions League Bild: picture-alliance / dpa

Fußball ist in Dortmund mehr als nur ein Sport: Er verbindet Generationen, führt Freunde über Jahrzehnte zusammen. Er steht für den Wandel der Stadt, für Rückschläge und Belohnungen.

          6 Min.

          Wir sind alle Dortmunder Jungs: Da sind die alten Schulfreunde. Sie sind in Dortmund geblieben, als Arzt, als Kommissar bei der Polizei – und, das „Jungs“ gilt geschlechterübergreifend, als Mathematikerin bei einer Versicherung. Es sind vielbeschäftigte Menschen. Wenn man selbst nicht mehr in der Heimat wohnt, sieht man sie nicht mehr oft. Wenn man sich aber treffen will, weiß man wo: Auf der Südtribüne im Stadion, zuverlässig seit Jahren, jedes zweite Wochenende auf den alten Plätzen. Das ist zwar eine Stehplatztribüne, die in dem riesigen Stadion für sich allein schon 25.000 Zuschauern Platz bietet. Aber in der Masse kennt jeder seinen Platz, was für den Außenstehenden unglaublich scheint, der aus der Ferne auf die „Gelbe Wand“ blickt. Aber das war schon immer so. Man kennt sich, kann sich im Stadion treffen; niemand muss sich eigens verabreden. Der Dortmunder steht, wo er steht. Die Dauerkarten für diese Plätze gibt man nicht mehr her. Man müsste schon nach Amerika versetzt werden, um überhaupt auf einen solchen Gedanken zu kommen.

          Carsten Knop
          (Kno.), Herausgeber

          Und da ist der sympathische, inzwischen nicht mehr ganz junge Verwandte aus der Familie, der, so lange es für ihn gesundheitlich ging, nicht nur kein Heimspiel, sondern auch kein erreichbares Auswärtsspiel der Mannschaft ausgelassen hat. Onkel Horst hat für eine Hochzeitsfeier an Heimspiel-Tagen überhaupt kein Verständnis und gibt um 17.15 Uhr, wenn die Ergebnisse durchgesagt werden, ganz gewiss dem Radio den Vorzug vor seichterer gesellschaftlicher Konversation. Natürlich ist da auch noch der frühere Kollege. Er hat das Haus schon vor Jahren verlassen, arbeitet jetzt für eine Nachrichtenagentur. Aber er ist ein echter Dortmund-Fan. Gehen Spiele besonders gut aus, kommt schon einmal eine SMS, in der die Begeisterung keine Grenzen kennt, oder auch die Niedergeschlagenheit, wenn es einmal nicht mehr so gut läuft. Das aber kam in der jüngeren Zeit nicht mehr so häufig vor.

          Da ist Norbert Dickel, der Stadionsprecher; er ist aber viel mehr als das. Er ist der letzte Pokalheld von Berlin, vom Pokalsieg 1989, der für den folgenden Aufschwung des Vereins sehr wichtig war. Kurz danach wurde Dickel Sportinvalide und Kultfigur. Er ist sympathisch, engagiert sich karitativ. Sein Knie will nicht mehr so recht. An Joggen ist nicht zu denken, geschweige denn an Fußballspielen. Aber die Stimme überschlägt sich für die Borussia, wenn er die Spiele im Internet-Radio moderiert oder im Stadion die Aufstellung verkündet. In der Redaktion hat er ein Autogramm hinterlassen. Es hat einen Ehrenplatz.

          Mittelpunkt der Stadt: Der Dortmunder Signal-Iduna-Park
          Mittelpunkt der Stadt: Der Dortmunder Signal-Iduna-Park : Bild: dpa

          Auf dem Platz zählt die Leistung – nicht nur beim Fußball

          Da ist der intelligente Banker, den man vor Jahren auf einer Abendveranstaltung im Frankfurter Senckenberg-Museum kennengelernt hat. Die Ausstellung war interessant. Interessanter aber noch war die Leidensgeschichte des Bankers: Der Mann gehört zu den Erstzeichnern der BVB-Aktie beim Börsengang 2000. Das Papier kam damals zu einem Kurs von 11 Euro. Zum Zeitpunkt des Treffens notierte die Aktie zu weniger als 1 Euro. Aber man verabschiedete sich hoffnungsvoll. Und da ist der Finanzvorstand eines Tec-Dax-Unternehmens, der schon beim ersten Kennenlernen sehr sympathisch ist. Beim Abschied offenbart er sich: Er kommt aus der Gegend, ist Dortmund-Fan, sein Leben lang. Für die nächsten Spiele wünscht man sich viel Glück, was sonst?

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