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Fußball und Musik : Kick und Klang

David Beckham: Aus vollem Halse Bild: AP

Daß immer Beckham Schuld ist, wenn England schlecht spielt, ist bekannt. Nun wissen wir auch warum. Es liegt an seinem Musikgeschmack. Seine Auswahl der Kabinenmusik ist so, „daß die Spieler förmlich einschlafen“.

          2 Min.

          England hat schon viele Gründe gefunden, warum's im Fußball nicht läuft. Einen neuen weiß Rio Ferdinand: David Beckham ist schuld. Genauer: dessen Musikgeschmack. Der Kapitän bestimmt die Beschallung in der Kabine. Beckhams Auswahl ist so, "daß die Spieler förmlich einschlafen" - so die "Sun" - und "spielen wie Zombies". Laut Ferdinand handelt es sich bei dem schlaffen Potpourri um Robbie Williams, Balladen, sanft Poppiges, kurzum: "Kaufhausmusik". Er schlägt für die WM-Gruppenreise nach Deutschland ein aggressiveres Programm vor, Hip-Hop zum Beispiel.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Es ist zu erwarten, daß das Musikproblem auch die neue deutsche "Task Force" beschäftigen wird. Wer trifft die Auswahl? Klinsmann (Westernhagen, Phil Collins)? Oder Hoeneß (vermutlich Tina Turner: "Simply the Best")? Leider ist der Zusammenhang von Klang und Kick immer noch eine Grauzone der männlichen Psyche.

          Schon Beckenbauer erlitt Stimmbruch

          Herberger ließ die Spieler selber singen. Nachfolger Schön aber hatte 1978 in Argentinien Franz Lambert als Lagerorganisten dabei, und die Sache ging furchtbar schief. Schon Beckenbauer erlitt Stimmbruch ("Gute Freunde kann niemand trennen"); zu schweigen von strafbaren Rudelbildungen wie dem "Tragischen Dreieck" Haber/Bobic/Poschner ("Steh auf") oder Hamann/Zickler/Ziege als "Keksi & Die Falschen Freunde" ("Ohne dich").

          Vermutlich leidet sein Musikgeschmack unter dem Einfluß von Victoria
          Vermutlich leidet sein Musikgeschmack unter dem Einfluß von Victoria : Bild: AP

          Die deutsche WM-Chance besteht darin, zu dieser schwierigen Tradition zu stehen - und sie durch unabschaltbare Einspeisung in die Kabinen gegnerischer Teams taktisch nutzbar zu machen.

          „Mailand, Barcelona sind nun mal nicht Egelsbach“

          Wozu hat man Heimvorteil? Die Spanier traktiere man mit Udo Lindenbergs WM-Song von 1982: "Deutsche Männer, das weiß doch wohl jeder / sie treten das Leder / direkt in das Netz hinein / ein Torero schaut fassungslos zu / und sein Stier sagt nur leise noch: Schubidu / bei uns in Spanien, ja, in Spanien." Die Spanier werden fertig sein, wenn sie auf den Platz kommen. Mexiko setze man das WM-Team von 1986 ins Ohr nebst Peter Alexander ("Glocken der Freiheit schlagen in Kirchen ihr Lied ohne Ende / Das Leben malt Bilder aus Licht und aus Schatten auf schneeweiße Wände / Sombreros verbergen den Stolz in den Augen der einsamen Männer / Zärtliche Mädchen verschenken die Sehnsucht im Dunkel der Nacht"). Die armen Azteken werden vor Heimweh den Ball nicht treffen.

          Engländer brauchen, wie man nun weiß, zum Schlechtspielen etwas Langsames, Getragenes; noch langsamer als Beckham. Wie wär's mit der deutschen Version des Prince-Klassikers "Purple Rain"? Jener Version, mit der der FSV Frankfurt schlechtester Zweitligaklub aller Zeiten wurde? "Nach unten schaun ist schwach / oben gibt's doch viel mehr zu sehen / Mailand, Barcelona sind nun mal nicht Egelsbach." Den European Song Contest gewinnt Deutschland so natürlich nie. Aber vielleicht die WM.

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