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Fußball und Kapitalismus : Du kannst nach Hause gehen . . .

Hoeneß kann mit Heynckes ganz entspannt auf den Nachfolger schauen, denn der Vertrag ist eh auf fünf Spiele befristet Bild: AP

Im bezahlten Fußball gelten andere Maßstäbe als in der klassischen Wirtschaft: So gnadenlos wie in der Bundesliga wird selbst im Investmentbanking nicht gefeuert. Die Trainer müssen weg, sobald sich die Niederlagen häufen. Das ist Kapitalismus pur.

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          Der Verschleiß an Spitzenkräften ist beachtlich. In den aktuell zehn besten Clubs der Fußballbundesliga durften in den vergangenen fünf Jahren 36 Cheftrainer das operative Geschäft führen. Die Spannbreite liegt zwischen acht (Schalke 04) und einem Trainer (Werder Bremen). Mannschaften, die nacheinander vier Trainern in fünf Jahren die Chance gaben, wie zuletzt Bayern München, sind geradezu solide.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Im bezahlten Fußball gelten andere Maßstäbe als in der klassischen Wirtschaft: So gnadenlos wie in der Bundesliga wird selbst im Investmentbanking nicht gefeuert, geschweige denn in deutschen Dax-Unternehmen.

          Auch die durchschnittliche Verweildauer der Vorstände deutscher und Schweizer Unternehmen schrumpfe in den letzten Jahren dramatisch, beeilen sich Unternehmens- und Vergütungsberatungen zu berichten. Ein Vorstandschef darf im Schnitt noch auf 5,5 Jahre im Amt hoffen, berichtet Bain & Company in einer jüngeren Studie. Und 30 Prozent im Vorstand bleiben weniger als drei Jahre.

          Jürgen Klinsmann blieb nicht einmal zehn Monate beim FC Bayern
          Jürgen Klinsmann blieb nicht einmal zehn Monate beim FC Bayern : Bild: ddp

          Doch das ist immer noch ziemlich komfortabel. Ein Trainer des FC Bayern darf im Schnitt 19 Monate bleiben, wenn man die letzten drei Engagements als Maßstab nimmt. Über die gesamte Zeit gesehen, verzeichnete Bayern München seit Juli 1965 zwanzig Trainerwechsel nach dem Motto "Alle zwei Jahre muss ein neuer her".

          Sicher ist niemand: Selbst die Gefeierten werden gefeuert

          Sicher ist niemand. Denn die mittelständisch strukturierte Branche mit dem Hauptprodukt Fußballvergnügen feuert selbst die Gefeierten. Erfolge von gestern zählen wenig, das bekam Trainer Armin Veh, der VfB Stuttgart zum Überraschungsmeister machte, ebenso zu spüren wie Felix Magath, der seinen Job bei Bayern München verlor, nachdem er in zwei Jahren zwei Meisterschaften und zwei nationale Pokalwettbewerbe gewonnen hatte sowie die Teilnahme des Teams an der lukrativen Champions League sicherte. Denn danach hat er dann mal wieder verloren. Das ist regelmäßig fatal.

          Der Auslöser für Vertragsauflösungen sind - so trivial das klingt - Niederlagen. Niederlagen im Fußball können in ihrer Summe dazu führen, dass der Club sein wirtschaftlich wichtiges Saisonziel verfehlt. Die Verfehlung von Saisonzielen wird natürlich auch in der Industrie bestraft: Nur gibt es einen Unterschied im Timing: Der Trainer wird klassischerweise schon abgelöst, wenn die Verfehlung des Saisonziels nur droht. Manager werden dagegen erst in die Wüste gejagt, wenn das Gewinnziel nicht erreicht wurde.

          Auch das hat mit dem besonderen Charakter des Spiels zu tun, wie der Ökonom, Fußballexperte und Mönchengladbach-Fan Jörn Quitzau erläutert. Geschäftsführerwechsel haben keine kurzfristigen Wirkungen, Trainerwechsel schon. Eine empirische Untersuchung, die die Ergebniswirkung sämtlicher Trainerwechsel seit dem Beginn der Bundesliga bis Mitte der neunziger Jahre ausgewertet hat, kommt zum Ergebnis: Neue Trainer sind für ein Strohfeuer gut, wenn sie auch langfristig nicht weiterhelfen mögen. So ist Bayerns Schritt, einen Kurzzeittrainer nur bis zum Saisonschluss zu engagieren, wissenschaftlich bestens abgesichert.

          Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit, viel mehr Geld zu verdienen

          Das Management von Bayern München nutzt die Chance, ein sportliches Mindestziel - die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb - zu nutzen. Das ist auch wirtschaftlich zwingend. Denn diese Wettbewerbe bringen zusätzliche Fernsehgelder, Sponsoren-Boni und Ticketerlöse.

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