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Fußball : Uefa-Präsident Johansson kämpft um seine Wiederwahl

  • -Aktualisiert am

Freundliche Gegner: Platini und Johansson (r.) Bild: AP

Trotz seiner 76 Jahre will Lennart Johansson noch vier Jahre Präsident der Uefa bleiben. In Monte Carlo hat der unverwüstliche Schwede nun seinen Wahlkampf begonnen. Einziger Herausforderer ist der 25 Jahre jüngeren Franzose Michel Platini.

          Lennart Johansson hat sich nicht danach gedrängt, noch einmal für das Amt des Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zu kandidieren. "Ich habe eine Reihe von Kollegen gebeten, sich um meine Nachfolge zu bewerben. Sie haben alle abgelehnt." Also macht es der 76jährige Stockholmer, der seit 16 Jahren an der Spitze der Uefa steht, noch einmal - vorausgesetzt, er findet Ende Januar beim Kongreß in Düsseldorf aufs neue genügend Weggefährten und Wähler.

          Einen nämlich hat der gewichtige Schwede auf der Suche nach einem geeigneten Erben vorsätzlich übersehen: seinen 25 Jahre jüngeren französischen Gegenspieler Michel Platini. Der ehemalige Fußball-Regisseur von Weltklasse sitzt seit sechs Jahren in Johanssons Kabinett ebenso wie in der Regierung von Joseph Blatter, dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa). In beiden Exekutivkomitees hat sich der immer noch recht jugendlich wirkende Spielmacher von gestern unterdessen einiges von dem Wissen und den Verbindungen zunutze gemacht, das man braucht, um präsidiabel zu werden.

          „Ich bin gesund und fit“

          Gut gelaunt präsentierte sich Europas vormaliger Fußballer des Jahres am Donnerstagmittag in der Lobby des großen Hotels mit Meerblick, in dem kurz darauf Johansson seinen Wahlkampf vor europäischen Sportjournalisten eröffnete. Noch einmal eine Wahl verlieren wie 1998 die zum Fifa-Präsidenten, als der fleißigere Lobbyist und Wahlkämpfer Blatter in Paris triumphierte, möchte er auf keinen Fall. Wenn er denn im Januar 2007 beim Uefa-Kongreß von Düsseldorf die Mehrheit der Stimmen aus den 51 Uefa-Verbänden erobern sollte, dann, so hat er seinen Unterstützern am Donnerstag zur Einstimmung auf die neue Europacup-Saison versprochen, in alter Frische. "Meine Ärzte haben mir bescheinigt", hob der unverwüstliche Skandinavier vorsorglich hervor, "daß ich gesund und fit bin." Das war vor zwei Jahren noch anders, als Johansson an einer schweren Krankheit litt, von der er sich erstaunlich gut erholt hat.

          Spielmacher von gestern, Präsident von morgen? Michel Platini

          Der Senior-Chef will bei der nun einsetzenden Werbekampagne in eigener Sache vor allem auf die Verdienste verweisen, die er in seinen 16 Dienstjahren als erster Diener der Uefa unzweifelhaft angehäuft hat. Der Schwede hat mit Hilfe einer professionellen Marketingagentur die große Geldmaschine des internationalen Vereinsfußballs aus der Taufe gehoben: die Champions League. Aber auch sonst ist aus der jahrzehntelang im Schatten der Fifa verschlafenen Uefa längst ein Machtfaktor im Fußball geworden, an dem nicht einmal der noch mächtigere Fifa-Boß vorbeiregieren kann.

          „Ich würde auf mich wetten

          Blatter gehört wie alle Präsidenten der Fifa-Erdteilsverbände und derzeit wohl auch die Majorität der europäischen Föderationen zu jenen Fußball-Gewaltigen, die Johansson auf seiner Seite glaubt. Blatter ist aber auch ein bekennender Förderer von Platini gewesen, der womöglich damit rechnet, daß der trickreiche Walliser wie schon öfters so auch diesmal eine Art Doppelpaß ums Eck spielen wird. Johansson sagt: "Blatter ist bei mir im Wort. Er kann nicht, ohne daß sein Ruf darunter litte, zwei Kandidaten unterstützen." Tatsächlich gehört der Fifa-Präsident zu jenen schillernden Sportpolitikern, denen jederzeit alles zuzutrauen ist.

          Platini, der wie sein Vorbild Blatter jederzeit für einen unkonventionellen Vorschlag gut ist, hat seine Wahlkampftour längst begonnen. Speziell in den mittlerweile vielen Ländern und Verbänden Ost- und Mittelosteuropas, aber auch im Süden des Kontinents sucht der Nordfranzose Anhänger, die ihm in Düsseldorf zu einem Überraschungserfolg verhelfen sollen. Johansson dagegen will rund zwanzig Briefe aus osteuropäischen Verbänden erhalten haben, in denen Loyalität gegenüber dem jetzigen Uefa-Präsidenten zur ersten Wählerpflicht erklärt worden sei. "Ich glaube", sagte Lennart Johansson in Monte Carlo, "daß ich der einzige bin, der die Uefa durch die nächsten vier schweren Jahre führen kann." Fürs erste jedenfalls fühlt sich Johansson vital genug, es dem viel jüngeren Herausforderer, den er "niemals kritisieren würde", zu zeigen. "Ich habe mich für nichts zu entschuldigen", hielt er am Donnerstag all jenen entgegen, die ihm den Altersmalus als Handicap vorhalten. Der Kämpe kämpft weiter - gegen alle, die, sei es von außen (durch die G 14, die Gemeinschaft der eigennützigen, reichsten Klubs), sei es von innen einen Richtungswechsel in der Uefa herbeiführen wollen. Im Moment scheint der Alte die Nase vorn zu haben, doch der Weg bis nach Düsseldorf ist noch sehr lang und sehr beschwerlich. Johansson aber sagt allen, die es hören sollen: "Ich würde auf mich wetten."

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