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Ermittlungen im Fußball : Tuchels PSG-Chef Al-Khelaifi angeklagt

Im Fokus von Ermittlern aus der Schweiz: Nasser Al-Khelaifi (links, neben Thomas Tuchel) Bild: EPA

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Nasser Al-Khelaifi, den Boss des französischen Spitzenklubs Paris Saint-Germain. Dabei spielt auch eine Villa auf Sardinien eine Rolle.

          3 Min.

          Einer der einflussreichsten Multifunktionäre und Geschäftsmänner in der Welt des Fußballs gerät weiter ins Zwielicht. Der Qatarer Nasser Al-Khelaifi, Vereinspräsident des französischen Klubs Paris Saint Germain, Mitglied in den Vorständen des europäischen Fußballverbandes (Uefa) und der europäischen Klubvereinigung (Eca) sowie Chef des qatarischen Sportsenders BeInSports, ist von der Schweizer Bundesanwaltschaft aufgrund von Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe von Medienrechten angeklagt worden.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im gleichen Zug hat die Behörde in Bern ein Strafverfahren gegen den früheren Generalsekretär des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Jerôme Valcke, eingeleitet. Der 59 Jahre alte Franzose, welcher im September 2015 vom Weltverband suspendiert worden war, wird „passive Bestechung“, „mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung“ sowie „Urkundenfälschung“ vorgeworfen. Al-Khelaifi und ein dritter Beschuldigter sollen Valcke zur ungetreuen Geschäftsbesorgung angestiftet haben.

          „Aus den Ermittlungen hat sich ergeben, dass Valcke von beiden Mitbeschuldigten nicht gebührende Vorteile erhalten hat“, teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft in einem Schreiben mit. So habe Al-Khelaifi dem langjährigen Fifa-Generalsekretär, der viele Jahre unter dem früheren Fifa-Präsidenten Joseph Blatter die Hauptverwaltung des Weltverbandes anführte, unter anderem das alleinige Nutzungsrecht an einer Villa auf Sardinien überlassen. Der Fifa soll Valcke das nie gemeldet haben. Hierbei ging es laut Bundesanwaltschaft um den Verkauf von Medienrechten der Fifa an den Weltmeisterschaften 2026 und 2030 sowie Veranstaltungen im gleichen Zeitraum für die Region Naher Osten und Nordafrika im Gegenzug zur Gewährung von Vorteilen. BeInSports hat sich über Jahre zu einem größeren Sportsender entwickelt.

          Im Zwielicht: Nasser Al-Khelaifi

          Die Bundesanwaltschaft hatte das Strafverfahren gegen die drei Beschuldigten im März 2017 eingeleitet. Und auch die Fifa hatte Ende des Jahres 2016 einen Strafantrag wegen des Vorwurfs der Privatbestechung gegen alle drei Beschuldigte eingereicht. Wie die Schweizer Behörde jetzt mitteilte, habe der Weltverband mit dem Qatarer Al-Khelaifi inzwischen eine „nicht näher definierte gütliche Einigung“ erzielt, weshalb die Fifa ihren Strafantrag mittlerweile zurückgezogen hat.

          So soll Valcke vom Medienmanager und Klubchef Al-Khelaifi das alleinige Nutzungsrecht für eine Luxusvilla auf Sardinien für einen Zeitraum von insgesamt 18 Monaten mietfrei erhalten haben – bis zu seiner Suspendierung von der Fifa im September 2015 – für einen Gegenwert von schätzungsweise 900000 bis 1,8 Millionen Euro. Vom dritten Beschuldigten soll Valcke drei Zahlungen im Gesamtwert von 1,25 Millionen Euro an ein eigenes Unternehmen (Sportunited) bekommen haben.

          Al-Khelaifi, der in der europäischen Klubvereinigung unter anderem auch mit dem Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Vorstand der Organisation sitzt, hat nicht nur diese Schwierigkeiten: In einem weiteren Verfahren haben ihn französische Finanzstaatsanwälte wegen dubioser Geldflüsse im Zusammenhang mit der Bewerbung Qatars um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften angeklagt. Hintergrund sind zwei Zahlungen in einer Gesamthöhe von 3,5 Millionen Dollar aus dem Jahr 2011, die an eine Sportvermarktungsagentur von Papa Massata Diack, den Sohn des ehemaligen Präsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, Lamine Diack, gegangen sein sollen. Damals bewarb sich Doha um die Leichtathletik-WM 2017, die dann aber an London vergeben wurde. Im Jahr 2014 erhielt Doha den Zuschlag für 2019. Al-Khelaifis Anwalt wies die Anschuldigungen diesbezüglich zurück.

          Nach der gütlichen Einigung mit der Fifa zu den WM-Rechten hatte der Qatarer sich in einer Stellungnahme „zufrieden“ gezeigt, dass die Bestechungsvorwürfe, die er immer vehement zurückgewiesen hatte, fallengelassen worden seien. Er erwarte, dass sich auch der verbleibende Vorwurf als „völlig unbegründet“ erweisen werde. Zudem teilte Al-Khelaifi mit, selbst bei den Behörden eine Untersuchung gefordert zu haben, weil während der Ermittlungen interne Details und falsche Informationen an die Öffentlichkeit durchgesteckt worden seien. Fifa, Uefa und Eca gaben am Donnerstag keine Stellungnahme ab.

          Ihrem ehemaligen Generalsekretär Valcke hatte die Fifa im Januar 2016 fristlos gekündigt. Ein internes Dossier, welches die Unternehmensberatung KPMG für den Weltverband angefertigt hatte, dokumentierte angeblich diverses Fehlverhalten. So soll der Franzose nicht nur einen Schwarzmarkt-Ticketdeal vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mitorganisiert, sondern auch Extrakosten von fast zehn Millionen Euro für Privatflüge und Luxusreisen auf Kosten der Fifa verursacht und seinem Sohn durch Insiderwissen zu einem Vertrag mit WM-Rechten in Höhe von rund 600000 Euro verholfen haben. Im Mai vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Valcke mit einer Klage gegen seine von der Fifa-Ethikkommission verhängte Sperre als Fußballfunktionär bis 2025 vor dem Schweizer Bundesgericht gescheitert ist.

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