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Fußball : Trübes Spiel nach der faszinierenden Show

  • -Aktualisiert am

Hübsch, aber verboten: Kameruns Trikot-Einteiler Bild: dpa/dpaweb

In Tunesien hat der 24. Afrika-Cup begonnen - mit einem schwachen, aber erfolgreichen Spiel der Gastgeber gegen Ruanda und großen Hoffnungen auf die WM 2010.

          3 Min.

          Mit Eröffnungsspielen großer Fußballturniere ist es so eine Sache. Meist verlaufen sie unentschieden, weil die daran beteiligten Mannschaften erst vom Premierenfieber, dann von der Premierenangst befallen werden. Beides lähmt die Beine und die Kreativität. Die erste Partie des zum 24. Mal ausgespielten Afrika-Cups machte da vor 60.000 Zuschauern in Tunis keine rühmliche Ausnahme, auch wenn es mit dem Gastgeber Tunesien einen Sieger gab, der - die Ansprüche sind groß - noch nicht einmal ausgelassen bejubelt wurde. Zu bescheiden war die Leistung, die zum 2:1 über das Nationalteam von Ruanda führte, das bei ihrer ersten Teilnahme am Afrika-Cup ebenso enttäuschte wie die vom Franzosen Roger Lemerre trainierten Tunesier selbst.

          Rumpelfußball zum Auftakt

          Ruanda hatte sich für dieses Turnier der 16 Mannschaften empfohlen, indem es in der entscheidenden Partie Ghana von der Reise nach Tunesien abgehalten hatte, konnte aber in keiner Phase zeigen, wie es das geschafft hatte. Kritikaster Franz Beckenbauer hätte das von beiden Seiten Gebotene mit Rumpelfußball sogar noch unzulänglich beschrieben. Härten hüben wie drüben, dazu gravierende Unzulänglichkeiten in der Behandlung des Balles und in der Taktik des Spiels, dazu dezimierte jeweils eine Gelb-Rote Karte beide Mannschaften - das rauschhafte Erlebnis, das sich die Tunesier von dieser Premierenpartie gegen den krassen Außenseiter erhofft hatten, schlug in die Erkenntnis um, obwohl nach 1965 und 1994 den Afrika-Cup zum dritten Mal auszurichten, ihn wohl kaum zum ersten Mal gewinnen zu können. Einziger Lichtblick eines trüben Spiels war der eingebürgerte Brasilianer dos Santos, Torschütze zum 2:1-Siegtreffer. Er spielt in Frankreich beim FC Sochaux und hat kräftig dabei mitgeholfen, Borussia Dortmund aus dem UEFA-Pokal zu werfen.

          Dabei war alles für ein großes Spiel gerichtet gewesen, die Atmosphäre im für diese Jahreszeit ungewohnt kühlen Tunesien über Stunden geradezu aufgeheizt worden. Eine selten schöne und bewegende Eröffnungsfeier hatte den Besuchern mehr versprochen, als ihnen dann geboten wurde. Innerhalb einer knappen Stunde war künstlerisch wertvoll in bewegten Bildern ein Abriß der afrikanischen, speziell der Kulturgeschichte choreographisch aufgearbeitet worden, der jeden von den Sitzen riß. Rund fünf Millionen Euro hat sich Tunesien dieses Spektakel samt einem monumentalen Feuerwerk kosten lassen. Mit Hilfe einer Gruppe koreanischer Spezialisten, die sich acht Monate in Tunesien aufhielt, und rund eintausend Darstellern, die über drei Monate verpflichtet worden waren, verzauberten die Tunesier mit einer faszinierenden, kulturhistorischen Show, an deren Ende eine Galeere als Raumschiff, "Schiff der Hoffnung", in den nachtschwarzen afrikanischen Himmel entschwand.

          Empfehlung für die WM 2010

          Mit der Organisation dieses Afrika-Cups versucht sich Tunesien gleichzeitig als Ausrichter für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zu empfehlen. Denn daß der afrikanische Kontinent zum ersten Mal als Gastgeber auftreten dürfte, hatte sich bei der Vergabe für die WM 2006 gezeigt, als Südafrika im Finale denkbar knapp an Deutschland gescheitert war. Südafrika zählt wie Marokko auch abermals zu den Bewerbern, dazu Ägypten und Tunesien, das sich den Beistand des Nachbarlandes Libyen gesichert hat.

          Die Inspekteure des Weltfußballverbandes (FIFA) schließen in diesen Tagen in Ägypten ihre Untersuchungsreise ab, nachdem sie zuvor Tunesiens angedachten Partner Libyen unter die Lupe genommen hatten. Etwas verwirrt hat der tunesische Fußball-Verband auf den deutlichen Hinweis von FIFA-Präsident Joseph Blatter reagiert, der nach den Erfahrungen von 2002 in Japan und Südkorea eine WM-Endrunde am liebsten nicht mehr grenzübergreifend austragen lassen möchte, was die Chancen von Tunesien erheblich schmälern könnte. Doch selbstbewußt sagen die Tunesier, aufgrund der bereits vorhandenen und noch zu schaffenden, aber schon bis ins Detail geplanten Infrastruktur an Sportstätten, eine Endrunde auch alleine ausrichten zu können. Den Beweis soll dieser Afrika-Cup bringen. Was die Eröffnungsfeier betrifft, ist Tunesien schon jetzt einer WM würdig. Beistand erhoffen sich die Tunesier ein wenig vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), den sie bei der letzten Wahl massiv unterstützt hatten, zum Nachteil der afrikanischen Mitbewerber.

          Es soll auch ohne Libyen gehen

          Bei allem Eigeninteresse versteht sich Tunesien allerdings auch als Vorkämpfer für einen Ausrichter auf dem afrikanischen Kontinent. Issa Hayatou, der gerade wiedergewählte Präsident des afrikanischen Fußballverbandes, hat die Notwendigkeit, Afrika zum ersten Mal eine Endrunde zu "schenken", Blatter in Tunis noch einmal deutlich vor Augen geführt. Auch wenn der tunesische Ministerpräsident Zine El Abidine Ben Ali in seinem Grußwort zum Afrika-Cup die WM 2010, über die im Mai entschieden wird, mit nicht einem Wort erwähnt, hat der tunesische Verband inzwischen reagiert und fährt seine Bewerbung zweigleisig. Neben den Plakaten, auf denen noch Libyen als Partner fungiert, finden sich längst welche, auf denen Tunesien den alleinigen Bewerbungsanspruch für 2010 erhebt.

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