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Fußball : Trapattoni trifft wieder der Spott

  • -Aktualisiert am

Es geht wohl nur noch um den Zeitpunkt der Trennung Bild: dpa/dpaweb

Wenn der Pressesprecher eines Fußballklubs verkünden muß, es passiere heute nichts, stehen die Zeiten schlecht. In Stuttgart stehen sie schlecht. Deshalb mußte Oliver Schraft am Tag nach dem Pokal-Aus mitteilen, es gebe keine außergewöhnlichen Aktivitäten.

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          Wenn der Pressesprecher eines Fußballklubs am Telefon verkünden muß, es passiere heute nichts, stehen die Zeiten meist schlecht. In Stuttgart stehen sie schlecht. Deshalb mußte Oliver Schraft am Tag danach mitteilen, es gebe keine außergewöhnlichen Termine und Aktivitäten. Training um drei und damit basta.

          Beim VfB Stuttgart mühte man sich nach Kräften, dem Ausscheiden im DFB-Pokal beim Zweitligaklub Hansa Rostock den Eindruck von Besonnenheit folgen zu lassen. Präsident Erwin Staudt weilte wegen eines Termins in Berlin. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Arbeitgeberpräsident, Dieter Hundt, war nicht erreichbar. Und um drei am Nachmittag fand bei Sonnenschein ein Training statt. Hinter den Kulissen jedoch hat längst eingesetzt, was auf eine baldige Trennung von Cheftrainer Giovanni Trapattoni schließen läßt. Schon am Wochenende, eine Niederlage gegen Hertha BSC vorausgesetzt, könnte das Arbeitsverhältnis zwischen Trapattoni und dem VfB Stuttgart zu Ende gehen.

          Nachfolger sind schon im Gespräch

          Es wird in der Führungsetage des VfB unten im Stadtteil Bad Cannstatt bereits konkret über Namen möglicher Nachfolger gesprochen. Der Name Morten Olsen fällt und ein paar andere. Zwei, über die vor wenigen Monaten nachgedacht wurde, stehen bei ihren Klubs auf der Kippe. Uwe Rapolder in Köln und Wolfgang Wolf in Nürnberg. Dazu heißt es, man denke diesmal über eine umfassende Lösung nach. Was konkret bedeutet, der Job von Manager Herbert Briem steht zur Debatte. Aus dem Führungszirkel dringt nach außen, die Herren diskutierten über einen namhaften Manager, der den Verein nach außen nachhaltig vertreten könne. Noch fehlt ein überzeugender Kandidat. Mit Trapattoni müßten auch dessen Assistent Andreas Brehme sowie seine italienischen Torwarttrainer und Konditionstrainer Adriano Bardin und Fausto Rossi Abschied nehmen.

          Sollte die Trennung vom 66 Jahre alten Italiener erfolgen, hielte sich der finanzielle "Schaden" für die Stuttgarter in Grenzen. Nur knappe drei Monate bekäme er noch sein Gehalt weiter bezahlt. Viel größer allerdings wäre der Imageschaden, den sich die Führung des Klubs einbrockte. Die Verpflichtung des Trainers, dessen guter Ruf sich auf 19 gewonnene Titel gründet, erweist sich nun als folgenreiches Mißverständnis.

          Hildebrand als Botschafter

          Hoch oben im Norden an der Ostsee wurde beim 2:3 gegen Hansa Rostock wieder einmal deutlich, was die vergangenen Tage nach dem 2:0-Erfolg im Uefa-Pokal in Rennes und dem 1:1 bei Bayer Leverkusen viele als überwunden glaubten. Die Kluft, die zwischen Trainer und Mannschaft klafft, ist nicht mehr zu schließen. Es geht in Schwaben nur noch um den Zeitpunkt der Trennung vom "Maestro". Der aber redete weiter vom festen Glauben an seine Arbeit. "Das Ergebnis war negativ, die Leistung nicht. Ein Trainer muß wissen, daß er unter Druck steht, sonst muß er Lokführer werden", sagte Trapattoni. Die "Stuttgarter Zeitung" nannte das "Ratlosigkeit".

          Die Kommentare einiger seiner Spieler erzählen eine andere Geschichte, als es der Trainer aus Italien tut. "Ich habe in der Zeitung gelesen, der Trainer hat gesagt, daß ihn die Mannschaft versteht. Und es stimmt ja alles, was in der Zeitung steht", sagte Torwart Timo Hildebrand sarkastisch. Nicht besonders überzeugend fügte er hinzu, er wolle nun nicht wieder als Rädelsführer dastehen. Im Grunde aber ist das der 26 Jahre alten Nummer drei der deutschen Nationalmannschaft längst egal. Es war nicht die erste sarkastische Rüge, die er erteilte. Hildebrand darf sich trotz persönlicher Vorbehalte als Botschafter vieler seiner Kollegen sehen. "Was soll ich groß übers System sagen, es ist nicht das erste Mal, daß wir große Lücken im Spiel haben", sagte der Mann, den Trapattoni noch im August am liebsten verkauft hätte.

          Trapattoni und seine Mannschaft haben sich buchstäblich auseinanderrotiert, was sich auch in bescheidenen Ergebnissen in der Bundesliga ausdrückt. Obwohl der Italiener in den letzten Spielen seine Personalwechsel auf drei beschränkte, zuvor war manchmal die halbe Mannschaft betroffen, trat wenig Besserung ein. Zur halbherzigen Abkehr von seinem taktischen Konzept war Trapattoni erst nach sanftem Druck der Vereinsführung bereit. Trapattoni werde nach nicht einmal vier Monaten vom Management "am Händchen geführt", hatte die "Stuttgarter Zeitung" spitz gespöttelt.

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