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Fußballtrainer in Italien : Der bewegende Leukämie-Kampf des Sinisa Mihajlovic

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Bolognas Trainer Sinisa Mihajlovic kämpft gegen den Krebs. Bild: dpa

In Italien ist Sinisa Mihajlovic eine Fußball-Legende. Einen Großteil seiner Laufbahn als Spieler und Trainer hat der Serbe dort verbracht. Sein Kampf gegen den Krebs bewegt nun die Nation.

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          Seine Freistöße waren legendär. Aus manchmal unmöglichen Winkeln versenkte Sinisa Mihajlovic den Ball aus dem Stand im Netz, mit 28 Treffern wurde er gemeinsam mit Andrea Pirlo erfolgreichster Freistoßschütze der italienischen Serie A. Nach seiner Zeit als Fußballprofi blieb der Serbe seiner Wahlheimat Italien zumeist als Vereinstrainer treu. Im Alter von 50 Jahren hatte der frühere Abwehrspieler 2019 seinen vielleicht härtesten Kampf zu bestehen: Der Trainer des FC Bologna erkrankte an Leukämie.

          Er werde kämpfen und die Krankheit besiegen, hatte Mihajlovic bei einer Pressekonferenz im Juli unter Tränen angekündigt. Mehrere Chemotherapien und eine Knochenmarktransplantation folgten. Jetzt gibt er sich optimistisch. „Ich bin am Ende des Tunnels, man sieht die Sonne“, sagte Mihajlovic kurz vor Weihnachten in Mailand. Dort wurde er mit einem der „Gazzetta Awards“ der Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ ausgezeichnet. Er erhielt ihn in der Kategorie „Legend“, die den größten Persönlichkeiten im Sport zugedacht ist. Bei der Gala plauderte er auch von seinen Jugenderinnerungen und erzählte, wie ihm sein Vater seinen ersten Lederball schenkte.

          Geboren wurde Mihajlovic am 20. Februar 1969 in Vukovar (Kroatien), damals Jugoslawien. Seine Profikarriere begann er bei Vojvodina Novi Sad. 1991 gewann er mit Roter Stern Belgrad den Europapokal der Landesmeister, es war sein größter Erfolg im Vereinsfußball. Im Jahr darauf zog es ihn nach Italien, dort spielte er bei AS Rom, Sampdoria Genua, Lazio Rom und schließlich Inter Mailand. Als jugoslawischer Nationalspieler schaffte er es bei der WM 1998 in Frankreich ins Achtelfinale. Im Gruppenspiel gegen Deutschland (2:2) unterlief dem Abwehrchef nach 2:0-Führung ein Eigentor, als er einen Freistoß Michael Tarnats ins eigene Netz abfälschte. Beim 1:0 gegen den Iran schoss er – per Freistoß – das Siegtor.

          In Italien fand er auch die Liebe seines Lebens, die bildschöne Römerin Arianna Rapaccioni, seine heutige Ehefrau. Sie haben fünf Kinder. Während der schwersten Monate war Arianna eine unersetzliche Stütze für ihn, sie wich im Krankenhaus keinen Augenblick von seiner Seite. „Sie ist die einzige Person, die ich kenne, die mehr Eier hat als ich“, sagt Mihajlovic, der bei öffentlichen Auftritten jetzt immer eine große Schirmmütze trägt. Einen Monat nach der Knochenmarktransplantation am 29. Oktober trat Mihajlovic Ende November in Italien wieder vor die Presse. „Sono ancora qua“ – ich bin noch da – zitierte er einen Songtitel von Vasco Rossi, während es seine Frau mit Eros Ramazzotti hielt: „Più bella cosa non c’è“ – Es gibt nichts Schöneres.

          Am 8. Dezember saß der „Mister“, wie man die Trainer in Italien gerne nennt, beim Heimspiel gegen den AC Mailand schon wieder auf der Bank, obwohl die Ärzte ihm mehr Schonung empfohlen hatten. Zwei Tage später kündigte die Stadt Bologna an, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Für Mihajlovic ist sein Posten bereits das zweite Engagement in der Hauptstadt der Emilia-Romagna. Seine Spielerkarriere hatte er 2006 bei Inter Mailand beendet und war dort zwei Jahre als Kotrainer geblieben. Von 2008 an trainierte er dann ein Jahr den FC Bologna. Es folgten fünf weitere italienische Clubs, dazwischen war er von 2012 bis 2013 serbischer Nationaltrainer.

          Nur wenige Tage dauerte sein Engagement bei Sporting Lissabon 2018. Ende Januar 2019 übernahm er wieder den FC Bologna. Zufrieden mit seinen Jungs ist der strenge Coach nicht. Er habe sich „schwarz geärgert“ über die jüngsten Leistungen, sagte er. In der Weihnachtspause stand Bologna mit 22 Punkten auf Platz neun. In Italien hat Mihajlovic auch für Knochenmarkspenden geworben. Er erhielt das Spendermaterial von einem Nicht-Angehörigen. Zu seinem weiteren Heilungsverlauf äußerte sich die Hämatologin Francesca Bonifazi vom Krankenhaus Sant’ Orsola in Bologna bei der Pressekonferenz vorsichtig. Zwei Jahre nach der Transplantation lasse das Rückfallrisiko deutlich nach, aber erst nach fünf Jahren könne er als geheilt betrachtet werden, sagte sie.

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