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Fußball-Trainer Nagelsmann : Willkommen im Abenteuer-Land

Jung und erfolgreich: Die Frage, ob einer unter 30 reif für den Job als Bundesligatrainer sein kann, hat er beiläufig beantwortet Bild: dpa

1899 Hoffenheim ist wieder ein spannendes Fußball-Projekt geworden - dank des jungen Trainers Nagelsmann. Er hat das Spiel nach Prinzipien strukturiert, die für jeden Gegner gelten.

          Respekt? Vielleicht sogar Angst? Julian Nagelsmann lächelt all das weg und macht schnell deutlich, was er vom Spitzenspiel dieses zehnten Bundesliga-Spieltages erwartet. „Mein Videoanalyst hat sich schon ein paar Spiele angeguckt. Wahrscheinlich ist das der beste Gegner, der in der Bundesliga auf uns wartet. Und ich brauche keinem erzählen, dass es ein sehr, sehr schweres Auswärtsspiel wird“, sagt Nagelsmann über die Partie seiner Hoffenheimer beim Rekordmeister Bayern München an diesem Samstag (15.30 Uhr/Liveticker bei FAZ.NET). Aber dann schiebt er hinterher: „Wir fahren dorthin, um erfolgreich zu sein - das ist ganz normal.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In seiner Welt jedenfalls. Der Sportpark in Zuzenhausen, einer Nachbargemeinde von Hoffenheim. Feine Rasenplätze, moderne Funktionsräume, dazu ein restauriertes Schloss, das heute als Tagungsstätte dient. Dort, zwischen den Hügeln des Kraichgaus, hat Mäzen Dietmar Hopp die Zentrale seines Fußballimperiums bauen lassen. Nagelsmann kommt gerade vom Training, er lässt sich einen Cappuccino bringen, und vor dem Gespräch stellt er sich noch freundlich vor. Die Leute im Klub sind stolz auf ihn. Klug und innovativ sei er, heißt es, dazu ein angenehmer Typ, der gut auf die Atmosphäre in seiner Umgebung einwirke.

          Im Februar dieses Jahres wurde Nagelsmann als neuer Trainer der Hoffenheimer vorgestellt, da war er gerade einmal 28 Jahre alt. „Für mich war immer klar, dass ich noch sehr jung sein würde, falls ich es einmal in die Bundesliga schaffen sollte“, sagt er. Huub Stevens, sein Vorgänger, klagte über Herzrhythmusstörungen, beendete seine Karriere an der Seitenlinie, und so wurde die Beförderung des Trainertalents aus den eigenen Reihen um ein paar Monate nach vorne gezogen. Nagelsmann kam von der U 19 des Vereins, nun war er jüngster Trainer in der Bundesliga-Historie und steckte mitten im Abstiegskampf.

          Nagelsmann will Abenteuer-Fußball spielen lassen und hat Erfolg: zwölf Siege, aber nur fünf Niederlagen für die TSG unter seiner Führung

          Nach zwanzig Spieltagen lag das Team damals abgeschlagen auf Platz 17 in der Tabelle, allein der Rückstand auf den Relegationsrang betrug zu diesem Zeitpunkt fünf Punkte. Doch schon während seiner ersten Pressekonferenz versprach Nagelsmann „neue Impulse“ - und hielt Wort.

          Er will Abenteuer-Fußball spielen lassen

          Einen Tag später gegen Bremen (1:1) lief Hoffenheim in der Abwehr mit einer Dreierkette auf. Ein System, das er zuvor nur in zwei Trainingseinheiten einstudiert hatte. Und Nagelsmann hatte noch mehr Überraschungen parat. So sagte er seinen Spielern, dass sie künftig möglichst wenige Zweikämpfe bestreiten sollten, weil in jedem dieser Zweikämpfe zu viele Zufallsparameter steckten. Außerdem solle sein Team selbst die Offensive suchen und Tore schießen.

          Bisher stand der Abstiegskampf genau für das Gegenteil: Kampf und Härte wurden da ausgerufen, und als oberste Prämisse galt das Verhindern von Gegentoren. Nagelsmann wollte das nicht, und er will es immer noch nicht. Er will Abenteuer-Fußball spielen lassen.

          Niklas Süle lobt den Trainer: „Weil er noch sehr jung ist, versteht er genau, wie das Team tickt“

          Einen Spieltag vor Saisonende hatte er Hoffenheim vor dem Abstieg bewahrt. Von dort an ging der Weg von Trainer und Verein steil nach oben, und die Frage, ob ein Endzwanziger reif sei für die Aufgabe als Bundesligatrainer, beantwortete sich wie von selbst. Seit seinem Debüt in der Bundesliga ging Nagelsmann zwölf Mal als Sieger vom Platz, sechs Spiele endeten remis, fünf Mal hat er verloren. Nur Bayern und Borussia Dortmund haben in dieser Zeit mehr Punkte gewonnen. Hochgerechnet auf eine Saison, würde Hoffenheim 57 Punkte gewinnen und wäre damit ein Kandidat für die Champions League.

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