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Trainer Jesus infiziert : Das Coronavirus ist in Brasilien angekommen

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Trainer Jorge Jesus ist mit dem Coronavirus infiziert. Bild: Reuters

Präsident Bolsonaro spricht von Hysterie, doch der positive Test von Trainer Jesus sorgt für Betroffenheit. Mit dem langmähnigen Kauz kam der Erfolg nach Rio. Und nun das Coronavirus.

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          Die erste Solidaritätsadresse kam vom Torjäger: „Forca Mister“ schrieb Stürmer Gabriel „Gabigol“ Barbosa in den sozialen Netzwerken und veröffentlichte dort ein Foto, das ihn und Trainer Jorge Jesus gemeinsam Arm in Arm zeigt. Auch der Vizepräsident Marcos Braz nahm den Coach virtuell in den Arm: „Wir sind zusammen mit dem Mister.“ Brasiliens Fußballfans, vor allem die, die es mit dem Traditionsverein Flamengo Rio de Janeiro halten, bangen um die Gesundheit ihres Trainers, seit bekannt wurde, dass ein Coronavirus-Test des 65-jährigen Erfolgscoaches positiv ist.

          In Rio de Janeiro und Brasilien reagiert man deswegen so betroffen, weil Jesus nach dem Gewinn der brasilianischen Meisterschaft und der südamerikanischen Champions League der beliebteste Fußball-Lehrer im Land ist. Mit dem im portugiesischen Ort Amadora geborenen langmähnigen Kauz kam der Erfolg nach Rio de Janeiro. Und mit seinem positiven Test kam das Coronavirus endgültig in Brasilien an.

          Bislang war die Coronavirus-Krise vor allem eine der Europäer und Asiaten. Brasilien verfolgte das Geschehen zwar interessiert, aber aus der Distanz, ohne sich wirklich betroffen zu fühlen. Am Tag, als die Nachricht des positiven Tests kam, lag die Zahl der in Brasilien registrierten positiven Fälle laut Johns Hopkins University bei 162.

          Hinzu kommt, dass Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro die Sorglosigkeit im riesigen Land noch befeuerte, indem er am Sonntag an einer Demonstration teilnahm, obwohl er sich laut ärztlichem Rat eigentlich in häuslicher Quarantäne hätte aufhalten sollen. Denn ein Teil einer Delegation, die mit Bolsonaro eine Woche zuvor in die Vereinigten Staaten zu Donald Trump gereist war, wurde positiv getestet. Doch statt Quarantäne klatschte oder berührte Bolsonaro, wie die Tageszeitung „Estadao“ nachgezählt hat, während seines Ausflugs in die Freiheit insgesamt 272 Personen. Die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bezeichnete er als „Hysterie“ und „Extremismus“. Auch den brasilianischen Fußball-Verband CBF kritisierte er für dessen Krisenmanagement.

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          Der enorm einflussreiche evangelikale Bischof, Edir Macedo, Gründer der brasilianischen Pfingstgemeinde „Universalkirche vom Königreich Gottes“, bezeichnete die Ausbreitung des Virus als „Strategie von Satan und der Presse“, um Panik zu verbreiten. Der Mann, in dessen 10.000 Kirchen im ganzen Land Millionen Menschen pilgern, äußerte Zweifel, dass das Virus gefährlich sei. Doch nun platzt in diese Stimmung des Zweifels gegenüber der medizinischen Fachwelt die Nachricht von Jorge Jesus. Ein Mann, den in Rio de Janeiro jeder kennt, liebt oder zumindest respektiert.

          Mit der möglichen Infektion ist das Virus auch in den kleinen Kneipen und Bars der Favela angekommen, bei den Fans und einfachen Leuten, für die Flamengo eine Ersatzreligion ist. Und plötzlich begreifen die Menschen, dass die Gefahr Brasilien erreicht hat. Flamengo teilte mit, dass sich Jesus auf Anraten der Ärzte am Dienstag einem weiteren Test unterzogen habe und das Ergebnis 24 oder 48 Stunden später vorliegen werde. Jesus verbringt nun erst einmal die Zeit in häuslicher Quarantäne in seinem Apartament im Nobelstadtteil Barra da Tijuca in Rio de Janeiro. Der Trainer versuchte, die Fans zu beruhigen: „Ich fühle mich wie eine ganz normale Person. Ich fühle keine Symptome, aber es ist wahr, dass der Test positiv ist. Ich werde in Quarantäne bleiben“, so Jesus, der Hoffnung machte, dass es sich nur um eine kurze Episode handelt: „Ich möchte mich für die Zuneigung aller meiner Fans, Freunde, Anhänger, der Nation Flamengo bedanken, die sich in meiner Situation hinter mich stellen, die, so denke ich, in mehr oder weniger einer Woche, so Gott will, zu Ende ist und in die Normalität übergeht.“

          Vor wenigen Tagen betreute Jesus die Mannschaft noch im Maracana bei Siegen über Barcelona und Portuguese in Copa Libertadores und regionaler Meisterschaft. Die Zeitung „O Globo“ berichtet, der Trainer sei es gewohnt, während Reisen mit der Mannschaft allein zu sitzen. Eine Infizierung durch den Klubvizepräsidenten Mauricio Gomes de Mattos, der am Samstag ebenfalls positiv getestet worden sei, gelte als unwahrscheinlich, da er keinen direkten Kontakt mit dem Trainer gehabt hätte. Das Vereinsleben ist trotzdem erst einmal lahmgelegt.

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