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Fußball-Talentreport (8) : „Da bin ich ausgeflippt“

„Wenn mein Vater Rechtsanwalt wäre, wäre es anders gelaufen“, sagt Dominik Bild: Imago

Mit 20 Jahren hat Dominik Böttcher schon für fünf Bundesligaklubs gespielt – geschafft hat er es nirgendwo. Nun erzählt er, warum er noch eine Chance verdient hätte.

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          Dominik Böttcher (20) hat eine Odyssee hinter sich. In der Jugend spielte er für fünf Bundesligaklubs, geschafft hat er es nirgendwo. Eine Frage der eigenen Disziplin – und mangelnder Verantwortung der Klubs.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dominik: „Schon als kleiner Junge war ich im Fußball undiszipliniert, ich bin immer aus der Reihe getanzt. Ich wollte immer den Ball haben auf dem Platz, einfach immer, und wenn andere im Training mal etwas vorgemacht haben, war ich richtig sauer. Da war ich erst fünf.

          Ich habe damals bei einem kleinen Verein in Berlin-Steglitz gespielt, nur bei den Älteren. Ich war einfach so schnell. Mit elf wurde ich bei einem Turnier zum besten Spieler gewählt, obwohl die anderen zwei Jahre älter waren. Da hat mich ein Trainer von Hertha gesehen und mich zum Training eingeladen. Ich bin dann sofort genommen worden. Dann habe ich ein paar Jahre bei Hertha gespielt, bis mich jemand vom HSV bei einem Sichtungsturnier für die Berliner Auswahl angesprochen hat. Ich wollte sowieso weg aus Berlin, in ein anderes Umfeld. Ich hatte einfach zu viele Freunde, die Blödsinn gemacht haben.

          „Fast auf einem Auge blind geworden“

          Mit 15 war ich dann beim HSV im Internat, da ging es auch los mit der Nationalelf. Ich habe eine Einladung von Polen bekommen, aber auch vom DFB. Ich wollte für Deutschland spielen, aber kurz vor dem ersten Länderspiel habe ich einen Ellbogencheck abgekriegt, ausgerechnet im Spiel gegen Hertha. Bruch der Augenhöhle, ich wäre fast auf einem Auge blind geworden. Drei Monate bin ich ausgefallen.

          Beim HSV habe ich nur ein halbes Jahr gespielt. Eigentlich war ausgemacht, dass ich als jüngerer Jahrgang der U17 in die U19 hochgezogen werde. Als klar war, dass mein U17-Trainer zu einem Profiklub geht, hat er mich doch nicht hoch gehen lassen. Als ich wissen wollte, warum er das macht, durfte ich auch nicht mehr in der U17 spielen.

          Die Saison dauerte da noch ein halbes Jahr, deswegen bin ich zu Mönchengladbach. Dort war ich eineinhalb Jahre im Internat, es lief richtig gut. Ich habe fast immer gespielt und hatte einen Trainer, der mich richtig gefördert hat. Ich war kurz davor, einen Lizenzspielervertrag zu unterschreiben. Aber dann gab es Streit im Training, und dabei hat jemand meine Mutter beleidigt, die damals herzkrank im Krankenhaus lag. Da bin ich ausgeflippt, bin auf den Typ drauf und habe ihn beschimpft. Aber kurz bevor ich ihm eine geben wollte, habe ich mich noch gestoppt. Ich habe nicht geschlagen.

          Aber an dem Tag war leider nicht mein Trainer da, der hätte die Sache gleich geklärt. Der Co-Trainer hat aber daraus ein Riesending gemacht und ist zum Jugendkoordinator. Ich habe eine Abmahnung bekommen, einen Verweis. Und wenn man wie ich schon mehrere Disziplin-Sachen hatte, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass der Verein einen nicht mehr will. Ich glaube, mit anderen Spielern hätten sie das nicht gemacht. Ich komme aus einer Familie, wo es ein paar Probleme gibt, aber wenn mein Vater Rechtsanwalt wäre oder so etwas, dann wäre das bestimmt anders gelaufen. Bei mir lief es in der Schule auch nicht besonders gut, aber die Hauptschule habe ich gemacht.

          Mein Berater hat mir dann einen Profivertrag in Halle besorgt. Als ich unterschrieben habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich dort ein-, zweimal pro Woche bei den Profis trainiere, dass ich an den Profikader rangeführt werde. Ich habe dann aber nur in der A-Jugend gespielt – und nicht ein einziges Mal bei den Profis trainiert. Ich war vorher in viel besseren Jugendteams, das war mir viel zu wenig. Ich kam mir echt verarscht vor. Nach zwei Monaten bin ich gegangen.

          Meine nächste Station war 2013 die A-Jugend von Hoffenheim. Der Trainer hat sich sehr mit mir befasst, er kannte mich schon aus Berlin. Der wusste, wie ich bin. Wir haben auch viele Gespräche außerhalb des Fußballs geführt. Aber da musste ich erst mal viel aufholen, einen Monate hatte ich gar nicht trainiert. Und das war auch ein ganz anderes Training, viel anspruchsvoller als in Halle.

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