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Fußball-Talentreport (3) : Wie macht Mainz 05 das nur?

Nicht überall verantwortungsvoll

Tatsächlich aber sind die Unterschiede zwischen Rhetorik und Realität in der Bundesliga mitunter enorm. Einige Vereine scheint es immer noch herzlich wenig zu kümmern, was aus den Jugendlichen einmal wird, wenn sie es nicht in den Profifußball schaffen. Diesem Befund mag Kersting nicht widersprechen, im Gegenteil. „Irgendwann wird es in ein paar Jahren auch Statistiken geben, wie viele von den Jungs hinten runtergekippt sind. Und bei wie vielen dafür gesorgt worden ist, dass sie einen vernünftigen Schulabschluss haben und begleitet wurden. Da wird sich in ein paar Jahren etwas auftun, was keiner lesen will. Ich kann es nicht mit Zahlen belegen, aber vom Gefühl kann ich sagen, dass nicht überall mit dieser Verantwortung mit den Jungs umgegangen wird, wie es sein sollte.“ Es ist genau diese Diskrepanz, in der mittlerweile ein wichtiger Vorteil für Mainz im großen Kampf um die großen Talente liegt.

Mainz hat weder finanziell noch geographisch gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jugendarbeit. Die Ballung von Profiklubs in der Region ist groß, ganz anders als etwa in Berlin, Hamburg oder München mit ihrem weitläufigen Einzugsgebiet und wenigen Vereinen. „Wir haben in der Rhein-Main-Region ein Einzugsgebiet von drei Millionen. Aber Eintracht Frankfurt ist nur 50 Kilometer entfernt, Hoffenheim 135, Kaiserslautern 80, dazu kommen noch die Zweitligaklubs FSV Frankfurt und Darmstadt 98. Die Konkurrenzsituation ist da“, sagt Kersting. „Man mag vielleicht sagen, dass wir deswegen bei unserer Arbeit an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen mehr ins Detail gehen. Aber das möchte ich als Argument nicht gelten lassen. Der Konkurrenzdruck steht bei uns hinten an - wir ticken wirklich so. Und die Jungs und die Eltern merken, ob es das Selbstverständnis ist, dass man sich intensiv kümmert. Oder ob man es nur macht, weil man es muss, weil die anderen Vereine ringsum einem gefährlich werden.“

Kompetenz im NLZ

Die große Stärke der Mainzer, davon sind Kersting und Heidel überzeugt, liegt nicht allein in der fußballerischen Klasse der Talente. Sondern in der Kompetenz der Leute im Nachwuchsleistungszentrum, die mit den Jungs arbeiten. „Die wichtigste Entscheidung war, dass wir in Manpower in unserem Zentrum investiert haben. Also in Leute wie Volker Kersting, der das früher nebenbei gemacht hat, oder in Stefan Hofmann, dem Sportlichen Leiter des Leistungszentrums. Wir haben gezielt in Leute investiert, die sich im Jugendfußball auskennen, die eine Profession dafür haben“, sagt Heidel. Mittlerweile gehören zum Mainzer Nachwuchsstab fünf Trainer, die eine Fußballlehrerlizenz besitzen, mit der sie auch in der Bundesliga trainieren könnten. Ein Fall wie bei Hertha BSC etwa, die nun den ursprünglichen U-15-Trainer Pal Dardai in der Bundesliga einen Mann mit entsprechender Lizenz zur Seite stellen müssen, würde in Mainz kaum eintreten. Dafür arbeiten dort zu viele Trainer mit Bundesliga-Qualifikation im Nachwuchsbereich.

Der größte Vereinserfolg: Die A-Junioren mit Trainer Thomas Tuchel werden 2009 Meister

„Viele unserer Trainer haben wir selbst entwickelt. Damit füllt man sein Ausbildungsprogramm mit einer eigenen Überzeugung. Denn nur wenn man ein Ausbildungsprogramm aus dem Klub heraus entwickelt und alle ins Boot holt, wird es so sein, dass die Trainer das mit noch größerer Überzeugung rüberbringen. Deswegen ist es uns so wichtig, dass wir im Ausbildungsbereich die größtmögliche Konstanz haben“, sagt Kersting. „Der Schlüssel des Erfolgs liegt für uns in der Qualität des Personals. Denn nur wenn ich gute Trainer und Ausbilder habe, gibt es die Möglichkeit, mit den Jungs entsprechend zu arbeiten und sie auszubilden. Wenn ich am Personal spare und hole mir dafür drei, vier Spieler mehr, wird sich auf Sicht die Qualität der Ausbildung bei uns verschlechtern.“

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