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Protest gegen Trainer : „Rebellion“ der spanischen Fußballerinnen sorgt für Wirbel

  • Aktualisiert am

Die Spielerinnen der spanischen Nationalmannschaft nach dem 0:2 gegen Deutschland in der EM-Vorrunde 2022 Bild: AP

Aufregung in Spaniens Fußball: 15 Nationalspielerinnen beschweren sich über den Trainer, der Verband spricht von einem Massenrücktritt. Bis die Frauen entschieden widersprechen.

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          Meuterei gegen den Nationaltrainer und Streit um eine Pressemitteilung des Verbandes: Der spanische Fußball wird von einer „Rebellion“ erschüttert. „Erdbeben beim Frauen-Team“, titelte die Zeitung Sport. Im seit Wochen schwelenden Konflikt mit Coach Jorge Vilda kam es vorerst zu einem Höhepunkt, knapp zehn Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft hängt beim Titelkandidaten der Haussegen schief.

          Gleich 15 Spielerinnen beschwerten sich am Donnerstag über den aus ihrer Sicht unqualifizierten Trainer. Davon hatten zwölf in diesem Sommer zum EM-Kader gehört, neun zählten beim 0:2 im Gruppenspiel gegen Deutschland zur Startelf. Der Verband RFEF wertete dies als Rücktritt und teilte es auch so der Öffentlichkeit mit – was prompt zum nächsten Wirbel führte.

          „Wir sind nicht zurückgetreten“

          „Wir sind auf keinen Fall aus dem Nationalteam zurückgetreten, wie es der Verband in seinem offiziellen Statement behauptet“, teilten die Spielerinnen am Freitagabend in einem Offenen Brief mit und beschwerten sich über die verkürzte Wiedergabe ihrer Nachrichten.

          Dennoch blieb der Eindruck, dass die Rebellinnen den Verband zur Entlassung Vildas zwingen wollen – doch der RFEF bleibt anders als zuletzt beim Schiedsrichterinnen-Streik stur.

          Die RFEF werde es den Spielerinnen „nicht gestatten, die Kontinuität des Nationaltrainers und seines Trainerstabs infrage zu stellen, da derartige Entscheidungen nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Spielerinnen hatten zuvor in Mails mit identischem Wortlaut erklärt, dass sie die derzeitige Situation „erheblich“ in ihrem „emotionalen Zustand“ und ihrer „Gesundheit“ beeinträchtige.

          Die verletzte Weltfußballerin Alexia Putellas gehört ebenso wenig zu den Abtrünnigen wie Jennifer Hermoso oder die Spielerinnen von Real Madrid. Doch ansonsten beschwerten sich sämtliche Stars – von Torfrau Sandra Panos über Abwehrchefin Mapi Leon, Mittelfeldmotor Patri bis hin zu Angreiferin Mariona Caldentey. US-Star Megan Rapinoe sicherte ihnen via Instagram Unterstützung zu. Bereits seit dem EM-Aus im Viertelfinale gegen England (1:2) rumort es bei La Roja.

          Während der Länderspielmaßnahme Anfang September gab es eine Pressekonferenz, auf der mehrere Spielerinnen nach aufkommenden Medienberichten versicherten, nicht um den Rücktritt des Trainers gebeten zu haben. Doch dem Dialog folgte die Rebellion. „Wir wissen nicht, was das Problem ist. Die Spielerinnen sind nicht schlecht behandelt worden, ganz und gar nicht. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit“, sagte Ana Alvarez, bei der RFEF zuständig für den Fußball der Frauen.

          Die Vorgehensweise entspreche „nicht den Werten des Fußballs“ und sei vielmehr sogar „schädlich“, hieß es von Verbandsseite weiter. Eine Entlassung von Vilda auf Wunsch der Spielerinnen werde es nicht geben. Vielmehr müssten die ihren Fehler einsehen und sich aufrichtig entschuldigen, falls sie in die Mannschaft zurück möchten. Ansonsten werde der Kader in Richtung WM in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August 2023) eben mit Jugendspielerinnen aufgefüllt.

          Schon kommende Woche muss Vilda, ausgestattet mit einem Vertrag bis in das Jahr 2024 hinein, seinen ersten Kader nach der „Rebellion“ (As) nominieren. Schließlich stehen am 7. Oktober gegen Schweden und am 11. Oktober gegen Weltmeister USA erste hochkarätige Tests für sein neuformiertes Team an.

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