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Fußball-Slapstick in Paris : Ein Nicht-Tor für die Ewigkeit

Die Szene des Jahres in Frankreich: Eric-Maxime Choupo-Moting (vorne) lenkt den Ball mit seinem linken Fuß an den gegnerischen Innenpfosten. Bild: dpa

Für Paris St. Germain lag die vorzeitige Fußball-Meisterschaft bereits in der Luft. Doch Eric-Maxime Choupo-Moting vergab die große Möglichkeit in einem Moment des grotesken Scheiterns. Ein Makel, der bleiben wird.

          Die Bühne war bereitet, der Eiffelturm erleuchtet, der Prinzenpark gefüllt, und mit Neymar, Cavani, di Maria und Mbappé schaute eine halbe Milliarde Euro an Transferausgaben zu, wie die billigeren Kollegen den Meistertitel für PSG holen würden. Niemand zweifelte am dafür nötigen Sieg gegen Racing Straßburg. Doch was ihnen von diesem Sonntagabend in Erinnerung blieb, war keine Pariser Champagnernacht, sondern der Moment eines grotesken Scheiterns. Was Eric-Maxime Choupo-Moting beim 2:2 gegen Racing in der ersten Halbzeit vorführte, war eine Weltpremiere.

          Wie der Deutsch-Kameruner den ins Tor trudelnden Schuss seines Kollegen Nkunku aus kürzester Entfernung mit einer letzten Berührung verlängern wollte, wie er leicht strauchelnd den Ball unfreiwillig vom Überschreiten der Torlinie abhielt, wie dieser dann parallel zum Tor bis zum Pfosten kroch und ins Feld hoppelte – das war sportlicher Slapstick für die Ewigkeit.

          „Dieses unglaubliche Missgeschick geht in die Geschichte ein“, schrieb die Sportzeitung „L’Équipe“. Sie stellte Choupo-Moting eine unschöne Prognose: „Diese Szene wird ihn bis ans Ende seiner Karriere verfolgen.“ An das Tor, das er schoss, zum 1:0, wird sich bald niemand mehr erinnern, an das, das er nicht schoss, wohl jeder, der es sah. So wie immer noch eine Menge Leute bei Mario Gomez nicht an seine mehr als 300 Tore denken, sondern an das eine, das er 2008 gegen Österreich nicht schoss.

          Als Erklärung für den Fauxpas zitierte Trainer Thomas Tuchel Murphys Gesetz: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Und speziell im Fußball gilt das für wirklich alles. So wie im März bei Bersant Celina von Swansea City, der einen Strafstoß statt mit dem ausholenden Schussbein mit dem wegrutschenden Standbein traf, so dass der Ball sich statt elf Meter vorwärts nur einen Meter seitwärts bewegte. Das Etikett des „schlechtesten Elfmeters der Geschichte“ wurde Celina auch nicht durch das Traumtor los, das er drei Tage später im Pokal gegen Manchester City schoss.

          Gerade in Paris, wo man seit Jahren mit qatarischem Geld den Sprung an Europas Spitze anstrebt, wird Murphy gern fündig. So vor zwei Jahren, als PSG nach einem 4:0-Hinspielsieg mit 1:6 in Barcelona aus der Champions League ausschied. Oder vor einem Monat, als man nach einem 2:0 bei ManUnited das Rückspiel drückend überlegen 1:3 verlor – durch einen Handelfmeter in der Nachspielzeit.

          Anders gesagt: PSG betreibt das teuerste Testlabor für Murphys Gesetz in der Geschichte des Fußballs. Als Trost für Choupo-Moting bleibt, dass sein Forschungsbeitrag sportlich folgenlos bleiben dürfte. Bei zwanzig Punkten Vorsprung wird man nun wohl nächsten Sonntag in Lille feiern. Es sei denn, Murphy spielt wieder mit.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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