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Fußball : Robb 'n' Roll

  • -Aktualisiert am

Dribbelkönig Arjen Robben Bild: REUTERS

„Ein Törchen war für Oma“, sagte Arjen Robben nach seinem Doppelpack im Länderspiel gegen Deutschland. Der Jungstar vom FC Chelsea wird nach seinen Toren als neuer Stolz Hollands gefeiert.

          2 Min.

          Den rechten Arm stützte er auf seinen Trolley mit dem leichten Sportgepäck, in der linken Hand hielt er einen Apfel, an dem er unablässig knabberte. Arjen Robben genoß in aller Ruhe die dritte Halbzeit im Rotterdamer Stadion „De Kuip“, in dem er beim 2:2 der niederländischen Nationalmannschaft gegen Deutschland die Höhepunkte des Abends geschaffen hatte. „Ein Törchen war für Oma“, sagte der zweimalige Torschütze, „auch wenn die nicht mehr lebt.“ Seine Mutter habe ihm vor dem Spiel gebeten, einen Treffer gegen die Deutschen zu erzielen und der Großmama zu widmen, die am Tag des Duells des Oranje-Teams gegen die Deutschen Geburtstag gehabt hätte.

          Das „Törchen“ war eine Attraktion, ein wahrer Leckerbissen: In der dritten Minute schoß Robben, bedient von einer mißratenen Kopfball-Abwehr von Christian Wörns, den Ball von der Strafraumgrenze in den Torwinkel. Es war der Beginn einer einzigartigen Schau, in der der Einundzwanzigjährige mit der deutschen Abwehr Robb'n' Roll tanzte. „Der ist absolute Weltklasse im Dribbling“, sagte Wörns. „Der hervorragende Fußball der Niederländer und vor allem Robben waren toll anzusehen“, schwärmte auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

          „Neuer Stolz Hollands“

          Robben gelang direkt nach der Pause auch das 2:0, was die Niederländer entzückte. Denn als ausgewiesener Torjäger ist der 1,80 Meter große, schlanke Friese nicht bekannt gewesen. „Zwei Tore waren mir einmal gelungen, als ich mit Groningen gegen Den Bosch gespielt habe“, sagte Robben, der beim FC Groningen mit 16 Jahren sein Profi-Debüt gab. Der rechts wie links einsetzbare Angreifer, der Fußballfans im fortgeschrittenen Alter mit seinen Dribbelfertigkeiten an Stan Matthews erinnern könnte, wird von den Oranje-Fans als „neuer Stolz Hollands“ gefeiert. Im Sommer 2002 wechselte Robben für 4,2 Millionen Euro von Groningen zum PSV Eindhoven, mit dem er niederländischer Meister wurde. Manchester United bot für den Künstler sieben Millionen Euro Ablöse. Schließlich übertrumpfte der FC Chelsea die Offerte, und nach zwei Spielzeiten in Eindhoven ging Robben vor einem Jahr für 18 Millionen Euro nach London. Stammspieler ist er dort beim portugiesischen Trainer Jose Mourinho allerdings nicht. Robben, der mehrmals von Verletzungen aus dem Rhythmus gebracht wurde, steht allerdings auch erst am Beginn seiner Karriere.

          Zum Verhängnis wurde Robben dem früheren Bondscoach Dick Advocaat während der EM in Portugal. Im Gruppenspiel gegen Tschechien führten die Holländer nach zwei Torvorlagen des Außenstürmers 2:0, aber schließlich wechselte ihn Advocaat aus. Tschechien gewann noch 3:2, es war der Anfang des Endes von Advocaats Dienstzeit. Dem Nationaltrainer wurde die Auswechslung Robbens vorgeworfen. Es half nichts, daß Robben den Siegtreffer im Elfmeterschießen gegen Schweden erzielte und die Niederlande ins Halbfinale führte.

          Sauer auf Huth

          Außerhalb der Kritik steht Robben dennoch nicht. „Das hätte er besser machen müssen. Spielt er den Ball zu mir, stehe ich frei vor Olli. Das wäre wohl die Entscheidung gewesen“, sagte Roy Makaay, dem der kleine Triumph, seinen Bayern-Teamkollegen Oliver Kahn zu überwinden, in der 63. Minute nicht vergönnt war. Vorausgegangen war eine Szene, in der Robben Bernd Schneider getunnelt, Dietmar Hamann umkurvt und auch noch Wörns umdribbelt hatte. Statt auf Makaay zu passen, schoß der Mann, den die Holländer für seinen „lekkeren voetball“ lieben, erfolglos auf das Tor. „Ich muß mich steigern. Mein letzter Ball kann besser werden“, rügte sich Robben nach dem 15. Länderspiel selbst: „Das Spiel mußten wir gewinnen.“

          Die Niederländer berauschten sich so an ihrem Spiel, daß sie den Erfolg wieder einmal verschenkten. Makaay hatte es kommen sehen. „Die Deutschen warten nur auf kleine Fehler und nutzen sie sofort aus“, sagte er. Verärgert war der Torjäger über Robert Huth, der eine Minute nach seiner Einwechslung für ein rüdes Foul die Gelbe Karte erhielt. „Er wollte mich wohl ins Krankenhaus treten. So etwas gehört nicht auf den Fußballplatz“, klagte Makaay. Vom Kollegen war er gewarnt, denn Robben kennt Huths brachiale Art aus dem Chelsea-Training.

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