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Geschichte der Einwechslungen : Löw und die Kunst der „Spezialkräfte“

Schürrle flankt, Götze trifft: Deutschlands WM-Titel war ein Werk der eingewechselten „Spezialkräfte“ Bild: Imago

Die Fußball-Regelhüter entscheiden an diesem Wochenende auch über die Einführung eines vierten Einwechselspielers. Bundestrainer Löw fordert das schon lange. Aber ist das wirklich eine sinnvolle Änderung? Ein Blick zurück hilft.

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          Mit Walter Krause fing alles an. Kennen Sie nicht? Es war der 15. Juni 1924. Im 48. Länderspiel der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB )wurde erstmals ein Spieler eingewechselt – zumindest gemäß der DFB-Aufzeichnungen. Es war in Oslo, Krause kam beim 2:0-Sieg der Deutschen in der 68. Spielminute für Torschütze Hans Sutor. Ein solcher Wechsel war in jenen Jahren bei Länderspielen absprachegemäß gestattet.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den folgenden Jahrzehnten erwies sich die deutsche Nationalmannschat aber eher als wechselfaul. Während die Gegner regelmäßig mehrfach pro Spiel tauschten, verweigerte sich der DFB oft der Wechselspielchen. In Pflichtspielen waren Wechsel ohnehin noch bis 1967 vom Internationalen Fußballverband Fifa als dem obersten Regelhüter untersagt.

          Selbst schwerverletzte Spieler durften nicht ersetzt werden und humpelten meist bis Abpfiff auf dem Feld herum – mit einer Ausnahme: In den Qualifikationsspielen zur WM 1954 durfte bis zum Halbzeitpfiff ein Spieler ersetzt werden, wenn er gesundheitliche Probleme zur Begründung angab. Und so kam Alfred Pfaff, Spielmacherlegende von Eintracht Frankfurt, 1953 zu der Ehre, die erste Pflichtspieleinwechselspieler zu werden.

          Und wieder geschah es in Oslo, wo er im ersten Qualifikationsspiel nach 42 Minuten für den späteren Weltmeister Hans Schäfer beim 1:1 ins Spiel kam. Bei der folgenden, vom Wunder von Bern für Deutschland gekrönten WM waren Wechsel wiederum untersagt – und sie blieben es bis 1967, als die Fifa in ihrem Reglement erstmals die Einwechseloption aufnahm und somit das Spiel um eine Facette bereicherte. 1968 schon erweiterte sie die Zahl der Einwechselspieler von eins auf zwei.

          Grabowski als „bester Einwechselspieler der Welt“

          Der erste bedeutsame deutsche Einwechselspieler wurde drei Jahre später Jürgen Grabowski. Die Eintracht-Legende avancierte bei der WM 1970 in Mexiko zum „besten Einwechselspieler der Welt“, einem Ehrentitel, der den späteren Weltmeister von 1974 immer noch auf die Palme bringt. „Ich habe in meinem Leben mit Ausnahme dieser ersten vier Spiele der WM 1970 eigentlich fast immer in der Startelf gestanden, aber dennoch werde ich so bezeichnet“, ärgert sich Grabowski bis heute.

          Dabei war der Linksfuß aus dem Wiesbadener Stadtteil Biebrich seiner Zeit voraus. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die deutsche Elf die Vorrundenbegegnungen gegen Marokko und Peru nach seiner Einwechslung noch zum Guten wendete. Grabowskis Impulsen durch Dribblings und Vorlagen war auch der 3:2-Sieg nach Verlängerung über England im Viertelfinale nach einem 0:2-Rückstand zum Zeitpunkt seiner Einwechslung zu verdanken.

          Der Bundestrainer und seine „Spezialkräfte“

          Bis der Einwechselspieler auch im Liga-Alltag zum Joker und somit zur taktischen Option wurde, vergingen indes noch ein paar Jahre. Vornehmlich blieb der Einwechselspieler in den ersten Jahren die Aufgabe, nach einer Verletzung die Mannschaft aufzufüllen.

          Erst seit 1995 sind schließlich die heute üblichen drei Auswechslungen erlaubt, die den Trainern neue Möglichkeiten eröffneten. Nicht zuletzt deshalb konnte Joachim Löw bei der WM im vergangenen Jahr seine Ersatzspieler mit dem wohlklingenden Begriff „Spezialkräfte“ verbal aufwerten. Der Bundestrainer wollte damit betonen, dass er seine Einwechselspieler für ganz bestimmte Aufgaben als unersetzlich ansieht. Der eingewechselte Endspieltorschütze Mario Götze und der gleichfalls von der Bank ins Spiel gekommene Vorbereiter André Schürrle bestätigten ihren Coach im Endspiel schließlich durch ihre Koproduktion unter „Spezialkräften“.

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