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Fußball-Regelecke : Torraub wird dreifach bestraft

Zur falschen Zeit am falschen Fuß erwischt: Zieler gegen Sosa Bild: REUTERS

Platzverweis, Elfmeter, Sperre - und das alles für ein harmloses Vergehen, wie das von Torwart Zieler am Mittwoch gegen Argentinien. Ist das gerecht? Die Fußball-Regelecke.

          2 Min.

          In Österreich gibt es ein schönes Wort für eine unschöne Tat, und sie wird hart bestraft: „Torraub“ wird grundsätzlich mit der Roten Karte bestraft. Ja klar, könnte man meinen: wenn einer das Tor klaut, kann ja keiner mehr weiterspielen - so einer gehört natürlich bestraft. Und das Tor muss er auch wieder hergeben.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Doch hier wird es heikel. Denn Sprache ist missverständlich, und der „Torraub“ mitnichten ein handfester Diebstahl. Vielmehr ist damit das gemeint, was die Deutschen als „Notbremse“ bezeichnen.

          Beim Länderspiel am Mittwochabend in Frankfurt hatte sich der deutsche Torwart Ron-Robert Zieler des Vergehens schuldig gemacht, als er den auf sein Tor zustrebenden Argentinier José Sosa mit der Hand am Fuß erwischte und regelwidrig zu Fall brachte. Der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson zückte folgerichtig die Rote Karte - und weil das Vergehen im 16-Meter-Raum erfolgte, gab es zusätzlich Strafstoß für Argentinien.

          Foul im Strafraum: Platzverweis, Elfmeter, Sperre
          Foul im Strafraum: Platzverweis, Elfmeter, Sperre : Bild: AFP

          Zwar parierte der eingewechselte Ersatzmann Marc-André ter Stegen mit seiner ersten Aktion den Elfmeter von Lionel Messi, dennoch wurde einmal mehr der Sinn dieser Regel in Frage gestellt, da sie eindeutig eine Doppelbestrafung bedeutet - und eigentlich kann man in einem Rechtssystem für ein und dieselbe Tat nur einmal bestraft werden.

          Der umstrittene Passus im offiziellen Regelwerk des organisierten Fußballs wird in Regel 12: „Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen“ ausgeführt. Unter dem Passus „Feldverweiswürdiges Vergehen“, heißt es in den Punkten 4 und 5, dass ein Spieler des Feldes verwiesen werden müsse, wenn er „ein Tor oder eine offensichtliche Torchance eines Gegenspielers durch absichtliches Handspiel verhindert oder zunichtemacht“ - wobei angefügt wird, das dies nicht für den Torwart in seinem Strafraum gilt - oder „einem auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler eine offensichtliche Torchance nimmt, indem er eine mit Freistoß (vor dem Strafraum) oder Strafstoß (im Strafraum) zu ahndende Regelübertretung begeht.“

          Keine Wahl für Schiedsrichter Eriksson: Rot
          Keine Wahl für Schiedsrichter Eriksson: Rot : Bild: AFP

          Diese Notbremsen-Regel gilt seit 1990 - und seitdem wird sie auch scharf kritisiert . „Jeder Fußballfan will diese Regelung abschaffen“, meinte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nach dem Argentinien-Spiel. „Wer diese Regel erfunden hat, möchte ich gar nicht wissen. Das ist einfach unsinnig“, kritisierte auch Bundestrainer Joachim Löw.

          Eingeführt wurde die Regel vor gut 20 Jahren, um Stürmer vor dem kalkulierten Umholzen vor der Strafraumgrenze zu schützen. In den beinharten 80ern gab es dafür oft nur Gelb und Freistoß - was natürlich ein Witz war, man denke nur an Toni Schumachers Einsatz im WM-Halbfinale gegen den Franzosen Battiston.

          „Für uns Torhüter ist das natürlich eine blöde Regel“

          In der soften Neuzeit sind dagegen die Torhüter oft die Leidtragenden der Roten Welle, denn wenn sie nur knapp zu spät kommen, und den Stürmer nur leicht touchieren, müssen sie vom Platz, und danach meist noch ein bis zwei Spiele aussetzen. Womit sogar eine Dreifachbestrafung einsetzt. 

          „Ich habe es fast ahnen können, weil das Regelwerk so ist, dass es dafür eine Rote Karte gibt. Für uns Torhüter ist das natürlich eine blöde Regel, Elfmeter und die Rote Karte gegen sich zu bekommen“, kommentierte Zieler seine Schrecksekunde vom Mittwoch.

          Einsichtiger Sünder: „Ich habe es ahnen können“
          Einsichtiger Sünder: „Ich habe es ahnen können“ : Bild: dpa

          Doch er hatte auch Glück im Unglück, denn Zieler muss trotz seines Platzverweises keine Sperre für die im September startenden Qualifikationsspiele zur WM 2014 befürchten. Stattdessen wird der Schlussmann von Hannover 96 nur für das nächste  Freundschaftsspiel am 14. November in Amsterdam gegen die Niederlande gesperrt, weil er auch seine "böse" Tat in einem Freundschaftsspiel beging.

          Löw könnte Zieler also für die ersten beiden Quali-Spiele im September nominieren. In denen geht es erst gegen die Färöer-Inseln und dann gegen Österreich. Torklau hin oder her.

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