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Fußball-Regelecke : Da kräht der gallische Hahn

Der rot-weiß-blau quergestreifte Ribéry: die Farben stimmen aus französischer Sicht, das Trikot nicht Bild: dpa

Uefa-Präsident Platini ist fassungslos, dass Ribéry nicht mehr für die „Grande Nation“ gegen den Ball treten will. Der Spieler habe das gar nicht zu entscheiden, zürnt der eine Franzose über den anderen. Aber stimmt das so?

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          Dass die Fußball-Weltmeister Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker nicht mehr für Deutschland spielen wolle, hat sich herumgesprochen. Aber ist der Rücktritt der Nationalspielers überhaupt bindend? Müssten die drei ihre Blumensträuße wieder abgeben und für Deutschland antreten, wenn Bundestrainer Joachim Löw es wollte? Schwer vorstellbar, aber nach Meinung von Uefa-Präsident Michel Platini verbindlich. Der offenbar autoritär erzogene Franzose glaubt nämlich, dass der Spieler selbst gar nichts zu sagen hat.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Zum Beispiel Franck Ribéry. Das sei einzig Sache des Nationaltrainers, zu entscheiden, wer für die Grande Nation gegen den Ball trete, und wer nicht. „Franck Ribéry kann nicht einfach selbst entscheiden, ob er für Frankreich spielt oder nicht. Wenn Trainer Didier Deschamps ihn einlädt, muss er zur Nationalmannschaft kommen. Das ist in den Fifa-Statuten festgelegt. Wenn er nicht kommt, wird er für drei Spiele mit Bayern München gesperrt“, sagte Platini der Bild am Sonntag.

          Aufgepasst, Bayern München! Könnten bald wichtige Spieler in der Bundesliga fehlen. Platini verweist auf die Fifa-Statuten. Darin heißt es in Artikel 3, Anhang 1 auf Seite 33: „Jeder Spieler, der bei einem Verein registriert ist, ist grundsätzlich verpflichtet, einem Aufgebot für eine Auswahlmannschaft des Verbands des Landes Folge zu leisten, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt.

          Kein Verständnis für seinen unwilligen Landsmann: Uefa-Präsident Michel Platini
          Kein Verständnis für seinen unwilligen Landsmann: Uefa-Präsident Michel Platini : Bild: AP

          Klingt bindend, aber die Regelung zielt auf die Vereine, und nicht auf die Spieler. Es geht um die generelle Abstellungspflicht vor Länderspielen, nicht um die generelle Bereitschaft, sich noch fürs Vaterland in den Ball zu werfen.

          Ribéry hatte vor der Saison seinen Rücktritt aus der französischen Nationalmannschaft erklärt. Er wolle sich zukünftig ganz auf die Aufgabe im Verein konzentrieren, hatte er mitgeteilt. Ein Erklärungsversuch zu dem Platini, einst Mittelfeldregisseur der Equipe Tricolore und Europameister 1984 im eigenen Land, keinen Zugang findet: „Ich verstehe ihn nicht. Er ist Franzose, die EM findet 2016 in Frankreich statt, nicht in Polen. Da muss er doch spielen wollen“, zürnte der Chef der Europäischen Fußball-Union.

          Ribéry hatte schon die WM-Endrunde in Brasilien wegen Rückenbeschwerden verpasst. Frankreich erreichte dort  auch ohne den alternden Mittelfeldstar das Viertelfinale und schied dort nur denkbar knapp gegen den späteren Titelträger Deutschland aus (0:1).

          Müsste Ribéry also in Zukunft glaubhaft Rückenschmerzen vortäuschen, wenn eine Länderspielwoche ansteht, um dem Einberufungsbescheid zu entkommen? Laut Reglement schon. Es dürfte aber sicher eine große Freude für die Mitspieler sein, wenn ein Altgedienter der Verpflichtung zum Dienst am Ball als Dienst nach Vorschrift nachgeht.

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