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Fußball-Regelecke : Abseits ist, wenn der Linienrichter winkt

Kein gutes Zeichen: Wenn Schieds- und Linienrichter sich lange beraten müssen Bild: dpa

Schiedsrichter Weiner und Assistent Grudzinski lösen die knifflige Regelfrage „Rot und Elfmeter“ oder „Tor für Hertha“ mit einer eigenen Lösung. „Indirekter Freistoß“ für Nürnberg. Warum? Die Regelecke klärt auf!

          2 Min.

          Fußballfan, wie würden Sie entscheiden? Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer wehrt einen Angriff per Fußabwehr ab, Berlins Stürmer Ronny nimmt den Ball auf und schießt ihn hoch aufs Tor. Dort nimmt Nürnbergs Verteidiger Ondrej Petrak auf der Torlinie zur Abwehr des Balles die Hand zur Hilfe. Den Abpraller verwertet Herthas Stürmer Ramos und schießt ihn ins Tor.

          a) Rot für Petrak und Elfmeter für Hertha.

          oder

          b) Tor für Hertha.

          Schiedsrichter Michael Weiner entscheidet sich am Sonntag in der 90. Minute des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Nürnberg zunächst für Variante a) – und löst damit auch keinerlei Proteste aus. Sünder Petrak wusste, was er getan hatte und wäre wohl kommentarlos vom Feld geschlichen, hätte sich nicht Schiedsrichter-Assistent Norbert Grudzinski ins Spiel gebracht. Nach eingehender Beratung mit seinem Chef entscheidet der nun zur allgemeinen Überraschung auf Variante

          c) Indirekter Freistoß für Nürnberg wegen vorangegangener Abseitsstellung von Ramos.

          Die erste Entscheidung schien klar: Hand auf der Torlinie gibt Rot
          Die erste Entscheidung schien klar: Hand auf der Torlinie gibt Rot : Bild: dpa

          Nun war Stimmung im Stadion. Die Berliner verstanden die Welt nicht mehr und protestierten lautstark. Die Nürnberger wussten wohl auch nicht so recht, was entschieden worden war, nahmen den Freistoß aber dankend an. Weil die Hertha in der Nachspielzeit auch noch per Strafstoß das 1:3 kassierte, anstatt das 2:2 erzielt zu haben, waren die Berliner insgesamt nicht besonders gut auf das Schiedsrichtergespann zu sprechen.

          Doch im Prinzip hatten Weiner und Grudzinski den Regeln entsprechend gehandelt. Der Assistent hatte schlicht besser aufgepasst als alle anderen – was ja auch sein Job an der Linie ist. Grudzinski wertete den vorangegangenen Laufweg von Ramos vor Schäfer als Beeinflussung des Gegners - und weil Ramos kurz danach ins Spiel eingriff, nachdem Ronny die Fußabwehr Schäfers volley vors Tor geschossen hatte, war Weiners Abseitsentscheidung wohl korrekt.

          Doch die Szene verdeutlicht einmal mehr die Problematik der bestehenden Fifa-Regel. Die Definition von passivem oder aktivem Abseits räumt den Schiedsrichtern so viel Spielraum ein, dass kaum noch von einer einheitlichen Regelauslegung gesprochen werden kann. Maßgeblich ist nun nicht mehr die Position des Angreifers alleine, sondern seine oftmals nur gefühlte Beteiligung am Spielgeschehen.

          Die Meinungen nach dem Spiel waren erwartungsgemäß geteilt: „Eine mutige, aber richtige Entscheidung“, sagte Nürnbergs Schäfer. Hertha-Manager Preetz hatte dagegen eine andere Präferenz: „Rot und Elfmeter. Sonst gar nichts.“

          „Wir müssen die Regeln einfach halten“

          Die herrschende Abseits-Definition wird übrigens auch beim „International Football Association Board“, dem internationalen Regel-Gremium kritisch gesehen. „Wir müssen die Regeln einfach halten. Davon lebt der Fußball“, sagte der Generalsekretär des englischen Fußball-Verbandes, Alex Horne, im Januar bei der konstituierenden IFAB-Sitzung. Mit einer Änderung der Bestimmungen sei aber vorerst nicht zu rechnen.

          Die Abseitsregel im Wortlaut:

          Regel 11

          Abseitsstellung
          Die Abseitsstellung eines Spielers stellt an sich noch kein Vergehen dar.

          Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Gegenspieler.

          Ein Spieler befindet sich nicht in einer Abseitsstellung
          in seiner eigenen Spielfeldhälfte oder
          auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Gegenspieler oder
          auf gleicher Höhe mit den beiden letzten Gegenspielern.

          Vergehen
          Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler berührt oder gespielt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er
          - ins Spiel eingreift, oder
          - einen Gegner beeinflusst, oder
          - aus seiner Position einen Vorteil zieht.

          Kein Vergehen
          Kein Abseits liegt vor, wenn ein Spieler den Ball direkt erhält nach
          - einem Abstoss,
          - einem Einwurf,
          - einem Eckstoß.

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