https://www.faz.net/-gtl-7rtzd

Fußball-Profi Biermann : Opfer der Depression

  • Aktualisiert am

Andreas Biermann: 1980 - 2014 Bild: dpa

Fußballprofi Andreas Biermann scheidet aus dem Leben. Der einstige Spieler des FC St. Pauli litt an Depressionen. Er hatte sich lange und mutig gegen die Krankheit gestemmt.

          Fünf Jahre nach dem Tod von Robert Enke hat sich der ehemalige Fußballprofi Andreas Biermann im Alter von 33 Jahren das Leben genommen. Der einstige Spieler von FC St. Pauli und 1. FC Union Berlin litt seit mehr als zehn Jahren an Depressionen und hatte den Suizid des früheren Nationaltorwarts Enke im November 2009 zum Anlass genommen, öffentlich darüber zu sprechen. Er versuche die Krankheit zu enttabuisieren, sagte Biermann damals, indem er seinen Suizidversuch öffentlich mache; drei Mal hatte er zu diesem Zeitpunkt versucht, sich das Leben zu nehmen. Biermann trat in Talkshows wie „Beckmann“ oder „Lanz“ im Fernsehen auf und publizierte auch seine Telefonnummer, um anderen Betroffenen helfen zu können. In der Folge allerdings habe er nicht die erhoffte Unterstützung gefunden, sondern seinen Vertrag verloren, schrieb Biermann in seiner zwei Jahre später erschienenen Autobiografie „Rote Karte Depression“.

          „Er hatte es schon einige Male probiert. Man dachte, dass er es in den Griff bekommt. Leider hat er es nicht geschafft“, sagte sein einstiger Berliner Mannschaftskamerad Torsten Mattuschka. „Wie verzweifelt muss man sein, wenn man das als zweifacher Familienvater macht?“, fragte er. Biermann habe sich lange und mutig gegen die Krankheit gestemmt, aber den Kampf nicht gewinnen können, urteilte Union-Präsident Dirk Zingler auf der Internetseite des Vereins. „Wir sind geschockt und traurig.“

          Für den FC St. Pauli äußerte sich Sportchef Rachid Azzouzi. „Wir sind alle geschockt von dieser Nachricht und zutiefst betroffen darüber, was diese grauenvolle Krankheit anrichten kann“, sagte er im österreichischen Ort Villach, wo die Mannschaft sich auf die kommende Zweitliga-Saison vorbereitet. „Wir wünschen seiner Familie in dieser schweren Zeit die nötige Kraft, um mit dieser extrem schwierigen Situation umgehen zu können.“ Biermann war 2008 von Tennis Borussia Berlin nach Hamburg gewechselt, hatte dort wegen zahlreicher Verletzungen aber nur zehn Zweitliga-Spiele bestreiten können.

          Biermann hatte sich vor zwei Jahren in Therapie begeben. „Die Suizidgedanken habe ich nach wie vor, ich fühle mich sehr schlecht...“, schrieb er damals auf seiner Facebook-Seite. Es gebe Gründe über die Depressionen hinaus, ließ er damals wissen, wolle diese aber aus Selbstschutz nicht erläutern. Mehr als 1000 Fans und Mitspieler hatten ihm über soziale Netzwerke daraufhin Unterstützung zugesprochen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Klimaaktivistin : Das Team hinter Greta

          Vor einem Jahr hat die schwedische Teenagerin Greta Thunberg ihre Schulstreiks begonnen. Heute ist sie weltberühmt und segelt über den Atlantik. Wir zeigen die Leute hinter ihr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.