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Fallrückzieher : Der perfekte Bogen

  • -Aktualisiert am

Embolos Kunststück: Gladbach siegt dank des Schweizers nach fast 18 Jahren wieder in Wolfsburg. Bild: EPA

Hohe Form der Kunstfertigkeit: In Wolfsburg und in Berlin zeigen der Freiburger Nils Petersen und der Gladbacher Breel Embolo, was sie können. Die kunstfertigen Aktionen helfen auch den Mannschaften.

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          Fallrückzieher gelten beim Fußball immer noch als höchste Form der Kunstfertigkeit, auch wenn es längst kompliziertere Techniken gibt, Tricks mit Namen wie „Elastico“, „Hokus Pokus“ oder „Ronaldo Chop“. Also wurden am Samstag mit dem Freiburger Nils Petersen sowie mit Breel Embolo von Borussia Mönchengladbach zwei Spieler besonders laut gefeiert, denen per Fallrückzieher Tore für ihre Teams gelungen waren, die mindestens so wichtig waren wie schön. Die Gladbacher haben nicht nur erstmals in dieser Saison auswärts gepunktet, sie haben auch zum ersten Mal seit fast 18 Jahren in Wolfsburg gewonnen. Und der SC Freiburg setzt sich dank Petersens Coup von Berlin im oberen Bereich der Tabelle fest.

          Bundesliga

          Dabei sei er „eigentlich gar kein Typ für Fallrückzieher“, sagte Petersen nach seinem Siegtreffer zum 2:1-Erfolg bei Hertha BSC und beschrieb seinen großen Moment in der 78. Minute mit der Demut, die traditionell in Freiburg gepflegt wird: „Ich habe einfach versucht, den Ball in der besten Art und Weise runterzudrücken, und dann ist er perfekt im Bogen reingeflogen“.

          Durch diesen Treffer stehen die Freiburger plötzlich auf einem Champions League-Rang, was den mittlerweile 32 Jahre alten Stürmer noch nicht einmal überrascht. „Das ist kein Zufall oder Glück“, sagte er, „wir haben das eine oder andere Spiel nicht gut gespielt und trotzdem gepunktet. Das ist eine neue Qualität.“ Exakt so gewannen sie in Berlin, und Petersens persönliche Geschichte passt wunderbar zum diesem Freiburger Höhenflug.

          In seinem 250. Bundesligaspiel gelang ihm sein 30. Treffer als Einwechselspieler, womit er seinen Rekord als bester Joker der Bundesligageschichte weiter ausbaute. Jetzt will er auch in den kommenden Wochen eine wichtige Rolle beim SC spielen, der in der nun beginnenden Länderspielpause in sein neues Stadion umziehen wird. Wobei einige Beobachter sich fragen, ob dieser alternde Sportler noch mithalten kann beim physisch geprägten Fußball, den Christian Streich von seinen Spielern verlangt.

          Freiburger Vorbild: Nils Petersen baut seinen Rekord als bester Joker in der Geschichte der Bundesliga weiter aus.
          Freiburger Vorbild: Nils Petersen baut seinen Rekord als bester Joker in der Geschichte der Bundesliga weiter aus. : Bild: dpa

          Allerdings ist Petersen nicht nur als Fußballer, sondern auch als Teil des sozialen Gefüges beim SC wichtig. In Berlin berichtete der Trainer von seinem besonderen Verhältnis zu seiner Nummer 18: „Er ist ein Vorbild für diese Mannschaft“, sagte Streich, weil Petersen trotz seiner Rolle als Einwechselspieler immer positive Energien ins Sozialgefüge einspeise. „Die Fans in Freiburg und überall in Deutschland lieben ihn, weil er als Mensch so ist, wie er ist.“

          „Er hat Wucht, er hat Schnelligkeit“

          Ein hymnischeres Lob lässt sich kaum formulieren für einen Fußballer, auch wenn sich Adi Hütter in Wolfsburg alle Mühe gab, den zweiten Fallrückzieher-Künstler des Wochenendes ebenfalls zu huldigen. Embolo sei „die spielbestimmende Persönlichkeit auf dem Platz gewesen“, sagte der Mönchengladbacher Trainer nach dem 3:1 beim VfL Wolfsburg. Der Schweizer Stürmer hatte den Freistoß, der seinem Kunstschuss vorausgegangen war, mit einem seiner mitreißenden Läufe selbst erkämpft.

          Er hatte das 0:2 durch Jonas Hofmann vorbereitet – mit einer beeindruckenden Mischung aus Willenskraft und spielerischer Brillanz. Zudem hatte er einen Elfmeter erarbeitet, den Lars Stindl allerdings verschoss. „Breel hat einen Körper, er hat eine Wucht, er hat Schnelligkeit“, sagte Hofmann, „das sind alles Komponenten, die zusammenkommen, die sehr unangenehm für eine Verteidigung werden können.“

          Embolo selbst hält sich derweil schon länger zurück mit öffentlichen Auftritten jenseits des Rasens, nachdem er inmitten der Pandemie im Kontext mit einer illegalen Party in die Schlagzeilen geraten war. Aber nicht nur wegen solcher Geschichten stellt der 24 Jahre alte Schweizer die Mönchengladbacher immer wieder vor emotionale Herausforderungen. Sie haben ihn geliebt, ihn in Liedern gefeiert, wenn er in Form war und Erfolgsphasen hatte.

          In anderen Momenten sind sie am verschwenderischen Umgang Embolos mit den wunderbarsten Torchancen verzweifelt. Manchmal scheint es, als würden diesem Spieler schwierige Dinge wie ein Fallrückzieher in einem komplizierten Auswärtsspiel eher gelingen als die einfachen Sachen. An diesem Wochenende war das aber genau, was die Borussia brauchte.

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