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Spektakuläre EM-Qualifikation : Selbst Schottlands Regierungschefin Sturgeon ist fassungslos

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Konnte es kaum glauben: Nicola Sturgeon, hier im Oktober, freut sich mit der schottischen Fußball-Nationalmannschaft. Bild: AFP

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren qualifiziert sich Schottland wieder für eine Fußball-Europameisterschaft. Regierungschefin Nicola Sturgeon lässt anschließend ihrer Freude freien Lauf. Bei der EM wartet ein auch politisch brisantes Duell.

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          Den größten Erfolg seit fast einem Vierteljahrhundert bejubelten die schottischen Fußballprofis mit einer unvergesslichen Kabinenparty. Zum Disco-Evergreen „Yes Sir, I can Boogie“ von Baccara sangen und tanzten die Bravehearts in den Katakomben des Nationalstadions von Belgrad. Tränen flossen, das Motto war klar: Schottland ist wieder da!

          Quälend lange 23 Jahre werden seit dem letzten Turnier vergangen sein, wenn die Schotten im kommenden Sommer bei der paneuropäischen EM antreten. Seit der WM 1998 war das Land nicht mehr im Konzert der Großen vertreten, dabei gehört Schottland neben England zu den Mutterländern der Sportart. Am 30. November 1872 bestritten beide Teams in Glasgow das erste offizielle Länderspiel der Fußball-Geschichte gegeneinander.

          „Man hält es nicht aus“

          „Normalerweise scheitern wir an der letzten Hürde oder versagen jämmerlich“, sagte Nationaltrainer Steve Clarke nach dem dramatischen 5:4 im Elfmeterschießen im Play-off-Finale gegen Gastgeber Serbien. Gemeint waren die teils skurrilen Qualifikationsrunden für die letzten Turniere. Und auch dieses Mal schienen sich die Schotten selbst ein Bein zu stellen.

          Kurz vor Ende der Partie führten die Schotten durch den Treffer von Ryan Christie (52.), ehe das Drama seinen Lauf nahm. In der Schlussphase schenkten die Schotten den selten gefährlichen Serben einen Eckstoß, es folgte der Ausgleich durch den früheren Frankfurter Luka Jovic (90.). Schottland rettete sich ins Elfmeterschießen, dort parierte Torwart David Marshall den entscheidenden Elfmeter von Aleksandar Mitrovic. Jubel! Ekstase! Oder doch nicht?

          Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz schaute sich die Szene nochmals an. Stand Marshall mit einem Fuß auf der Linie? Das Warten begann, Marshall fuchtelte, flehte, ehe die Erlösung folgte: Die Parade war regelkonform.

          „Dieser Shootout war vermutlich das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Man hält es nicht aus“, sagte ein stammelnder Christie. Und Clarke ergänzte: „Nach dem letzten Elfmeter hatte ich ein kleines Funkeln im Auge, aber ich habe es hingekriegt, meine Emotionen unter Kontrolle zu halten.“ Der Held des Abends rang nach Worten. „Ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben“, sagte Marshall (35), der sein Geld beim englischen Zweitligateam Derby County verdient.

          Sofern es die Corona-Pandemie zulässt, bekommt Schottland bei der EM zwei Heimspiele im Hampden Park von Glasgow gegen Tschechien und Kroatien. Dazwischen wartet in der Gruppe D ausgerechnet ein Duell mit Erzfeind England in dessen Kathedrale Wembley. Englands früherer Nationalspieler Peter Crouch gratulierte bei Twitter und schrieb: „Ich weiß, ihr hasst uns, aber ich habe mich für euch gefreut.“

          Abseits des Sportlichen bekommt das Duell in dieser Zeit aber auch eine politisch brisante Komponente. Nach dem Brexit, den die Schotten in deutlicher Mehrheit abgelehnt hatten, wurden die Rufe nach einer Unabhängigkeit Schottlands vom Rest des Vereinigten Königreichs wieder laut. Allen voran Regierungschefin Nicola Sturgeon drängt auf ein erneutes Referendum, Großbritanniens Premierminister Boris Johnson lehnt dies kategorisch ab.

          Schon während des Spiels und vor allem danach postete Sturgeon mehrere begeisterte Beiträge auf ihrem Twitter-Account und gratulierte unter anderem mit unzähligen schottischen Fahnen. „Was für ein Auftrieb für dieses Land“, schrieb sie. Zumindest sportlich behielt sie damit an diesem Abend recht.

          Nordmazedonien erstmals bei EM-Endrunde

          Nordmazedonien hat sich erstmals für eine Fußball-Europameisterschaft qualifiziert. Das Team von Trainer Igor Angelovski setzte sich am Donnerstagabend im Playoff-Finale in Tiflis gegen Gastgeber Georgien mit 1:0 (0:0) durch. Goran Pandev schoss in der 56. Minute vor leeren Rängen den einzigen Treffer. Der 37-Jährige, der seit 19 Jahren fast durchweg in Italien spielt, ist Mazedoniens Rekordspieler und bester Torschütze. Für den Stürmer vom CFC Genua war es das 36. Tor im 114. Länderspiel.

          Nordmazedonien trifft bei der wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verlegten Euro in der Gruppe C auf Österreich, die Niederlande und die Ukraine. Die erste Partie bestreitet der Weltranglisten-65. am 13. Juni in Bukarest gegen Österreich. Nordmazedonien ist seit 1994 nach der Abspaltung von Jugoslawien Mitglied der Fifa und der Uefa. Der ursprünglich als Mazedonien gegründete Balkanstaat änderte seinen Namen im Frühjahr 2019 und beendete damit einen Namensstreit mit Griechenland. (dpa)

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