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Fußball : Neuer Trainer, neues Glück im Kurzspiel

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiche Kurzarbeiter: Zidane und Beckham Bild: REUTERS

Ein Fußballspiel, das nur sechs Minuten dauert, kann durchaus seine Reize haben. Vor allem, wenn es in einem so schönen Stadion wie dem Santiago Bernabeu in Madrid stattfindet.

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          Ein Fußballspiel, das nur sechs Minuten dauert, kann durchaus seine Reize haben. Vor allem, wenn es in einem so schönen Stadion wie dem Santiago Bernabeu in Madrid stattfindet, zahlreiche Weltstars auf dem Rasen versammelt und das Ergebnis dazu noch von Bedeutung für die Landesmeisterschaft ist.

          Sechs Minuten hatten Real Madrid und die baskische Mannschaft Real Sociedad San Sebastian noch zu spielen, nachdem ihr Ligaspiel am 12. Dezember in der 84. Minute wegen einer Bombendrohung beim Stande von 1:1 abgebrochen werden mußte. Die gewalttätige baskische Separatistenorganisation Eta werde, wie es der Anrufer einer Eta nahestehenden Zeitung sagte, eine Bombe im Bernabeu zur Explosion bringen. Der Schiedsrichter pfiff das Spiel zwischen dem spanischen Rekordmeister und der Elf aus der Stadt San Sebastian, dem Zentrum des baskischen Terrorismus, ab und befahl den Spielern, schnellstens vom Rasen in Richtung Ausgang zu gehen. Gleichzeitig wurden die Zuschauer über Lautsprecher aufgefordert, das Stadion zu verlassen.

          Wahrscheinlich ein übler Scherz

          Innerhalb von nur neun Minuten hatten 70.000 Menschen ohne Drängen das Bernabeu verlassen. Vereinspräsident Florentino Perez und die beiden Mannschaftskapitäne Raul und Roberto Carlos verließen - ganz wie die Kapitäne auf sinkenden Schiffen - als letzte das Stadion. Die kriminelle Bombendrohung, wahrscheinlich ein übler Scherz, wurde zu einem Beweis für die gute Organisation und die Sicherheit im Stadion von Madrid.

          Zu den fehlenden sechs Minuten pilgerten an einem kalten Winternachmittag immerhin noch 25.000 Menschen ins Stadion, wo sie gratis Einlaß fanden. Die meisten von ihnen wollten ein Tor von Real Madrid, das drei Punkte für ihre Mannschaft bedeutete, sehen und gleichzeitig den neuen, fast über Nacht am Jahresende verpflichteten brasilianischen Trainer Luxemburgo begutachten. Die Erwartungen wurden erfüllt.

          "Rigorose Disziplin und harte Arbeit"

          Eine halbe Stunde vor Spielbeginn ließ Luxemburgo seine Stars gymnastische Übungen und Kurzsprints vorführen. Er demonstrierte damit, daß er die hochbezahlten Spieler hart anfassen will. "Rigorose Disziplin und harte Arbeit" hatte er als sein Motto verkündet und in den Tagen vor dem Kurzspiel jeweils morgens und nachmittags trainieren lassen. Ronaldo meinte danach, es sei doch wohl unmenschlich, einen wie ihn beim Training vier Kilometer in einem Stück laufen zu lassen.

          Luxemburgo hatte gegen San Sebastian drei Sturmspitzen aufgestellt: Ronaldo, Raul und den Madrider Publikumsliebling Morientes. Die Zuschauer wurden Augenzeugen eines Sturmlaufs von Real mit vier Torschüssen innerhalb von vier Minuten. Die Spieler San Sebastians überschritten nur zweimal die Mittellinie. Ein kunstvolles Dribbling Ronaldos im Strafraum konnte der gegnerische Verteidiger Labaka, ein Neuling in der ersten spanischen Division, nur mit einem Foul stoppen. Ronaldo stürzte zu Boden, und den fälligen Elfmeter verwandelte Zidane zum Siegtor.

          Fans amüsieren sich prächtig

          Die Voraussage von Roberto Carlos, sein Landsmann und früherer Vereinstrainer bei Palmeiras könne ein Spiel in zwei Minuten gewinnen, hatte sich nicht ganz bewahrheitet; der brasilianische Coach brauchte drei Minuten. Ronaldo wurde unmittelbar nach dem Foul ausgewechselt, womit wieder eine halbe der insgesamt sechs Minuten für Madrid gewonnen war. Bei einem weiteren schnellen Angriff von Real Madrid pfiff der Schiedrichter in der sechsten Minute ab. Die Fans des neunfachen Europapokalsiegers gingen bestens gelaunt nach Hause. Zufrieden mit dem neuen Trainer und den drei Punkten für ihre Mannschaft.

          Real Madrid ist in der Tabelle um drei Plätze nach oben geklettert, liegt jetzt punktgleich mit dem Zweiten, dem Titelverteidiger FC Valencia, auf Platz drei, doch um zehn Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Barcelona. Um bei der Vergabe des spanischen Meistertitels noch eine Rolle zu spielen, müßte Real am Sonntag beim Lokalrivalen Atletico Madrid gewinnen. Luxemburgo will seine Stars weiterhin hart rannehmen, damit sie die neunzig Minuten am Sonntag im Atletico-Stadion so gut durchstehen wie die sechs gegen San Sebastian.

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