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Fußball-Nationalmannschaft : Die Hygiene-Blase ist eine Black Box

Black Box Nationalmannschaft: Wie fühlen eigentlich Fußball-Profis? Bild: dpa

Vor dem Spiel des deutschen Nationalteams gegen Spanien rückt der Fußball aufs Neue in den Blickpunkt der Corona-Debatte. Die zunehmenden Fälle wecken Zweifel, ob die Hygienekonzepte noch ausreichen.

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          Die berühmte „Blase“ wird vermutlich als prägende Metapher der Corona-Zeit in die Fußballgeschichte eingehen. In einem Punkt ist sie aber irreführend: Von der Transparenz, die man mit ihr assoziiert, kann keine Rede sein, vor allem, wenn es darum geht, wie es um das Innenleben derjenigen bestellt ist, die diese Blase schützen soll.

          Auch rund um das vom Virus angegriffene Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine wurde so manche Frage gestellt, um etwas darüber zu erfahren, wie die Profis eigentlich fühlen oder denken. Aber alles in allem changierten die Antworten zwischen wolkig und imprägniert. Die Blase ist in dieser Hinsicht eher eine Black Box. Leon Goretzka allerdings machte davon eine Ausnahme am Samstagabend in Leipzig: Nach dem 3:1-Sieg, den er als bester deutscher Spieler geprägt hatte, berichtete Goretzka am ZDF-Mikrofon, wie er vorher mit Manuel Neuer darüber gesprochen habe, ob das Spiel stattfinden werde. Und der Kapitän, der später sein 95. Länderspiel absolvieren sollte, habe ihm gesagt, er sehe die „Wahrscheinlichkeit 60:40, dass es nicht stattfindet“.

          Nations League

          Mit anderen Worten: Selbst unter den deutschen Nationalspielern gab es eine gewisse Überraschung über den Verlauf, den die Dinge in den rund 22 Stunden zwischen der Bekanntgabe der fünf positiven Corona-Tests in der ukrainischen Delegation – vier Spieler und der Manager – am Freitagabend und dem grünen Licht am Samstagnachmittag nahmen.

          Dass am Ende gespielt wurde, brachte dann zwangsläufig zwei Ebenen der Bewertung hervor. Neben der sportlichen, die zur allgemeinen Zufriedenheit der deutschen Mannschaft ausfiel, die nun als Tabellenführer in die letzte Begegnung ihrer Nations-League-Gruppe am Dienstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Livetricker zur Nations League und ARD) gegen Spanien geht, ist der Fußball noch einmal neu in den Brennpunkt der Corona-Debatte gerückt – und das, wenn man sich umsieht und -hört, ziemlich unvorteilhaft. Nicht wenige sahen in der Austragung ein falsches Zeichen, es wurde aber auch die darüber hinausgehende Frage gestellt: Ob der Fußball ein fahrlässiges Spiel mit der Gesundheit betreibt. Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), nannte die Austragung „mindestens problematisch“.

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          Was genau war passiert (oder eben nicht)? Zunächst waren die positiven Tests der Ukrainer, die am Mittwoch noch ein Testspiel in Polen absolviert hatten, ein Fall für das Leipziger Gesundheitsamt. Das hatte qua Infektionsschutzgesetz und Corona-Schutzverordnung zu ermitteln, ob von den infizierten Spielern die Gefahr weiterer Ansteckungen ausgegangen war. In den Schilderungen des Stadtsprechers Matthias Hasberg wurden vor allem die Grenzen der Kompetenz deutlich. Mehr als abzufragen, ob es Intensivkontakte gegeben habe, also jene von kumuliert mindestens 15 Minuten von Angesicht zu Angesicht, die unter die Risikodefinition des Robert-Koch-Instituts (RKI) fallen, konnte das Gesundheitsamt nicht tun – und nachdem die Ukrainer das verneint hatten, waren die Ermittlungen beendet. „Ein Gesundheitsamt ist keine Polizei“, sagte Hasberg, und es habe im Übrigen auch keine Entscheidungsgewalt über die Austragung des Spiels. Die liegt bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa).

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